Nikko 日光 ist rund zwei Zugstunden von Tokio entfernt und definitiv eine Reise wert. Wer dem Großstadtdschungel entfliehen möchte, den erwartet dort ein unvergesslicher Ausflug zu historischen Gebäuden und Denkmäler. Während sich Japan ständig weiterentwickelt, scheint die Zeit in Nikko stehen geblieben zu sein. Neben kulturellen Bauten gibt es zudem rauschende Wasserfälle und schöne Seen zu bestaunen.

Schauen wir uns die Nikko-Sehenswürdigkeiten genauer an:


Der Ausflug

Mit dem Shinkansen kommen mein Begleiter und ich am Bahnhof in Nikko (日光駅) an und gehen zur Bushaltestelle 2A, um den Bus in Richtung Chuzenjiko See (中禅寺湖) oder Yumoto-Onsen (湯本温泉) zu erwischen. Schon nach wenigen Minuten fährt der Bus etwas langsamer, um uns diesen Blick auf die berühmte Brücke Shinkyo (神橋) zu ermöglichen.

Sie markiert den Eingang zur Schrein- und Tempelgegend in Nikko. Die Brücke zählt zu den drei schönsten Brücken Japans und wurde 1636 errichtet. Bis zum Jahr 1973 war es sogar verboten, über die Brücke zu gehen.

Wir fahren in Schlangenlinien weiter bergauf und biegen irgendwann rechts ab. An der Bushaltestelle Chuzenjiko Onsen (中禅寺湖温泉) steigen wir aus, halten uns rechts und folgen der Beschilderung zum Kegon Wasserfall (華厳の滝).

Kegon Wasserfall

Besagtes Schild zeigt auf ein Häuschen. Von Wasserfall keine Spur. Wir betreten das Haus und finden eine Kasse vor, an welcher wir 550 Yen Eintritt zahlen. Dann besteigen wir einen Fahrstuhl.

Dieser fährt uns in eine Schlucht hinab. Der Fahrstuhl wurde übrigens 1930 gebaut, um den Besuchern das lästige Treppensteigen zu ersparen. Unten angekommen, treten wir auf eine Aussichtsplattform und blicken mit offenen Mündern zum Kegon Wasserfall.

Von oben rauscht das klare Wasser rund 97 Meter in die Tiefe. An der breitesten Stelle misst der Wasserfall 7 Meter. Jede Sekunde stürzen so rund 2 Tonnen Wasser hinab. Die natürliche Gesteinsbarriere entstand durch den Ausbruch des Nantai-san, der vor einigen tausend Jahren stattfand. Nicht weniger beeindruckend sind die zwölf kleineren Wasserfälle rundherum. Zu den Wasserfällen existieren einige Sagen und Legenden, die man in diversen Reiseführern nachlesen kann.

Unter uns huscht derweil ein Wildschwein herum.

Doch kurz darauf ist es auch schon wieder verschwunden. Wir steigen wieder in den Fahrstuhl und laufen zurück in Richtung Bushaltestelle. Doch ehe wir in den Bus steigen, fallen uns die alten Bäume an der Straße auf.

Wir folgenden der Straße und finden an deren Ende ein riesiges Shinto Tor.

Dahintr treffen wir auf den Chuzenjiko See (中禅寺湖).

Chuzenjiko See

Am Ufer entdecken wir Tretboot-Verleihe, die leider geschlossen sind. Wir setzen uns an die Promenade und genießen den Ausblick bei tollem Wetter.

Nach dieser Pause gehen wir zurück zur Chuzenjiko Onsen Bushaltestelle 26B und steigen in den nächsten Bus Richtung Bahnhof Nikko ein. Keine halbe Stunde später kommen wir an unserem nächsten Ziel an: Der Bushaltestelle Nishisandou (西参道バス停).

Schrein Nikko-Toshogu

In die Straße mit dem großen blauen Schild Richtung Schrein Nikko-Toshogu (日光東照宮) und dem Fujimiya-Touristenzentrum (富士見観光センター) biegen wir ein. Nach wenigen Schritten auf einer breiten Straße stehen wir an der Kasse zum Mausoleum Taiyuinbyo (大猷院廟).

Darin ruht der berühmte Shogun Tokugawa Iemitsu. Er war der dritte Tokugawa-Shogun und ein Enkel des Gründers des Ieyasu-Shogunats, dessen Grab wir später besuchen werden. Zuerst stehen wir vor dem ersten Tor, dem Nioumon (仁王門).

