Wolltest du schon immer mal wissen, wie es ist, in Japan Silvester zu feiern? Du dachtest Japan sei langweilig, weil es kein Feuerwerk gibt? Stattdessen besuchen Japaner im neuen Jahr Schreine (#8) oder schauen den ersten Sonnenaufgang an (#9). In diesem Artikel stelle ich dir 12 Gründe vor, warum du über Silvester nach Japan reisen solltest und was dich dort erwartet.

Update: Artikel aktualisiert! (26.12.2018)

Wie ist Silvester in Japan?

Im Gegensatz zu der westlichen Welt, feiern Japaner das Neujahr eher still: Es gibt kein Feuerwerk und die ersten Tage im neuen Jahr zählen in Japan nämlich zu den wichtigsten  Feiertagen im ganzen Jahr. In der Zeit reisen die Japaner in ihre Heimat und verbringen dort ihre Feiertage. (Fast) alle Geschäfte, Museen und öffentlichen Gebäude sind in dieser Zeit geschlossen. Doch so langweilig, wie sich das anhört, ist es doch nicht, da sie schon früh mit den Vorbereitungen anfangen:

(#1) Nengajo 年賀状

Statt einer Weihnachtskarte schreiben Japaner eine Neujahrskarte (Nengajo), die mit Tierkreiszeichen versehen sind. Die Karten schicken Sie an Freunde und Familienangehörigen, um sich für das Jahr zu bedanken. Diese Tradition gibt es schon seit der Heian-Zeit (794-1185). Die Grußkarten solltest du bis spätestens zum 25. Dezember bei der Japanischen Post einreichen, dann werden diese pünktlich am 1. Januar ausgeliefert.

(#2) Shimekazari しめ飾り

Um böse Geister von dem Häusern abzuhalten und gute einzuladen, hängen Japaner direkt nach Weihnachten Shimekazari an Türen auf. Shimekazari ist eine Neujahrs Dekoration, die aus heiligen Shinto Stroh, Kiefer-Zweigen und im Zickzack-gefalteten Papier besteht. Das Stroh lädt die Götter ein, der Fächer sichert eine gute Zukunft und die Reis-Stiele versprechen gute Ernten im Herbst. In der Regel wird diese zwischen dem 7.~15. Januar wieder abgenommen.

(#3) Kadomatsu 門松

Um auch die Ahnen und Gottheiten des Herbst willkommen zu heißen, wir nach Weihnachten rechts und links neben der Tür eine Kadomatsu Dekoration aufgestellt. Diese Neujahrs-Dekoration soll Reichtum sowie Glück bringen: Der Bambus symbolisiert Stärke und Reichtum, die Kiefern ein langes Leben und die Seile schützen gegen böse Geister. Nach dem 15. Januar gibt man die Gestecke an Schreinen ab. Dort werden sie auf einem großen Scheiterhaufen verbrannt, um die Götter und Vorfahren wieder freizugeben.

(#4) Mochibana 餅花

Das neue Jahr muss gebürtig gefeiert werden, also wird nach Weihnachten Mochibana aufgehangen. Das ist eine weitere beliebte Neujahrs Dekoration, die aus Zweigen mit weißen und rosa Mochi (Reiskuchen) oder Bällen besteht. Sie erinnern an blühende Zweige und an den Frühling. Diese Dekoration werden auch gerne zu anderen Festlichkeiten aufhängt.

(#5) Kagami Mochi 鏡餅

Im Wohnzimmer steht ab 28.12 ein Kagami Mochi Schrein, der aus zwei runden Mochi (Reiskuchen) und einer kleinen Orangenfrucht (Mikan) besteht. Die beiden Reiskuchen repräsentieren das jetzige und nächste Jahr. Die Mandarine steht für den Bestand der Familie von einer Generation zur nächsten. Die Fächern versprechen eine gute Zukunft.

(#6) Oosoji 大掃除

Bevor richtig gefeiert wird, muss natürlich noch die Wohnung aufgeräumt werden. In den letzten Tagen vor Silvester wird der Jahresend-Putz oder (auch Oosoji) erledigt. Oosoji ist die Tradition, die ganze Wohnung bzw. Zimmer zu putzen, um das neue Jahr reinlich zu begrüßen. Das ist bei uns vergleichbar mit dem Frühjahrsputz.

