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[Tipps] Izakaya: Ein unvergesslicher Abend

Ein Izakaya (居酒屋) ist eine japanische Kneipe, in der ordentlich gebechert, gelacht und manchmal geweint wird. Dazu wird, bei lockerer Stimmung, einfaches Essen serviert. Zudem bietet es die Chance, endlich mit Japanern ins Gespräch zu kommen.

Kleines Izakaya

Wer an eine spanische Tapas-Bar denkt, ist bei einem Izakaya ziemlich nah dran. Es gibt sie in unzähligen Varianten. Manchmal sind es Einzelbetriebe, manchmal ganze Ketten. Eins haben sie gemeinsam: Es wird viel und laut geredet. Und für manchen Gast endet der Abend nach der Happy Hour im Vollrausch.

Ausnahme bilden hier geschäftliche Treffen, die sogenannten Nomikai. Hier gibt es ein paar wichtige Dinge zu beachten. Aber wir sind ja nicht geschäftlich hier.

Durchschnittliche Izakaya bieten gerade einmal Platz für 8-10 Gäste. Entweder sitzen wir an der Theke oder an kleinen Tischen. Es gibt sogar Izakaya mit null Sitzgelegenheit, aber mit Stehparty (立ち呑み, Tachinomi). In der Luxusvariante sind sie mit edlen Tatamiböden ausgelegt, die auf gar keinen Fall mit Schuhen betreten werden dürfen. Hier heißt es, Schuhe aus und in Schließfächer verstauen.

Kleine Gerichte

Zurück zum Wesentlichen. Hier erwartet uns eine große Auswahl an Alkoholica. Dazu werden kleine, einfache Gerichte serviert. Sagen wir mal, damit der Alkohol etwas zum aufsaugen hat. Izakaya sind zudem sehr günstig, das lockt viele Gäste an. Sie öffnen meist um 17 Uhr und schließen zwischen 23 und 0 Uhr, bevor die letzten Bahnen fahren.

Es gibt auch welche, die haben die ganze Nacht geöffnet. Einen kleinen Einblick in die Izakaya-Welt gibt die Netflix-Serie „Midnight Diner: Tokyo Stories“.

So erkennst du ein Izakaya

Izakaya mit Laterne und Vorhang

Den Eingang schmücken oft weiße oder rote Laternen. Straßen, die mit solchen Laternen behangen sind, nennt man Yokocho. Meistens handelt es sich um kleine, enge Seitengassen voller Izakaya und Restaurants. Außerdem findest du verkürzte Vorhänge, sogenannte Noren, an den Eingangstüren.

Izakaya betreten

Kleine Izakaya-Tische

Schon bei unserem Eintreffen eilt das Personal heran. Wenn wir in einer Gruppe unterwegs sind, zeigen wir anhand der Anzahl unserer Finger, für wie viele Personen Platz benötigt wird. Daraufhin weist uns meistens das Personal einen Platz oder Tisch zu. Das ist in japanischen Restaurants übrigens nicht anders.

Stäbchen, Teller und Menüs befinden sich oft schon direkt vor unserer Nase.

Korb für Taschen und Rucksäcke

Und was bedeutet dieser kleine Korb?

Darin finden unsere sieben Sachen Platz. Nachdem wir uns gesetzt haben, bekommen wir ein feuchtes Tuch (Oshibori) gereicht, damit wir unsere Hände säubern können. Kurz darauf folgt schon unser erster, kleiner Snack (Otoshi). Und das ganz ohne Bestellung.

Kleiner Snack (Otoshi) zur Begrüßung (aka Sitzplatzgebühr)

Ob wir wollen oder nicht, wir bekommen das Otoshi. Verstehen sollte man diesen Snack als eine Art Sitzplatzgebühr oder Trinkgeld (Otoshidai), was etwa 300-500 Yen (~2,50 €) pro Person ausmachen wird. Es variiert zwischen gedünstetem Gemüse, Nudeln, Salat bis hin zu frischem Fisch. Wir probieren also gleich unser allererstes Otoshi und gleiten immer tiefer in die Welt des Izakaya.