Die goldenen Applikationen und das schwarze Design erinnert uns an die Mausoleen in Sendai, die ebenfalls in dieser Zeit entstanden sind. Im Torbogen grüßen uns zwei Wächter, die Böses abhalten. Dahinter finden wir eine Waschstelle, die ebenfalls reichlich verziert ist.

Wir waschen uns vor dem Gebet die Hände und trinken einen Schluck, um uns zu reinigen. Viele Steinlaternen säumen unseren weiteren Weg.

Dann stehen wir staunend vor dem zweiten Tor: Nitenmon (二天門).

Sprachlos blicken wir auf die schönen Verzierungen und fragen uns, wie viel Geld so etwas heute kosten würde? Am Eingang erwarten uns wieder zwei Wächter, die diesmal noch grimmiger schauen. Aber sie lassen uns passieren. Wir steigen die Treppe hinauf und stoßen auf das dritte Tor Yashamon (夜叉門).

Dieses Tor stellt die beiden Vorigen in den Schatten. Die Wächter tragen goldene Gewänder und jede Ritze scheint mit Gold verziert zu sein. Die Mauern sind mit kunstvollen Rosen verziert.

Beim Hauptschrein dahinter bleibt uns schließlich ganz die Spucke weg.

Besonders gefällt uns das Design des Gebäudes, das sowohl Elemente aus dem Buddhismus, als auch dem Shintoismus beinhaltet. Ende des 17. Jahrhunderts war es ganz normal, die Elemente beider Religionen zu mischen. Erst in der Meiji-Zeit (1868-1912) wurden sie getrennt. Die Bauten in Nikko wurden dabei glücklicherweise übersehen.

Wir gehen rechts am Gebäude vorbei und können einen Blick auf das Heiligtum werfen.

Das Gebäude wirkt dabei fast wie ein kleines, exotisches Schloss. Direkt dahinter finden wir das Taiyuinbyo Mausoleum von Iemitsu.

Es wurde 1652 errichtet und wirkt, im Gegensatz zu den anderen Toren, recht schlicht. Schweigend stehen wir einige Minuten davor und verneigen uns, bevor wir zurück zum Eingang gehen. Beim Zurückgehen finden wir wieder typisch japanische Steinlaternen.

Zurück an der Kasse halten wir uns links und treffen auf den Schrein Futarasan (二荒山神社), der wesentlich schlichter wirkt.

Wir biegen rechts ab und stehen nach einigen hundert Metern am Schrein Toshogu (東照宮). Hier erwartet uns das berühmte Lagerhaus mit Affen, die nichts (Böses) sehen, hören oder sprechen wollen.

Diese Affenart galten früher als heilig. Sie liefen wie die Hirsche in Nara frei herum. Allerdings vermehrten sich die Affen so stark, dass sie sich zur Plage entwickelten und sämtliche Obstgärten der Bauern plünderten.

Auf der anderen Seite entdecken wir ein Lagerhaus mit Elefanten-Schnitzereien.

Dass die Proportionen der Elefanten nicht ganz stimmen, schreiben wir der künstlerischen Freiheit zu. ;)

An einem anderen Gebäude finden wir wieder Affen und Blumen.

Besonders auffällig sind die vielen Schulklassen, die sich an uns vorbeidrängen. Vor der großen Treppe schießt jede Klasse ein Foto fürs Familienalbum.

Nikko ist ein beliebter Ausflug für Tokioter Schulklassen. Wir gehen an der Klasse vorbei und stehen vor dem nächsten Tor. Diesmal einem Steintor.

Wir verneigen wir uns vor dem Tor und schreiten hindurch, um den Göttern unsere Demut zu zeigen. Dann stehen wir vor dem Tor Yomeimon (陽明門).

Im Vergleich mit dem Mausoleum von gerade wirkt es eher klassisch und altmodisch. Die Farben sind nicht so bunt und die Verzierungen antiker. Die Mauren dagegen sind reichlicher verziert.

Auf ihnen finden wir Fabelwesen und Blumen, die alle mit Gold ausgeschmückt sind.

Auch hier warten zwei Gestalten mit Pfeil und Bogen auf uns, die nicht ganz so grimmig schauen.

Einige Schritte weiter stehen wir endlich vor dem Hauptschrein Toshogu (東照宮). Vor uns drängt sich eine weitere Schulklasse, so dass wir nur Fotos über deren Köpfe schießen können.

Der Toshogu Schrein ist die letzte Ruhestätte des ersten Shoguns Tokugawa Ieyasu. Seine Familie regierte Japan über 250 Jahre bis ins Jahr 1868. Der Schrein wurde von seinem Enkel Iemitsu, dessen Mausoleum wir vorher besuchten, Anfang des 16. Jahrhunderts errichtet. Staunend stehen wir vor der beeindruckenden Kulisse und können uns kaum sattsehen. Auf der rechten Seite finden wir eine kleine Treppe, die uns zum Grab von Tokugawa Ieyasu führt, das nur mit einer Glocke verdeckt wird.

