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[JP] Der Krieg der Samurai – Auf Burg Odawara und Burg Ichiya!

Die größten und sichtbarsten Zeugnisse der Samurai sind wohl die riesigen Burgen, die häufig im 16. Jahrhundert in den Kriegszeiten gebaut wurden. Heute erkunden wir zwei dieser Bauten: Burg Ichiya 一夜城 und Burg Odawara 小田原城, die süd-westlich von Tokio in Kanagawa liegen. Neben den Burgen erkunden wir auch alte Steinbrüche und große Götter-Statuen, die uns tiefer in die japanische Kultur eintauchen lassen. Dieser Spaziergang eignet sich hervorragend als Tagesausflug ab Tokio.


Details:
Distanz: 10,4 km
Dauer: 2.4/3.0 Stunden (ohne/mit Pausen)
Höhenmeter: 257 m
Ansteigend: 296 m
Absteigend: 344 m
Schwierigkeitsgrad: ✭ ✩ ✩ ✩ ✩
Jahreszeit: ganzjährig.
Startpunkt: Bahnhof Shinjuku 新宿駅 -> Bahnhof Odawara 小田原駅 -> Bahnhof Iriuda 入生田駅 Hakone Tozan Linie 箱根登山線
Endpunkt: Bahnhof Odawara 小田原駅 Odakyu Linie 小田急線  -> Bahnhof Shinjuku 新宿駅
Fotos: 12. August 2015


Die Route

Die Anfahrt von Tokioter Bahnhof Shinjuku dauert nur knapp 2 Stunden, dann erreichen wir den Bahnhof Iriuda 入生田. Ein kleines braunes Schild leitet uns nach rechts Richtung „Ishigakiyama 3600 m“.

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Wir folgen der schmalen Straße, bis wir rechts in einen Tunnel abbiegen. Auf der anderen Seite überqueren wir die Kreuzung und zwei Brücken über eine Autobahn und einen Fluss.

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Hinter der Brücke finden wir erste Informationstafeln über die lokalen Vogelarten. Leider nur auf Japanisch. Wir steigen die breite Teerstraße bergauf, die kaum Schatten spendet. Kurz vor einer Haarnadelkurve entdecken wir ein kleines Schild am Geländer.

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Es zeigt an, dass wir rechts abbiegen sollen. Doch der Weg nach rechts sieht ziemlich zugewachsen aus. Wir entscheiden uns, ein Stück weiter zu gehen und treffen auf eine steile Treppe. Oben angekommen sehen wir erleichtert ein weiteres Hinweisschild ( Ishigakiyama 1,200 m). Also sind wir doch richtig!

Dort finden wir auch eine Informationstafel über Glühwürmchen ヒメボタル, die in Japan nur 5 mm klein sind, aber strahlen sehr hell. Die Tafel erklärt uns: „Besucher können hier von Ende Juni bis Anfang Juli ab 21 Uhr die Glühwürmchen beobachten.“

Der Steinbruch

Wir folgen dem Weg und stehen plötzlich vor einem großen Felsbrocken und eine weitere Informationstafel.

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Die Tafel erklärt: „Steine wurden hier grob heraus gebrochen und dann in die richtige Form gehauen. Danach wurden die Steine mit dem Zeichen der Steinhauerei-Gruppe und deren Ziel gekennzeichnet.“

Schon zwei Minuten später stehen wir vor dem nächsten Schild. Dieses Mal beschreibt die Tafel einen Steinbruch aus dem 16. Jahrhundert, den wir unter einer Brücke betrachten können. Ursprünglich sollte der Steinbruch beim Bau der Straße verschüttet werden, doch war er in einem so guten Zustand, so dass man entschloss, die Stätte zu erhalten. Direkt neben dem Schild führt eine schmale Treppe unter die Straße.

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Dort finden wir mehrere Steine, die zum Bau der geheimen Burg Ichiya schon bearbeitet wurden. Zum Heraushauen legten die Arbeiter kleine Löcher an, in die sie Keile setzten, dann schlugen sie mit dem Hammer auf die Keile, so dass die Steine in passende Größen zerfielen.