Bestellen

Handschriftliche Izakaya-Menükarten

Je kleiner das Izakaya, umso wahrscheinlicher ist es, dass die Menükarte handschriftlich auf Zetteln oder Tafeln an den Wänden hängt. Viele würden hier direkt die Flucht ergreifen. Wir aber nicht, denn wir lassen uns keinen unvergesslichen Abend mit Einheimischen entgehen.

Bei größeren oder neueren Izakaya ist es möglich, Getränke und Essen auf Tablets zu bestellen. Sollte kein Tablet in der Nähe sein, heben wir die Hand und sagen folgendes, um die Aufmerksamkeit des Personals auf uns zu ziehen:

お願いします – Onegaishimasu – Bitte!

Es kann auch sein, dass wir etwas lauter rufen müssen. Wir möchten ein Bier und sagen:

生ビールください。- Nama biru kudasai. – Ein Bier, bitte.

Dann können wir uns ein kühles, frisch gezapftes Bier schmecken lassen. Wenn wir gleich mehrere Biere bestellen möchten, zeigen wir wieder anhand der Anzahl unserer Finger, wie viele wir möchten:

一つ Hitotsu (1),  二つ Futatsu (2), 三つ Mittsu (3),  四つ Yottsu (4), 五つ Itsutsu (5) (Siehe hier)

Getränke und Essen

Prost (Kanpai)!

Jetzt wird es feucht-fröhlich. An Alkohol werden Bier, Whisky, Sake, Shochu, (Pflaumen-) Wein und manchmal sogar Cocktails ausgeschenkt. In Japan sind vor allem Mixgetränke wie Highball (Whisky Soda) oder Sours (Shochu mit Fruchtsoda) beliebt. Und weil es hier so günstig ist, testen wir das Menü hoch- und runter (eine Liste mit Schriftzeichen siehe unten).

Verschiedene Yakitori

Etwas für den Magen gibt es natürlich auch. Vor allem Yakitori und andere gegrillte Fleisch- und Fischgerichte. Karaage, Edamame, Kartoffelsalat, eingelegtes Gemüse oder gegrillte Onigiri. Manchmal stehen sogar Pommes, Okonomiyaki oder Pizza auf dem Plan. Und um das ganze auf die Spitze zu treiben, servieren größeren Izakaya sogar Gerichte wie Sushi oder Ramen.

Die meisten Speisen sind einfach, aber fein. Und, ganz wichtig, man teilt sie. Falls wir also das Glück haben, an einem Tisch voller Einheimischer zu sitzen, wird erwartet, dass wir unser  Essen mit ihnen teilen. Im Gegenzug dürfen wir uns natürlich auch bei unseren neuen Freunden bedienen. Alleine sollten wir nicht essen, denn das kann als unhöflich aufgefasst werden. Dieses Fettnäpfchen sollten wir uns ersparen.

Einzige Ausnahme ist unser Getränk. Das gehört nur uns allein.

飲み放題 Nomihodai-Angebot (All-you-can-drink)

Jemand, der gut bechern und viel essen kann, sollte sich die Happy Hour nicht entgehen lassen: Nomihodai (飲み放題, All-you-can-drink) oder Tabehodai (食べ放題, All-you-can-eat ). Hier zahlen wir einen bestimmten Pauschalbetrag (meist für 1, 2 oder 3 Stunden) und können unbegrenzt Bierchen zischen oder uns durch das Menü futtern.

Keine Sorge, man muss in einem Izakaya keinen Alkohol trinken. Für diejenigen gibt es alternativ Tee, Saft sowie andere alkoholfreie Getränke (weitere Tipps zum Thema Tischmanieren in Japan).

Ins Gespräch kommen

Quatschen im Izakaya

Zurück zu unseren neuen Freunden. Auf gar keinen Fall verpassen wir die Chance, mit ihnen in Kontakt zu kommen oder uns helfen zu lassen. Und wir scheuen uns auch nicht, jemanden in unserer Nähe nach Empfehlungen zu fragen:

おすすめは何ですか? – Osusume wa nan desu ka? – Was kannst du empfehlen?