Schließlich gehen wir die Straße zurück und statten dem Tempel Rinnoji (輪王寺) einen Besuch ab. Leider ist er mit Stoffballen verdeckt, weil er gerade renoviert wird. Leider dürfen wir im Inneren keine Fotos machen. Im Halbdunklen sehen wir einige Buddha-Statuen und Denkmäler. Rinnoji wurde im 8. Jahrhundert vom Mönch Shodo Shonin gegründet und ist der bedeutendste Tempel der Region.

Essen & Trinken

Schließlich spazieren wir langsam zurück zur Bushaltestelle. Dort suchen wir uns noch ein nettes Restaurant (Asaya) und essen dort die Spezialität Nikkos: Yuba.

Das sind hauchdünne, zusammengerollte Tofu-Schwaden, die oben schwimmen, wenn man sie in Sojamilch kocht.
Dazu gibt es Soba (Nudeln) oder frittiertes Gemüse. Lecker!


Insidertipps

  • Verwende die Suica (oder Pasmo) für die Nikko-Busse, dann brauchst du kein Kleingeld.
  • Wenn du keinen Japan-Rail-Pass hast, hol dir den Tobu-Nikko-Pass – günstiger kommst du nicht nach Nikko.
  • Falls du nicht planen möchtest, kannst du auch an einer Tagestour ab Tokio nach Nikko* teilnehmen.
  • Kauf dir in Tokio Verpflegung, in Nikko gibt es kaum Konbinis.
  • Wenn du dich fürs Wandern begeisterst, gibts hier die passende Wanderung ins Marschland Senjogahara.
  • Beachte: Der Nikko All Area Pass gilt nur für die Fahrt mit dem Lokal Zug nach Nikko, der 3 Stunden braucht. Der Express kostet 1090Yen Extra.

Anfahrt

  • Adresse: Nikko Station, 4 Aioichō, Nikkō-shi, Tochigi-ken 321-1413 (GoogleMaps)

Am bequemsten kommst du vom Tokioer Bahnhof Ueno mit Umsteigen zum Bahnhof Nikko.

Per Zug: 

  • Tokioer Bahnhof Ueno  上野駅 -> JR Shinkansen (44 Minuten, 4920 Yen) → Bahnhof Utsunomiya 宇都宮駅 -> JR Nikko Linie 日光線 (49 Minuten, 760 Yen)   → Bahnhof Nikko 日光駅 (~2 Std., 5.570 Yen)
  • Tokioer Bahnhof Asakusa 浅草駅 -> Tobu Express (1 Std. 39 Minuten) -> Shimo-imaichi 下今市駅 -> Tobu-Nikko Linie東武日光線 (8 Minuten) -> Bahnhof Tobu Nikko 東武日光駅  (Zusammen: ~2 St., 2.700 Yen)
  • Der Japan Rail Pass gilt nur für JR-Züge.
  • Weiter mit Bus:
    • Zum Wasserfall: Bahnhof Nikko 日光駅 oder Bahnhof Tobu-Nikko 東武日光駅 → Bushaltestelle 2A → Bus (~45 Minuten, 1150 Yen) → Bushaltestelle Chuzenjiko Onsen 中禅寺湖温泉 バス停 → Kegon Waterfall 華厳の滝
    • Zum Mausoleum: Bushaltestelle Chuzenjiko Onsen Bushaltestelle 26B → Bus (~39 Minuten, 980 Yen) → Bushaltestelle Nishisandou 西参道バス停
    • Zurück zum Bahnhof Nikko: Nishisandou Bushaltestelle 9 西参道バス停 → Bus (5 Minuten, 310 Yen) → Bahnhof Nikko 日光駅
    • Bus-Karten: 2440 Yen (Zusammen)

Öffnungszeiten & Preise

  • Öffnungszeiten: 9:00-16.00 Uhr
  • Verweildauer: Tagesausflug ab Tokio
  • Kosten: 10.740 Yen (Zug) + 2.440 Yen  (Bus) + ca. 2.800 Yen (Eintritt) = 15.980 Yen / 135 Euro.

Tobu-Nikko-Pass:

  • 4.520 Yen (Erwachsene, 20. April-30.November)
  • 4.150 Yen (Erwachsene, 1. Dez.- 19. April)
  • 1.150 Yen (Kinder, 20. April-30.November)
  • 1.040 Yen (Kinder, 1. Dez.- 19. April)
  • Beinhaltet: Zugverbindung Asakusa – Tobu-Nikko und Nikko-Busse (Tobu-Nikko – Mausoleum – Chuzenjiko Onsen)
  • Verkaufsort:
  • Mehr Infos: hier.