Die Burg Ichiya-jo

Wir steigen die Treppe wieder herauf und überqueren eine Schnellstraße auf einer Brücke. Nach hundert Metern kommen wir an einer Kreuzung an. Dort halten wir uns geradeaus, bis wir auf der rechten Seite einen großen Parkplatz mit kostenlosen Toilettenhäuschen entdecken. Auf der linken Seite entdecken wir eine riesige Steinmauer, einige Hinweisschilder und das Burg-Eingangsschild „Ishigakiyama Ichiya-jo Iriguchi“ 石垣山一夜城 入口.

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Über einige Stufen steigen wir, links haltend, zum südlichen Minami-Kuruwa 南曲輪 und zum westlichen Außenring Nishi-Kuruwa 西曲輪 hinauf. Dort können wir sogar die Abdrücke einer ehemaligen Außenmauer im Gras erkennen.

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Dort wo die Mauern standen, färbte sich das Gras in einer anderen Farbe. Wir gehen den Weg zurück und steigen die Treppe zum Hauptgebäude Honmaru 本丸 hinauf. Am Wegrand stolpern wir über Schilder, die uns vor giftigen Schlangen Mamushi マムシ warnen. Na toll… Oben angekommen, stoßen wir auch zum ersten Mal auf andere Besucher, die von einer Aussichtsplattform auf die Bucht Sagami herunterblicken.

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Wunderschön! Neben den Bergen von Kamakura können wir auch Chiba in der Ferne erblicken. Auf dem ehemaligen Hauptplatz der Burg Ishiya gibt es leider nicht mehr viel zu entdecken. Vom Hauptgebäude ist außer einer großen Grasfläche und mehreren Informationstafeln nichts übrig geblieben.

Die Informationstafeln erzählen die Geschichte der Burg:

1590 baute Toyotomi Hideyoshi die Burg Ichiya innerhalb von 80 Tagen, um den Hojo Klan in der Burg Odawara zu überrümpeln. Insgesamt arbeiteten 40.000 Arbeiter bis zur Fertigstellung. Abgesehen von der schnellen Bauweise, ist sie ziemlich gut konstruiert worden, um auch längere Belagerung stand zu halten. Hideyoshi heuerte talentierte Steinmetze aus dem Westen Japans an, die auch die Burg in Osaka errichtet hatten.

Ichiya  bedeutet übrigens „die eine Nacht Burg“. Der Name kommt daher, dass Hideyoshi im Geheimen die Burg erbauen lies. Als sie fertig war, fällte er innerhalb einer Nacht alle Bäume, die die Burg verdeckten. Für den Klan Hojo sah es dann so aus, als wäre die Burg über Nacht entstanden. Ferner sitzt die Burg auf dem Berg Ishigakiyama 石垣山, das übersetzt „Berg der Steinwände“ bedeutet, da sie eine der ersten Burgen in Kanto ist, die starke Steinwände besaß. Während der Belagerung brachte Hideyoshi auch seine berühmte Konkubine Yodo-dono und den Tee Meister Sen no Rikyu, der ihn mit Tee-Zeremonien und Vorführungen unterhielt, unter.

Der Hojo Klan in der Burg Odawara gab wenige Tage später auf. Nach der Belagerung wurde die Burg Ichiya abgerissen und zerlegt. Interessant ist auch, dass diese in so einer kurzen Zeitspanne aufgebaut und wieder abgebaut wurde, wie andere Burgen nur allein für ihre Bauzeit benötigten.

Wirklich interessante Geschichten, die leider nur auf Japanisch sind. In der Mitte des Platzes steht ein kleiner Shinto-Schrein, der relativ neu aussieht.

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Im hinteren Bereich finden wir den leeren Platz des ehemaligen Burgfriedes Tenshudai 天守台, der zentrale Turm der Burg. Danach steigen wir die Treppe wieder herunter, biegen nach links ab und erreichen den zweiten Innenhof.

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Auf der linken Seite können wir noch gut die ehemaligen Mauern erahnen. Wir halten uns links und erreichen eine weitere Aussichtsplattform, die uns schöne Aussichten auf Bergketten ermöglicht.

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Wir können sogar auf der rechten Seite den Berg Oyama erkennen, den wir schon kennen. Über  eine kleine Treppe erreichen wir den ehemaligen Brunnen der Burg Ito-Kuruwa 井戸曲輪. Sogar noch heute schießt einen kleiner Bach aus dem Schacht.

Die große Kannon Statue

Wir folgen dem Weg, bis wir über Brettern durch ein kleines Wäldchen zum Eingang zurückkommen.