Wir beobachten die Einheimischen. Wenn jemand etwas isst und uns das Wasser im Mund zusammenläuft, fragen wir:

すみません。それはなんですか?- Sumimasen. Sore wa nan desu ka? – Entschuldigung, was ist das genau?

Spätestens jetzt sind wir mittendrin statt nur dabei. So wird unser Abend feucht-fröhlich und lustig. Denn der Alkohol wird selbst die Zunge des steifsten Anzugträgers lockern.

Auch den Kellnern fallen unsere Bemühungen auf. Ab jetzt kümmern sie sich mehr um uns und bescheren uns ein fantastisches, japanisches Kneipenerlebnis.

Wer schüchtern und unschlüssig ist, für den bietet sich die Bestellung einer Platte an. Yakitori Moriawase (焼き鳥盛り合わせ) ist eine Platte mit gegrillten Stückchen vom Huhn oder Sashimi Moriawase (刺身盛り合わせ) mit rohem Fisch. Hat das Izakaya eine Menükarte mit Fotos, zeigen wir auf das Bild und sagen:

これください。Kore kudasai –  Das da, bitte!

Natürlich ist es möglich, mehrere Gerichte auf einmal zu bestellen. Wir sind dabei immer höflich und verwenden möglichst oft „Sumimasen“, „Onegaishimasu“ oder „Kudasai“.

Übrigens, das leere Glas in unserer Nähe ist ein „Mülleimer“ für gebrauchte Yakitori-Spieße. Und noch etwas: Wenn wir eine Yakitori-Moriawase bestellen, dann schieben wir die Fleischstücke mit den Stäbchen vom Spieß. Wir benutzen dafür aber nicht die untere Stäbchenhälfte (die, von der wir essen) sondern die zu uns nach oben gewandte Seite. So können alle munter zugreifen, ohne mit unserer Spucke in Berührung zu kommen.

Bezahlen

Bezahlt wird in kleinen Schälchen

Wenn wir satt sind („Onaka ippai“ – Ich bin satt) und die Rechnung ordern wollen, helfen diese beiden Sätze:

  • お会計お願いします。 – Okaikei onegaishimasu. – Rechnung, bitte.
  • お勘定をお願いします Okanjou wo onegai shimasu. – Könnte ich bitte die Rechnung haben?

Falls wir so richtig abgeräumt sind, überkreuzen wir in Richtung des Personals einfach die Zeigefinger zu einem „X“.

Zahlen, bitte!

Gleich darauf wird uns die Rechnung gebracht oder auf die Kasse am Eingang gezeigt, an der wir bar bezahlen. In den meisten Izakaya ist eine Kartenzahlung nämlich nicht möglich. Auch verlassen wir uns bei der Rechnung nicht auf Details. Wir bereiten uns darauf vor, den Betrag mit unseren neu gewonnenen Freunden zu teilen (Warikan).

Bevor wir das Izakaya verlassen, bedanken wir uns beim Personal mit den Worten ごちそうさまでした。(Gochisosama deshita – Vielen Dank für das Essen) und ziehen von dannen.

Und lass dir eins gesagt sein: Wer schwankt, hat mehr vom Weg.

Izakaya-Viertel

Das Izakaya-Viertel Kabukicho in Shinjuku

Izakaya findest du überall in Japan. Meist an größeren Bahnhöfen oder Einkaufsstraßen. Bekannteste Viertel sind folgende:

Tokyo

  • Shinjuku: Im Kabukicho-, Omoide Yokocho und Golden-Gai-Viertel gibt es viele Izakaya, die auch auf ausländische Kunden ausgerichtet sind
    Achte aber darauf, nicht irgendwo hineingezogen zu werden. Das tun seriöse Läden nämlich nicht.
  • Yurakocho: Direkt unter den Schienen der Yamanote Linie vom Yurakucho zum Tokyo Bahnhof
  • Asakusa: Westlich vom Sensoji Tempel auf ca. 100 Metern in der „Hoppy Street“

Osaka

Kyoto

  • Pontocho Straße

Sapporo

  • Susukino: Unterhaltungsviertel in Sapporo

Den Abschluss machen die bekanntesten japanischen Izakaya-Ketten: Hana-no-Mai, Sekai no Yamachan, Watami, Amataro, Kin no Kura jr. oder Torikizoku.


