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[Tipps] Ein Ausflug in die Welt der Fettnäpfchen Japans

Jedes Land hat seine ganz eigenen Regeln. Japan bildet da keine Ausnahme. Auch hier gibt es Fettnäpfchen der besonderen Art, in die du treten wirst, wenn du sie nicht kennst. Du willst trotzdem vorbereitet sein auf die Fettnäpfchen, die auf dich lauern werden, wenn du nach Japan reist?

Hier ein kleiner Ausflug in die Welt der japanischen Fettnäpfchen:


Als ich gefragt wurde, ob ich diesen Artikel schreibe, dachte ich: „Mensch, da kennt mich aber jemand gut.“ Mir sind so viele Fauxpas in Japan passiert, dass ich einen ganzen Blog füllen könnte (und das tue ich fleißig auf Nipponinsider.de)

Und ich sag es gleich vorweg:

Trotz vieler Fettnäpfchen, in die ich getreten bin, habe ich sie alle überlebt. Manche wurden mit einem Lächeln abgetan und einige Fehler, die ich begangen habe, wurden mir erst sehr viel später bewusst. Alles halb so schlimm. Denn Japaner wissen um ihre vielen Regeln und gehen davon aus, dass kein Ausländer sich alle merken kann.

Die Kapitel im Überblick:
Fettnäpfchen rund ums Essen
Fettnäpfchen beim gemeinsamen Trinken
Fettnäpfchen beim Besuch einer japanischen Wohnung
Fettnäpfchen beim Business mit Geschäftspartnern
Fettnäpfchen beim Reisen unterwegs
Fettnäpfchen beim Onsenbesuch
Fettnäpfchen beim Benutzen einer japanischen Toilette
Der Aberglaube in Japan
Mein peinlichster Tag beim Shoppen in Japan
(mein Fettnäpfchen-Erfahrungsbericht)

Fettnäpfchen rund ums Essen

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In Japan herrschen ganz besondere Tischsitten. Manche sind etwas seltsam, andere dagegen religös geprägt.

Was du vermeiden solltest:

    • #1. Essstäbchen senkrecht in den Reis stecken (gehört zum buddhistischen Ritual, um den Toten Reis anzubieten).
    • #2. Essen mit den Stäbchen übergeben (gehört ebenfalls zum Beerdigungs-Ritual).
    • #3. Teller oder Schüsseln mit den Stäbchen zu sich heranziehen.
    • #4. Mit den Stäbchen auf etwas zeigen.
    • #5. Mit den Essstäbchen rumspielen, auf dem Tisch herum trommeln oder damit in der Nase bohren.
    • #6. Laut rülpsen – gilt in Japan als sehr unhöflich.
    • #7. Beim Sushi-Essen dein Schälchen bis zum Rand mit Sojasoße füllen (lieber immer wieder etwas nachfüllen).
    • #8. Zögerlich und unschlüssig mit den Stäbchen über die gemeinsamen Speisen gehen.
    • #9. Stäbchen, die mal den Mund berührt haben, für Gemeinschaftsschüsseln verwenden (dreh dazu die Stäbchen lieber um und benutze den unberührten hinteren Teil).
    • #10. Trinkgeld geben (wird als unhöflich empfunden, da der Service selbstverständlich und schon im Preis inbegriffen ist).
    • #11. Das Holz der Stäbchen laut und sichtbar abreiben (damit macht man deutlich auf Billigware aufmerksam).
    • #12. Das Schnäuzen der Nase am Tisch.

Was du unbedingt tun solltest:

  • #1. Angebotenes Essen, auch wenn du es nicht kennst oder es ungewöhnlich aussieht, unbedingt probieren (wenn du eine Allergie hast oder kein Fleisch, Fisch, etc. isst, dann kannst du das selbstverständlich sagen).
  • #2. Heiße Suppe laut schlürfen. Ein besonderes Zeichen dafür, dass es dir gut schmeckt.
  • #3. Kleine Schüsseln wie Reis oder Suppe immer mit der Hand anheben.
  • #4. Suppe trinken, nicht löffeln.

Tipps / Nützliche Ausdrücke
Diese japanischen Ausdrücke kommen immer gut an:

Oishii = Lecker

Eines der Wörter, die dir auf deiner Reise immer wieder begegnen wird. Japaner drücken damit gerne und oft aus, wie gut es ihnen schmeckt.

Itadakimasu = Guten Appetit

Wünscht man sich immer, bevor man mit dem Essen beginnt.