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Nach einer kurzen Pause folgen wir der Straße nach links. In regelmäßigen Abständen entdecken wir am Straßenrand Schilder auf Japanisch, die wichtige Persönlichkeiten der Burg vorstellen.

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Teilweise sind die Schriftzeichen von der Sonne derart ausgeblichen, so dass wir den Text nicht mehr lesen können. Wir passieren einige Oliven- und Mikan(Mandarien)-Plantagen, bis wir in einem Dorf ankommen. An der nächsten Kreuzung geht es geradeaus unter einer Bahnbrücke hindurch. Dann biegen wir an der nächsten Kreuzung nach rechts ab. Nach 100 Metern sehen wir an einer Wand das Schild Yakuyokegyoran-kannon 厄よけ魚藍観音. Dort biegen wir nach rechts ab und stehen vor einem Tempel mit der 13 m weißen Kannon Figur.

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Die Statue wurde 1982 gebaut und sieht von weiten so aus, als wenn diese sitzen würde. Doch tatsächlich steht die Figur, hält einen Korb mit Fischen in der Hand und blickt auf das Meer hinaus.

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Das sanftmütig Gesicht strahlt eine beruhigende Aura aus, die uns einige Minuten verweilen lässt. Der Name Yakuyokegyoran-kannon bedeutet übrigens Unglück-Vertreiber-Fisch-Korb-Gottheit. Früher haben hier Fischer für einen guten Fang und Glück gebetet.

Die Burg Odawara-jo

Danach gehen wir zurück zur letzten Kreuzung und weiter geradeaus, bis wir links den Fluss Hayakawa 早川 auf einer Brücke überqueren können.

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Nach der Ampel und hinter einem Lawson biegen wir in die nächste Straße rechts ein, bis wir eine T-Kreuzung erreichen. Dort halten wir uns links und in die zweite Straße von rechts biegen wir in eine Kirschbaumallee ein. In die vierte Straße geht es nach links zum Burg-Gelände. Wir überqueren den Burggraben auf der Komine-Bashi Brücke 小峰橋.

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Eine Informationstafel erzählt uns die Geschichte der Brücke:

Offiziell wird die Brücke Komine-Bashi genannt, doch das Volk nennt sie auch Ochatsubo-bashi 御茶壺橋. Während der Edo-Zeit, als Händler Tee aus Uji dem Shogune präsentierten mussten, transportierten diese in einer Prozession die Tee-Kanister (Ochatsubo) von einem Lagerhaus an der Brücke zum Hauptlagerhaus in der Burg. Aus diesem Grund wird die Brücke auch Tee-Kanister-Brücke (Ochatsubo) genannt.

Direkt dahinter stoßen wir auf ein großes Tor und eine weitere kleine Informationstafel:

Seit Ende der 60er versucht die Odawara Touristen Behörde das Burggelände nach und nach zu rekonstruieren. 1971 wurde das Tor Tokiwagi, 1997 das Tor Akagane und 2007 das Tor Umade erbaut.

Dieses Tor scheint wohl das Akagane zu sein:

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Wir überquere die rote Brücke auf der linken Seite und steigen die Treppe hinauf.

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Dort erreichen wir das Tor Tokiwagi, das wirklich beeindruckend aussieht.

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Besonders fallen uns die dicken Beschläge an den Türen auf. Kein Wunder, dass die Burg als fast uneinnehmbar galt. Hinter dem Tor stehen wir auf den Burgplatz. Dort können wir den weißen Turm des Burgfriedes Tenshukaku erblicken.

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Wenn wir das Wort Burg hören, denken wir eher an dicke Mauern als an solche Gebäude, die sich doch sehr von den europäischen Bauten unterscheiden.

Die Geschichte der Burg

Auf einer Tafel erfahren wir etwas mehr über die Geschichte der Burg:

Im 15. Jahrhundert baute der Omori Klan an dieser Stelle eine Festungsanlage. 1495 eroberte der Hojo Klan das Gebiet und erweiterte die Burg Odawara, die insgesamt drei Angriffen stand hielt: 1561 Uesugi Kenshin, 1569 Takeda Shingen und 1590 Toyotomi Hideyoshi. Während der letzten Belagerung rief Hideyoshi 200,000 Mann und alle seine Generäle aus dem ganzen Land zusammen. Auf dem Weg nahmen seine Generäle zahlreiche Burgen und Festungen vom Hojo Klan ein. Dazu gehörte auch die Burg Hachioji, die wir im letzten Jahr erkundeten.