Insidertipps

  • Vegetarier und Veganer haben es im Izakaya ziemlich schwer.
  • Wie in japanischen Restaurants auch, wird kein Trinkgeld gegeben.
  • Benutze Google Translate oder Übersetzungs-Apps.
  • Im Izakaya herrscht meist Rauchverbot (seit Olympia 2020) und Gäste müssen draußen rauchen.
  • Größere Izakaya haben Raucher– und Nichtraucherbereiche.
  • Sitzplätze werden in der Regel im 2 oder 3-Stundentakt angeboten.
  • Es wird erwartet, dass jeder Gast mindestens ein Getränk bestellt.
  • Ein Tachinomi (Stehkneipe) gibt es auch in Düsseldorf, nämlich das Eins oder Acht.

Hilfreiche Schriftzeichen

Aufmerksamkeit

  • お願いします Onegaishimasu – Bitte
  • ください Kudasai – Bitte
  • すみません Sumimasen – Entschuldigung

Aufzählung

  • 一つ Hitotsu – 1
  • 二つ Futatsu – 2
  • 三つ Mittsu – 3
  • 四つ Yottsu -4
  • 五つ Itsutsu – 5

Größe

  • 大 Dai – Groß
  • 中 Chuu – Mittel
  • 小 Chisai – Klein

Alkoholfreie Getränke

  • コカ・コーラ Koka Koora – Coca Cola
  • ジンジャーエール Jinjaaeeru – Ginger Ale
  • オレンジジュース Orenjijuusu – Orangensaft
  • リンゴジュース Ringojuusu – Apfelsaft
  • カルピス Karupisu – Calpis (Milchlimonade)
  • お茶 Ocha – Tee
  • ソフトドリンク Softodorink – Softdrink

Alkoholische Getränke

  • ビール Biiru – Bier
  • ワイン Wain – Wein
  • ウィスキー Uisuki – Whisky
  • 焼酎 Shochu – Branntwein
  • カクテル Kakuteru – Cocktail
  • ハイボール Haibōru – Highball (Whisky Soda)
  • サワー Sawa – Sours (Shochu mit Fruchtsoda)
  • 梅酒 Umeshu – Pflaumenwein
  • 日本酒 Nihonshu – Sake
  • 清酒 – Purer Sake – Seishu

Premium Sake

  • 本醸造 – Honjozo
  • 純米 – Junmai
  • 純米吟醸 – Junmai Ginjo
  • 吟醸 – Ginjo
  • 純米大吟醸 – Junmai Daiginjo
  • 大吟醸 – Daiginjo

Moderne Sake-Stile

  • スパークリング酒 Sparkling Sake
  • 古酒 Koshu Sake (Aged Sake)
  • 濁り酒 Nigori Sake
  • 生酒 Nama Sake
  • 甘酒 Ama Sake
  • 乾杯 Kanpai – Prost!

Essen

  • 焼き鳥 Yakitori – gegrilltes Hühnchen
  • 刺身 Sashimi – roher, geschnittener Fisch
  • 唐揚げ Karaage – frittiertes Hühnchen
  • 枝豆 Edamame – gekochte, gesalzene Sojabohnen
  • ポテトサラダ Potetosarada – Kartoffelsalat
  • おにぎり Onigiri – gefüllte Reisbällchen
  • 卵焼き Tamagoyaki – gerolltes Omelette
  • フライドポテト – Furaidopoteto – Pommes frites
  • 寿司 Sushi
  • ラーメン Ramen
  • 肉 Niku – Fleisch
  • 鳥 Tori – Huhn
  • 魚 Sakana – Fisch
  • 豚 Buta – Schwein
  • 牛 Gyu – Rind
  • 卵 Tamago – Ei
  • いただきます Itadakimasu – Guten Appetit!

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