Gotchi sou sama deshita = Das war ein wirkliches Festessen

Wenn man mit dem Essen fertig ist, bedankt man sich damit beim Koch. Auch beim Verlassen des Restaurants ist dieser Satz angebracht. Damit bedankt man sich für das gute Essen (selbst, wenn es nicht so toll war). Du verwendet den Satz ebenfalls, wenn jemand anderes für deine Rechnung aufgekommen ist.

Lerne weitere nützliche Ausdrücke auf Japanisch, die ich in einem meiner ersten Artikel mal zusammengestellt habe.

Fettnäpfchen beim gemeinsamen Trinken

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Beim Trinken in einer Bar, in Japan Isakaya genannt, gibt es ganz eigene Regeln.

Was du vermeiden solltest:

  • #1. Dich unaufgefordert auf einen Platz setzen (es gibt oft eine festgelegte Sitzordnung, gerade bei Zusammenkünften in einem Unternehmen).
  • #2. Dir selbst einschenken, wenn dein Glas leer ist.
  • #3. Vor dem Anstoßen aus deinem Glas trinken (in Japan wartet man bis nach dem Anstoßen ab, auch wenn die Rede vom Boss länger dauert. ;))
  • #4. Zum Anstoßen „Chin Chin“ sagen, wie es in Korea üblich ist (das wird in Japan mit dem „besten Stück des Mannes“ assoziiert!). Prost heißt auf Japanisch übrigens „Kanpai“.

Was du unbedingt tun solltest:

  • #1. Wird eine Rede gehalten, nimm eine aufrechte Haltung an (Frauen setzen sich oft in den Saiza Sitz, kniend auf die Fersen) und konzentriere dich auf die Rede, auch wenn du nichts verstehst.
  • #2. Sei aufmerksam: hat dein Sitznachbar sein Glas geleert, dann schenke ihm nach.
  • #3. Zu Beginn wird oft mit Bier angestoßen. Selbst wenn du keinen Alkohol trinkst, und das alle wissen. Stoße damit an und bestelle dir dann ein Getränk deiner Wahl. Keiner erwartet von dir, dass du das Bier trinkst, wenn du es nicht willst.

Tipps
Es heißt, niemals sein eigenes Glas auffüllen. Solltest du aber am verdursten sein, weil niemand dein leeres Glas bemerkt, schau dich um, ob du bei jemandem nachfüllen kannst. Die Person wird dir im Gegenzug dein Glas füllen. Und so füllt sich dein Glas, ohne dass du selbst nachschenken musst.

Da alkoholische Getränke wie Bier oder Sake geteilt werden und ständig nachgeschenkt wird, verlierst du schnell den Überblick. Ich empfehle, immer ausreichend zu essen und nicht wild durcheinander zu trinken.

Fettnäpfchen beim Besuch einer japanischen Wohnung

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Wirst du zu Japanern nach Hause eingeladen, ist das eine wunderbare Chance, einen ganz anderen Blick in deren Leben zu bekommen. Dabei solltest du die private Atmosphäre respektieren.

Was du vermeiden solltest:

  • #1. In Schuhen die Wohnung betreten. Hinter der Eingangstür findest du einen Bereich für deine Schuhe.
  • #2. Ein Tatami-Zimmer, ein mit Reisstrohmatten ausgelegtes Zimmer, mit Schlappen betreten.
  • #3. Mit leeren Händen kommen.
  • #4. Dich unaufgefordert hinsetzen.
  • #5. Mit Toiletten-Schlappen durch die Wohnung zu gehen (Die WC-Schlappen sind nur für den Toiletten-Bereich!)

Was du unbedingt tun solltest:

  • #1. Wenn du deine Schuhe ausziehst, stelle sie ordentlich mit der Spitze zur Tür hin. Am besten gleich so, dass du später schnell wieder hineinschlüpfen kannst.
  • #2. Schlüpfe in die bereitgelegten Gäste-Schlappen.
  • #3. Überreiche deine Geschenke mit beiden Händen direkt im Eingangsbereich.

Tipp / nützliche Ausdrücke

O-jama shimasu = Ich störe jetzt

Beim Betreten einer Wohnung oder eines Raumes entschuldigst du dich.

O-jama shimashita = Ich habe gestört

Beim Verlassen entschuldigst du dich nochmal dafür, gestört zu haben, auch wenn du eingeladen wurdest.