  • Fotos: 23. Juli 2013

Gesamte Route:
Bahnhof Ueno / Tokio 上野駅・東京駅 → Shinkansen 新幹線 → Bahnhof Utsunomiya 宇都宮駅
→ Bahnhof Nikko 日光駅 → Bushaltestelle 1A → Bus → Bushaltestelle Chuzenjiko Onsen 中禅寺湖温泉 バス停 → Kegon Waterfall 華厳の滝 → Lake Chuzenjiko 中禅寺湖 → Chuzenjiko Onsen Bushaltestelle 24B → Bus → Bushaltestelle Nishisandou 西参道バス停 →
Mausoleum Taiyuinbyo 大猷院廟 → Futarasan Shrine 二荒山神社 → Toshogu shrine 東照宮 → Nishisandou Bushaltestelle 9 西参道バス停 → Bus → Bahnhof Nikko 日光駅 → Bahnhof Utsunomiya 宇都宮駅 → Shinkansen 新幹線 → Bahnhof Ueno / Tokio 上野駅・東京駅


Nützliche Schriftzeichen:

  • Bahnhof Ueno 上野駅
  • Bahnhof Tokio 東京駅
  • Shinkansen 新幹線
  • Bahnhof Utsunomiya 宇都宮駅
  • Bahnhof Nikko 日光駅
  • Brücke Shinkyo 神橋
  • Bushaltestelle Chuzenjiko Onsen bas-tei 中禅寺湖温泉 バス停
  • Wasserfall Kegon-no-Taki 華厳の滝
  • See Chuzenjiko 中禅寺湖
  • Bushaltestelle Nishisandou bas-tei 西参道バス停
  • Tor Nioumon 仁王門
  • Tor Nitenmon 二天門
  • Mausoleum Taiyuinbyo 大猷院廟
  • Tor Yomeimon 陽明門
  • Schrein Toshogu 東照宮
  • Schrein Futarasan-jinja 二荒山神社
  • Bus Bas バス
  • Bushaltestelle Bas-tei バス停

Nützliche Links:

Deutsch:

Englisch:


Route: Wasserfall Kegon → See Chuzenjiko


Route: Mausoleum Taiyuinbyo → Schrein Futarasan-jinja → Schrein Toshogu


Fehler gefunden? Tipps? Lasst mir doch einen Kommentar da. ;)


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Dann hol dir den Artikel im WanderWeib Japan-Reiseführer: Tagesausflüge ab Tokio*:

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69 Thoughts on “[Ausflug] Nikko: Das historische Reiseziel ab Tokio!

  1. Für alle die vielleicht genauso blöd oder blind sind, es wurde bei mir nicht darauf hingewiesen, dass diese „ach so tolle“ Nikko All Area Pass, NICHT die fahrt bis nach Nikko gilt. Dafür muss man extra um die 2300 Yen zahlen. Sehr frustrierend wenn man Abends dahin zu seinem Hotel fährt und mit zusatzkosten überrascht wird. Ich finde Nikko und gesamte Tobu Gesellschaft sehr intransparent und Touristenunfreundlich. Typische Touristenfalle.
    @Wanderweib: vielleicht kannst du diesen Hinweis fett/rot markieren damit vielleicht anderen geholfen wird. Ich konnte diese info nicht aus dem ansonsten sehr hilfreichen Blog rauslesen.

    • Tessa on 11. November 2019 at 4:36 said:

      Hallo Clam,

      Danke! Ich habe es mal unter Insidertipps gepackt.

      Viele Grüße aus Tokio
      Tessa

    • Skadi on 14. November 2019 at 0:00 said:

      Um kurz für etwas Klarheit zu sorgen: der Nikko All Area Pass inkludiert auch die Fahrt von Asakusa nach Nikko, aber eben nur mit dem local train, der 3 Stunden braucht. Wenn man mit dem Limited Express Zug fahren möchte, der nur 2 Stunden braucht, zahlt man für eine einfache Fahrt nochmal ¥1090 drauf pro Person. Wir haben uns den “Luxus” hinzu geleistet, da es ja schon eine ziemliche Zeitersparnis ist. Rückzu werden wir mal den Bummelzug probieren : 3

      Danke Tessa für deine tolle Website. Ohne diese ganzen Infos hätte ich wahrscheinlich die Hälfte meiner Urlaubszeit mit dem Suchen der richtigen Bahnverbindungen verbracht^^

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