(#7) Toshikoshi Soba 年越しそば

Am Silvesterabend speisen Japaner traditionell Toshikoshi Soba, das sind Buchweizen-Nudeln. Durch das Essen dieser langen Nudeln wird dir ein langes und gesundes Leben versprochen. Dieser Brauch gibt es seit der Meiji-Zeit (1868 -1912). Toshikoshi bedeutet, dass Ende von diesem Jahr und der Anfang eines neuen. Am besten isst du die Nudeln vor dem TV, während du das berühmte Musikprogramm Kohaku Uta Gassen schaust.

(#8) Hatsumode 初詣

Statt eines dicken Feuerwerks gehen die meisten Japaner am 31. Dezember kurz vor Mitternacht zu einem Shinto Schrein, um dort auf das neue Jahr zu warten. Nach Mitternacht beten sie für Gesundheit, Glück und Reichtum für das neue Jahr. In Japan wird das Hatsumode genannt. Allerdings besuchen die meisten Japaner einen Schrein zwischen dem 1. und 3. Januar. Vor bekannten Schreinen wie zum Beispiel Meiji-jingu (Tokio) musst du deswegen extrem lange warten, bevor du deinen Wunsch äußern kannst. Die Ursprünge dieses Brauches finden sich übrigens seit der Meiji-Zeit (1868 -1912).

(#9) Hatsuhinode 初日の出

Am ersten Januar stehen Japaner früh auf, um sich für das Glück des neue Jahres zu stärken. Entweder fahren Japaner an die Küste oder zum Mount Fuji, um die ersten Sonnenstrahlen des neuen Jahres zu sehen. Dieser Brauch wird im Japanischen Hatsuhinode genannt.

(#10) Osechi Ryori 御節料理

Zum Frühstück vom 1. – 3. Januar essen Japaner traditionell Osechi Ryori, das sind traditionelle japanische Neujahrsgerichte. Diese bekommst du in speziellen Schachteln (Jubako). Die Gerichte beinhalten u. a. Orangen, Omelett, Seetang, Fischkuchen, Fischeier, Kletten (Schwarzwurzel) und gesüßte schwarze Bohnen. Jedes Bestandteil besitzt eine bestimmte Bedeutung. Mehr dazu hier. Diese Tradition gibt es seit der Heian-Zeit (794-1185).

(#11) Zōni お雑煮

Zum Frühstück essen Japaner außerdem eine Zōni-Suppe, das ist eine japanische Suppe mit Mochi (Reiskuchen). Sie beinhaltet meistens Hühnchen, Pilze, Spinat und Zitronenschale. Je nach Region gibt es verschiedene Variationen. Der Brauch lässt sich bis ins Muromachi-Zeitalter (1336-1573) zurückverfolgen. Zu der Zeit wurde die Suppe hauptsächlich für Samurais in Feldschlachten gekocht. Später etablierte sich mit steigendem Wohlstand der Brauch auch beim einfachen Volk.

(#12) Otoshidama お年玉

Wenn in der Familie Kinder leben, erhalten diese am 1. Januar von den Eltern ein Otoshidama, das ist ein spezielles Taschengeld. Dieser Brauch kommt ursprünglich aus China. Das Geld wird meist in kleinen, dekorierten Umschlägen überreicht. Der Betrag richtet sich nach dem Alter: Kleinkinder (1000 Yen / 9 Euro), Grundschüler (3000-5000 Yen / 25-40 Euro) und Hochschülern (5000-10.000 Yen / 40-90 Euro).

> Falls du dich fragst, wie es an Weihnachten in Japan ist <<

In diesem Sinne wünsche ich euch einen guten Rutsch ins neue Jahr!


Quellen:


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16 Thoughts on “[12 Gründe] Warum du über Silvester nach Japan reisen solltest!

  1. Liebe Tessa,
    bin gerade durch Zufall auf deinen Blog gestoßen. Deinen Artikel finde ich klasse. Besonders die Fotos gefallen mir richtig gut.
    Grund #7 – naja, nicht unbedingt mein liebster Grund. Aber das nehme ich dann gerne für die folgenden in Kauf.
    Denn #8 bis #12 sind auf jeden Fall ein paar gute Gründe, Silvester in Japan zu feiern.

    Ich habe vor einigen Wochen selbst ein Japan-Blog-Projekt gestartet und arbeite immer noch an meinem Silvester Beitrag. Schau doch mal vorbei (wenn er in ein paar Tagen soweit ist).

    Liebe Grüße aus Berlin, Daniela

  2. Svenja J. on 17. Oktober 2017 at 13:37 said:

    Hallo Tessa,

    wir fliegen dieses Jahr über Neujahr nach Japan und verbringen Silvester in Tokyo.
    Kannst du uns einen Tempel empfehlen, an dem man besonders schön feiern kann? Gibt es spezielle Verhaltensregeln oder Rituale die es zu beachten gibt? Wir wollen nichts falsch machen.