Fettnäpfchen im Business mit Geschäftspartnern

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Solltest du aus beruflichen Gründen nach Japan kommen, empfehle ich dir, dich gut vorzubereiten. Business mit Japanern hat seine ganz eigenen Regeln. Hier sind nur einige davon:

Was du vermeiden solltest:

  • #1. Du hast keine eigene Visitenkarte dabei.
  • #2. Auf der gerade überreichte Visitenkarte deines Gegenübers kritzelst du Notizen.
  • #3. Du erscheinst im Freizeit-Outfit zu einem Geschäftstermin. Anzug und Krawatte sind hier Pflicht.
  • #4. Mit einem zu festen Händedruck zur Begrüßung zerquetscht du deinem Gegenüber die Hand und deutest an „Schau mal, wie stark ich bin!“.
  • #5. Direkter Augenkontakt mit deinem Gesprächspartner. Am besten du wählst die Nase oder die Stirn, auf die du starren kannst.
  • #6. Du verwendest deinen eigenen Namen und fügst ein -San hinzu.

Was du unbedingt tun solltest:

  • #1. Visitenkarten werden mit beiden Händen angenommen.
  • #2. Spreche deinen Gesprächspartner mit Name +San an oder mit dem Titel, wenn er dir bekannt ist (Sensei / Lehrer, Kaicho / Vorsitzender…).
  • #3. Ein „hai“ nicht als „Ja“ aufnehmen, sondern lediglich als „ja, ich habe es verstanden!“.

Tipps
Während meiner Zeit in Japan habe ich Mitarbeiter einer Firma auf ihren Deutschlandbesuch vorbereitet. Unter anderem haben wir das Händeschütteln geübt. Ja, kein Witz. Nach dem Besuch in Deutschland erklärten mir die Rückkehrer, sie wurden mit Verbeugung begrüßt, während sie selbst die Hände geschüttelt haben. Mach dich daher auf beides gefasst!

Visitenkarten sind in Japan unglaublich wichtig, weil sie immer die berufliche Stellung im Unternehmen benennen. So weißt du gleich, welchen Titel du dem Namen anfügen kannst und welche Stellung in der hierarchischen Ordnung dein Gegenüber besitzt.

Fettnäpfchen beim Reisen und unterwegs

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Die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln hat ganz eigene Regeln. Viele sind in piktografischen Zeichnungen zu finden.

Was du vermeiden solltest:

  • #1. Schuhe auf dem Sitz.
  • #2. Du verspeist dein Essen in Zügen (ausgenommen Shinkansen).
  • #3. Mit deinem großen Gepäckstück blockierst du einen ganzen Sitz.
  • #4. Du telefonierst laut in der Bahn.
  • #5. Der Klingelton deines Handys ist im ganzen Abteil des Zuges zu hören.
  • #6. Beim Taxi öffnest du die Tür, wie du es gewohnt bist. Dazu solltest du wissen, dass Japanische Taxitüren sich von allein öffnen und schließen. Trinkgeld geben ist auch hier nicht notwendig.
  • #7. Essen während du gehst. Nahrung nimmt einen so wichtigen Stellenwert in Japan ein, dass du das nicht nebenbei tun solltest.

Was du unbedingt tun solltest:

  • #1. Sitzt du in der Bahn auf einem „Priority Seat“ (ausgewiesen für Alte, Schwangere und Kinder), dann gibst du den bei Bedarf frei.
  • #2. Reihe dich bei den Wartenden in die Schlange ein.
  • #3. Drängeln und Vordrängeln kommt in Japan sehr schlecht an. Respekt ist eine hohe Tugend und einer der Gründe, warum viele Menschen auf engem Raum friedlich miteinander leben können.
  • #4. Trage deinen Rucksack vor dir. In vollen Zügen behinderst du so keine Leute hinter dir.

Weitere Hinweise

  • Gehe nicht wie selbstverständlich davon aus, dass alle Japaner Englisch sprechen.
  • Lautes Beschweren oder gar ausrasten, Schimpfen, sowie Gefühlsausbrüche wirst du selten erleben.
  • Die Nase in der Öffentlichkeit putzen gilt ebenfalls als rücksichtslos, denn damit verbreitest du deine Viren. Stattdessen ziehst du lieber alles hoch oder du verschwindest kurz auf der Toilette, um dir die Nase zu schnäuzen.

Damit habe ich persönlich meine größten Schwierigkeiten – bis heute. Mir wurde von Klein auf eingebläut, wie ungesund es ist, nicht ordentlich „auszuschnotten“. Bei anderen geht mir dieses ewige Nase hochziehen so auf die Nerven, dass ich nicht anders kann und ein Taschentuch anbieten muss!