Schließlich gab der Hojo Klan nach dem Bau der Burg Ichiya auf und die Burg Odawara wurde an Tokugawa Ieyasu, der Toyotomi Hideyoshi nachfolgte, übergeben. Tokugawa gründete die berühmte Dynastie der Tokugawa Shogune. Nachdem Tokugawa die Kontrolle über die Burg hatte, wurde die Größe der Burg stetig reduziert, damit sie keine weitere Gefahr mehr darstellte.1870 wurde sie abgerissen. Schließlich rekonstruierte die Odawara Touristen Behörde die Burg 1960.

Nachdem wir uns in die Geschichte der Burg eingelesen hatten, schauen wir uns die Burg genauer an und fühlen uns in die damalige Zeit zurückversetzt. Schließlich gehen wir rechts an der Burg vorbei und folgen dem Weg, bis wir eine Straße erreichen. Dort überqueren wir eine Ampel und kommen nach 100 Metern am Ost-Ausgang des Odawara Bahnhofs an.

Fazit: Insgesamt war dies eine spannende Tour, die uns näher an die japanischen Geschichte des 16. Jahrhunderts gebracht hat. Achtung: Am Bahnhof Odawara befindet sich das Gleis 11 der Hokane Tozan Linie zwischen Gleis 7 und 8. Außerdem macht diese Tour auf keinen Fall im August! 😉 


Wegweiser:
Ishigakiyama Ichiya-jo 石垣山一夜城 → Hayakawa-eki 早川駅 → Yakuyokegyoran-kannon 厄よけ魚藍観音 → Odawara-jo 小田原城

Nützliche Schriftzeichen:
Bahnhof Odawara 小田原駅
Klan Hojo 北条
Klan Hideyoshi 秀吉
Linie Odakyu Linie小田急線
Linie Hakone Tozan 箱根登山線
Bahnhof Iriuda 入生田駅
Ishigakiyama 石垣山
Burg Ichiya-jo 一夜城
Eingangsschild Ishigakiyama Ichiya-jo Iriguchi 石垣山一夜城 入口.
Toyotomi Hideyoshi 豊臣 秀吉
Burg Odawara-jo 小田原城
Konkubine Yodo-dono 淀殿
Tee Meister Sen no Rikyu 千 利休
Südlichen Außenring Minami-Kuruwa 南曲輪
Westlichen Außenring Nishi-Kuruwa 西曲輪
Hauptgebäude Honmaru 本丸
Schlangen Mamushi マムシ
Sagami-wan Bucht 相模湾
Burgfried Tenshudai 天守台
zweiten Innenhof 二の丸
Berg Tonodake 塔ノ岳
Brunnen der Burg Ito-Kuruwa 井戸曲輪
Schild Yakuyokegyoran-kannon 厄よけ魚藍観音
Figur Kannon 観音
Fluss Hayakawa 早川
Brücke Komine-Bashi 小峰橋
Brücke Sumiyoshi-bashi 住吉橋
Brücke Ochatsubo-bashi 御茶壺橋
Tor Tokiwagi 常磐木門
Tor Akagane-mon 銅門
Umade Gate 馬出門
lokale Kultur-Museum 郷土文化館
Burgfried Tenshukaku 天守閣
Ost-Ausgang Hisachi-Guchi東口

Links:
Burg Ichiya-jo: http://www.jcastle.info/
Toyotomo Hideyoshi: https://de.wikipedia.org/
Yodo-dono: https://en.wikipedia.org
Sen no Rikyu: https://de.wikipedia.org/
Ieyasu Tokugawa: https://de.wikipedia.org/
Burg Odawara-jo: http://www.jcastle.info/
Zugverbindungen: http://www.hyperdia.com/


Download

Wart ihr schon mal an diesen Burgen? Lasst mir doch einen Kommentar da. 😉

2 Gedanken zu „[JP] Der Krieg der Samurai – Auf Burg Odawara und Burg Ichiya!“

  1. Hallo,
    die Burg in Odawara habe ich auch besichtigt. Dazu natürlich noch die Burg Himeji, sowie die Burgen in Okayama und Hiroshima.
    Lg Thomas

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