    Ich bin schon so gespannt und freue mich total darauf im Land der aufgehenden Sonne das neue Jahr begrüßen zu können. (^w^)
    Vielen Dank schon mal und ein großes Lob an deinen Blog – er ist soo interessant und nützlich. ^^

    Liebe Grüße
    Svenja

    • Hallo Svenja,

      du musst im Prinzip nur die Gebetsregeln (siehe “https://wanderweib.de/tipps-schrein-besuch/” ) einhalten. Ansonsten kann ich dir den Kasuga Taisha in Nara und Meiji Schrein in Tokio empfehlen. Sehr voll, aber sicher eine Erfahrung wert.

      Viele Grüße aus Tokio
      Tessa

  3. Tessler on 11. Dezember 2017 at 20:29 said:

    Hallo Tessa,

    Interessanter Eintrag – die Mischung aus Tradition und Moderne in Deiner Wahlheimat fasziniert mich immer wieder aufs neue. Vielleicht sollte ich mal meinen Urlaub über den Jahreswechsel planen und mir das Ganze selbst anschauen?!? Auch wenn mir vieles naturgemäß verschlossen bleiben wird, aber um es mit Marcel Ayme zu sagen:

    „Das größte Vergnügen im Leben besteht darin, Dinge zu tun, die man nach Meinung anderer Leute nicht fertig bringt!“

    In diesem Sinne wir sehen uns ;)
    VG
    Tessler

  4. Kleine Ergänzung zu Nengajo:
    Um die gekauften Karten mit aufgedrucktem Porto nach Europa zu schicken einfach 18 Yen-Briefmarke draufkleben. Oder (Brief-)karten selber machen, in Schreibwarenläden gibt es Aufkleber und bunte Stempelkissen und viele Motivstempel, aktuell z.B. mit Hunden und Neujahrsgruß. Nicht ganz so schick auch in 100 Yen-Shops.
    Grüße aus Tokyo! :-)
    Chris

  5. Rebecca on 21. Dezember 2018 at 18:46 said:

    Hallo Tessa!
    Danke für den infornativen Artikel!
    Ich bin zur Zeit in Japan und meine Gastfamilie (Vater, Mutter und eine Tochter, 7 J.) hat mich eingeladen über Neujahr mit ihnen in Urlaub zu fahren, was ich als große Ehre empfinde.
    Daher würde ich gerne zu Neujahr etwas verschenken. Hast du eine gute Idee? Verschenkt man traditionell überhaupt unter Erwachsenen etwas?
    Dein Blog hat mir schon häufig weitergeholfen! Echt eine tolle Arbeit!
    Liebe Grüße!

    • Hallo Rebecca,

      generell schenkt man sich unter Erwachsenen nichts. Wenn du unbedingt etwas schenken möchtest, koche doch etwas Deutsches für die Familie. Zum Beispiel Bratkartoffeln mit Speck. ;)

      Viele Grüße aus Tokio
      Tessa

  6. Stephan Ritter on 31. Dezember 2018 at 11:56 said:

    Hallo,

    tjah, dieses Jahr sitze ich hier auch in Japan.
    Vor dem Fernseher, Soba essend und Kohaku Uta Gassen auf NHK schauend :D.
    Kurz vor Mitternacht gehts dann zum Tsuki Schrein hier in der Nähe (Urawa, Saitama) :) Und morgen zum Washinomiya Schrein.
    Die Tipps kann ich gut brauchen … Danke :)

    • Hallo Stephan,

      und wie war es? ;)

      Viele Grüße aus Tokio
      Tessa

      • Stephan on 6. Januar 2019 at 18:22 said:

        War ein einzigartiges Erlebnis. Klar, so ganz ohne Familie über Neujahr zu feiern, war schon etwas seltsam. Aber hat trotzdem Spaß gemacht.
        Der Schreinbesuch und die Ruhe dabei hatten irgendwas, woran man sich gewöhnen könnte :)
        Ich war 5min vor Mitternacht beim Schrein. Nach Ende von Kohaku Uta Gassen, bin ich gleich losgegangen, war ja in der Nähe, der Schrein. Dann hat jemand was gerufen (hab es leider nicht ganz verstanden) und die Schlange setzte sich in Bewegung. Dann hat es 30min gedauert, bis ich dann dran war.

        • Hallo Stephan,

          das kenne ich auch so. Mein erstes Neujahr verbrachte ich in Nara und ich habe nichts verstanden. xD

          Viele Grüße aus Tokio
          Tessa

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