Fettnäpfchen beim Onsenbesuch

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Der Besuch einer heißen Quelle gehört zum Pflichtprogramm einer Japanreise. Hier gibt es viele Regeln, die du beachten solltest.

Was du vermeiden solltest:

  • #1. Du steigst ungewaschen in eines der Becken.
  • #2. Im Wasserbecken gibst du dich der Körperwäsche hin – Stoff, egal ob Waschlappen, Handtuch oder Badeanzug haben im Wasser genauso wenig zu suchen, wie Seife!
  • #3. Erstmal eine Runde im Becken kraulen oder ein bisschen plantschen.
  • #4. Ins Wasser pullern. 😉

Was du unbedingt tun solltest:

  • #1. Wasche dich gründlich vor dem Betreten der Wasserbecken im Dusch-Bereich.
  • #2. Beklebe kleine Tattoos mit einem Pflaster, so dass sie nicht sichtbar sind.
  • #3. Trockne dich gründlich ab, bevor du die Umkleidekabine wieder betrittst.

Tipps
Lese dazu am besten den ausführlichen Artikel: Wie du ein Onsen besuchst, ohne dich zu blamieren. Hier erfährst du alles ganz genau!

Viele Hotels und kleine familiengeführte Hotel, die sogenannten Ryokans, bieten private Onsen oder Familien-Onsen an. Hier kannst du ungestört baden, stehst weniger „unter Beobachtung“ und keiner sieht deine Tattoos.

Fettnäpfchen bei der Benutzung einer japanischen Toilette

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Die japanische Toilette hat mit all ihren Knöpfen und Funktionen einiges zu bieten.

Was du vermeiden solltest:

  • #1. Du betrittst in Socken ein privates WC. (Benutze die dafür vorgesehenen Toiletten-Schlappen.)
  • #2. Beim Verlassen läufst du mit den WC-Schlappen an den Füßen durch die Gegend. Gerade in Restaurants und im Isakaya, wo Alkohol getrunken wird, passiert das ziemlich schnell.
  • #3. Du pinkelst an einen Baum oder an eine Hauswand.
  • #4. Bei öffentlichen Toiletten betätigst du den Notfall-Knopf, weil du die Spülung nicht finden kannst.
  • #5. Bei geräuschvollem „Geschäft“ lässt du deine Nachbarn daran teilhaben. Um das zu verhindern sind viele japanische Toiletten extra mit Musik- oder Geräusch-Einspielungen ausgestattet. Ansonsten helfen sich Japaner in diesem Falle, indem sie einfach einmal die Spülung betätigen und damit alle Geräusche überspielen.

Was du tun solltest:

  • #1. Suche rechtzeitig eine Toilette auf. Auf jedem Bahnhof findest du in der Regel ein WC.
  • #2. Beim Betätigen der vielen Knöpfe solltest du dich auf der Klobrille sitzend befinden. Sonst kann es eine feuchte Angelegenheit werden. Glaub mir.
  • #3. Nach der Benutzung den Toiletten-Deckel herunterklappen.

Tipps
Alles Wissenswerte zur Benutzung und Funktionen von Toiletten in Japan findest du HIER. Bei öffentlichen Toiletten gibt es oft die Hocktoiletten-Variante. Gerade Ausländer scheuen sich, die zu verwenden. Dabei ist die sehr viel hygienischer, da du hier mit nichts in Berührung kommst.

Der angenehme Nebeneffekt dieser Toiletten ist das Training deiner Oberschenkelmuskulatur. Ich weiß genau, wovon ich rede, denn ich habe fast 5 Jahre in einer japanischen Wohnung mit Hocktoilette gelebt und meine Oberschenkel waren stramm und durchtrainiert wie nie.

Der Aberglaube in Japan

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Viel Regeln in Japan machen Sinn, wenn ich drüber nachdenke. Einiges sollte auch in Deutschland ganz selbstverständlich sein, weil es sich so gehört. Anderes hat mich allerdings stutzig gemacht oder zum Lachen gebracht: die abergläubischen Regeln.

  • #1. Verstecke deine Daumen, wenn du einen Leichenwagen siehst.
  • #2. Nicht pfeifen in der Nacht! Das lockt Schlangen an.
  • #3. Du wirst zur Kuh, wenn du dich direkt nach dem Essen hinlegst.
  • #4. Liege niemals Richtung Norden. So werden in Japan nur die Toten gebettet.
  • #5. Schneide nachts keine Nägel, denn dann werden deine Eltern auf deine Anwesenheit am Sterbebett vergebens hoffen.
  • #6. Bei Geldgeschenken, z. B. Hochzeiten, darfst du nur eine ungerade Zahl an Scheinen verschenken. So verhinderst du, das sich das Paar bei einer Trennung die Scheine teilen kann.
  • #7. Zahlen mit 4 und mit 9 stehen für den Tod. Also auch das beim Schenken beachten.

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Aus dem „kleinen Ausflug“ in die Welt der japanischen Fettnäpfchen ist eine lange Reise geworden, wenn ich mir dir Liste hier so ansehe. Am Ende macht es Japan zu dem, das es nun mal ist: ein Land mit einer eigenen Kultur, unheimlich spannend, lehrreich und voller Dinge, die entdeckt werden wollen. Ein Land, das eine Reise wert ist.

Und wenn dir der ein oder andere Fauxpas am Ende doch passiert, ist es auch nicht so schlimm. Du wirst auf jeden Fall ein paar lustige Geschichte zu erzählen haben. So wie ich. Wenigstens eine davon muss ich hier loswerden:

Mein peinlichster Tag beim Shoppen in Japan

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Mein erstes Mal. Allein in Tokyo. Beim Betreten eines Ladens ruft man mir ein „Irgendwas-masseee“ entgegen. Das höre ich nun schon den ganzen Vormittag und so langsam hab ich es raus: IRA-SCHAI-MASSEEE.

Stolz grüße ich ab jetzt immer freundlich zurück. Bei anderen habe ich nur ein schüchternes Kopfnicken beobachtet. Das übernehme ich gleich noch mit. So gehe ich den Rest des Tages durch die Geschäfte Tokyos, nicke mich freundlich durch die Läden und erwidere jedes mal die Begrüßung mit meinem „Ira-schai-masseee“.

Zum Abendessen treffe ich mich mit ein paar japanischen Freunden und die staunen nicht schlecht, als ich sie mit „Iraschaimasseee“ begrüße. Dann lachen sie und fragen, ob ich jetzt hier im Restaurant arbeite. Hab ich das falsch ausgesprochen?

„Nein, deine Aussprache ist super!“, behaupten sie, „aber, …, naja,… weißt du was das heißt?“

Klar. „Guten Tag!“ was sonst?

„Naja, nicht ganz. Das bedeutet soviel wie ‚Herzlich willkommen!‘. Wird eigentlich nur von den Angestellte eines Ladens an die Gäste gerichtet und von denen mit einem kurzen Kopfnicken erwidert!“

Alles klar. Dann hab ich mich wohl heute ordentlich zum Deppen gemacht…

***Herzlichen Dank an Nipponinsider für diesen Gastartikel!***


Welches ist deine peinlichste Fettnäpfchen-Geschichte? Und sollte dir noch ein Fettnäpfchen einfallen, die ich vergessen habe, dann schreib es gerne in die Kommentare.

28 Gedanken zu „[Tipps] Ein Ausflug in die Welt der Fettnäpfchen Japans“

  1. Mir fällt gerade noch das Thema Zigaretten ein. Da wirft man seine Stummel nicht einfaches auf die Straße, sondern schön in seinen eigenen Handaschenbecher. Und immer nur in den vorgesehenen Bereichen quatzen 😉

  2. In das Fettnäpfchen mit Irashaimasseee bin ich auch getreten, bloss hat es ein paar Tage länger gedauert bis ich mitbekommen habe was ich da für einen Quatsch verzapfe 😀

  3. Ein sehr schöner Text muss ich sagen.
    Ich freue mich wie immer auf mehr, über das Land der aufgehenden Sonne, von dir.
    Falls ich mal selber in Japan sein sollte, weiß ich ja an wen ich mich richten muss, um die Reise perfekt organisiert zu bekommen. 😀

  4. Amüsante Liste und besonders beim Punkt WC-Schlappen versagen meine Alarmglocken leider noch viel zu oft (besonders im Isakaya nach einiger Zeit … ).

    Onsen und Punkt Nr. 1 sollten sich mittlerweile auch viele Japaner selbst mal wieder in Erinnerung holen. 😉

    gruss
    Olli

    1. Hallo Oliver,
      da brauchst du nicht mal betrunken sein, es reicht schon, wenn man einfach übermüdet ist. 😉

      Früher war es tatsächlich üblich, erst ins Bad hineinzusteigen und danach sich zu waschen. In einigen Onsens auf dem Land kann man diese „Vorgehensweise“ noch beobachten…

      Viele Grüße aus Tokio
      Tessa

    2. Ja, bei den alten gebrechlichen Obaachans drück ich doch mal ein Auge zu wenn die sich nur kurz zwei Becher aus dem Becken über die Beinchen kippen. Weiß allerdings nicht genau, wie das bei den Männern generell aussieht. Mein Mann ist definitiv immer ne halbe Stunde eher fertig als ich 😉

      1. Eine Gastfamilien Obaachan hat sich auch nur einmal vorher abgespült und sich hinterher gewaschen.
        Und ich habe später den Kommentar von ihr geerntet ich sei so schnell fertig mit waschen.. Jaja..

  5. Ich musste gerade grinsen… viele Bräuche sind nicht ganz so verschieden, wie unsere westlichen Sitten, andere dagegen schon eher überraschend 🙂 Man lernt nie aus…
    Viele Grüße
    Maria

  6. Also das mit dem Rülpsen könntet ihr bitte mal meinen japanischen Kollegen sagen XD
    Und ihnen am besten gleich noch einbläuen, dass schmatzen auch nicht erwünscht ist XD

    Ich boykottiere übrigens das Glas nachfüllen auf Nomikais.
    Einfach zu anstrengend! So muss ich meist keine Unmengen Alkohol trinken und habe gute Kontrolle darüber was und wieviel ich trinke. Denn meistens schließt man mich jetzt aus diesem Prozedere komplett aus ^_-

    1. Hallo Anika,

      leider gibt es immer noch viele Japaner, vor allen Dingen männliche, die solche Geräusche von sich geben… 🙁

      Nomikais boykottiere ich auch ganz, da ich überhaupt keinen Alkohol trinke. 😉

      Viele Grüße
      Tessa

      1. Ganz boykottieren kann ich sie leider nicht..
        Da wir in der Firma nur zu zweit sind und ich durch mein ausländisch-sein den coolness-faktor der Firma deutlich hebe, muss ich mit.
        Aber immerhin muss ich keinen Alkohol trinken wenn ich nicht mag, bzw tue ich das nicht und hier respektiert man das auch (in der Firma vorher leider nicht und ich war so doof mich zwingen zu lassen..).

  7. Bin mir zwar nicht ganz sicher, kann es aber sein, dass man die Brühe seiner Nudelsuppe auch ausschlürfen sollte, wenn man die Nudeln aufgegessen hat?

    Ich habe diese mal zurück gegeben und mich für das leckere Essen bedankt. Der Blick der Bedienung hat mir aber gesagt, irgend etwas passt hier nicht. 😉

    1. Hallo Ronny,

      tatsächlich solltest du die Suppe zumindest etwas schlürfen, sonst heißt es, dass es dir nicht geschmeckt hat. Ganz brauchst du die Suppe allerdings nicht schlürfen. 😉

      Viele Grüße aus Tokio
      Tessa

  8. Ich habe damals beim Schüleraustausch in Japan beobachtet, dass man oft mit vollem Mund redet. Um aber nicht unhöflich zu sein, hält man die Hand vor den Mund. Ist das eine akzeptierte Tischsitte?
    Fettnäpfchen: Japaner zeigen auf ihre Nase, wenn sie von sich sprechen. Ich dachte anfangs, ich hab was im Gesicht xD Herwinken sieht eher aus wie eine „husch weg“-Bewegung aus, da die Hand gegen unten zeigt.

    1. Hallo Laura,

      vielen Dank! Stimmt, die meisten Japaner zeigen auf sich, wenn sie über sich reden. Ist etwas komisch, gewöhnt man sich allerdings schnell daran.

      Tatsächlich wird das Reden mit vollem Mund und davor gehaltener Hand als normal empfunden. Aber besonders gern gesehen ist es nicht. 😉

      Viele Grüße aus Tokio
      Tessa

    2. Das mit dem auf-die-Nase-tippen, wenn ich von mir spreche, statt auf die Brust zu zeigen, wie es bei uns in Deutschland üblich ist, finde ich eigentlich ganz süß. Aber ich erinnere mich, wie ich am Anfang auch total verwirrt war.

      Die Handbewegung hab ich mittlerweile so drauf, dass ich sie mir auch hier in Deutschland nur noch schwer abgewöhnen kann. Egal.

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