Du reist schon seit mehreren Tagen durch Tokio/Japan und suchst ein ruhiges Plätzchen? Oder du möchtest vom Reisestress mal richtig abschalten? Dann suche nicht weiter, sondern nimmt an einer Zen-Meditation in Japan teil. In diesem Artikel zeige ich dir, was du bei der Zen-Meditation beachten musst und wie du dich verhalten sollst. Außer ein bisschen Zeit brauchst du auch nichts mitbringen.

Schauen wir uns die Anleitung für eine Zen-Meditation in Tokyo/Japan genauer an:


Was ist Zen-Meditation?

Typischerweise antworten Zen-Meister mit: „Nichts!“, um keine Illusionen zu  vermitteln. Und doch ist die Antwort richtig, denn beim Zen geht es darum, dass du deine Meinung, deine Bestimmung und deine Situation ablegst. Du lebst von Augenblick zu Augenblick. Denn dann kommt dein wahres Selbst zum Vorschein…

Das klingt jetzt etwas abstrakt, aber probiere es einfach mal selbst aus, um dir ein eigenes Bild zu verschaffen:

Die Vorbereitung

Aufgeregt und etwas müde stehst du früh morgens vor einem Tempel in Tokio/Japan.

zen-1-von-17

Du weißt gar nicht, was dich dazu geritten hat, dich so früh an einer Zen-Meditation teilzunehmen… Im Eingang wirst du begrüßt und gebeten deine Schuhe auszuziehen.

tateyama (16 von 59)

Freundlich erklärt dir das Personal, dass Zen-Meditation auf Japanisch Zazen 座禅 heißt, und führt dich in einen Umkleideraum. Dort lässt du deine Jacke, deine Tasche und deinen Gürtel. Nur deine Wertsachen nimmst du mit.

zen-5-von-3

Alle beengenden Gegenstände wie Uhren, Krawatten oder Socken legst du ebenfalls ab.

zen-14-von-17

Das Verbeugen

Im Anschluss gehst du zum Meditations-Raum. Du beobachtest, wie sich Andere vor dem Betreten des Raums verbeugen.

zen-3-von-17

Auch du verbeugst dich und achtest darauf, dass die Verbeugung aus der Hüfte und nicht aus dem Nacken kommt. Die Hände hältst du vor der Brust zusammen.

Du suchst dir einen Meditations-Platz aus, auf dem zwei dünne Kissen liegen.

zen-4-von-3

Bevor du dich hinsetzt, faltest du das obere Kissen zur Hälfte…

tempel-12-von-14

… und verbeugst dich erneut.

zen-2-von-17

Die Sitz-Haltung

Zunächst einmal schiebst du deine Beine zusammen, da du nicht wirklich weißt, wie du dich hinsetzen sollst.

zen-4-von-17

Zum Glück hast du eine weite Hose und Hemd an, die dich nicht beim Sitzen stören. Nach und nach treffen andere Gäste ein, die sich entweder in dem halben Lotussitz…

zen-2-von-1

…oder in den vollen Lotussitz setzen.

zen-6-von-17

Du probierst den halben Lotussitz aus, stellst aber nach einigen Versuchen fest, das die Sitzhaltung zu schmerzhaft ist, so dass du nur deine Beine zusammenschiebst.

Die Hand-Haltung

Da du nicht weißt, wohin mit deinen Händen, liegst du sie in den Schoss unter deinem Bauchnabel. Bei deinen Sitznachbarn beobachtest du, wie er die linke Hand in die rechte Hand legt.

zen-8-von-17

Auf der anderen Seite, siehst du, wie sich die Daumen locker berühren.

tempel-41-von-1

Hierbei ergeben die Daumen keine Berg- oder Tal-Form. Eine weitere Person bildet Kreise über den Knien.

zen-10-von-17

Das sieht schon irgendwie cool aus. Es scheint so, als kannst du dir aussuchen, welche Position dir am liebsten ist. Da es heute kalt im Raum ist, nimmst du die erste Handhaltung ein, so bekommst du zumindest keine kalten Hände… 😉

Die Körperhaltung

zen-12-von-17

Du bemerkst, dass die meisten leicht nach vorne mit ihrem Rücken fallen und ihr Gesäß in das Kissen drücken. Ihre Augen sind halb-geschlossen und blicken auf einen 1m entfernten Punkt. Auch du versuchst es ihnen gleich zu tun. Automatisch legst du etwas Gewicht auf die Knie, um deine Beine zu entlasten.

Die Zen-Meditation

zen-11-von-17

Nachdem du dich richtig hingesetzt hast, hörst du wie ein Mönch eine Klangschale anschlägt. In dem Moment siehst du, wie sich alle im Sitzen verbeugen.

zen-17-von-17

Auch du verbeugst dich und fängst deine Zen-Meditation an.

Das Bewusstsein

Als erstes versuchst du, dein Bewusstsein in dem Bereich unter deinem Bauchnabel zu transferieren.

zen-3-von-1

Damit sollst du deine Gedanken lösen und an nichts denken.

Die Atmung

Jetzt kümmerst du dich um deine Atmung: Du atmest durch die Nase und aus dem Bauch. Falls du wegen Schnupfen das nicht kannst, ist natürlich auch eine Mund-Atmung möglich. Beim Ausatmen, zählst du still und langsam von 1 bis 10.

Ausatmen….Eins…

zen-16-von-17

….einatmen…

zen-15-von-17

Ausatmen….Zwei….

zen-16-von-17

….  einatmen….

zen-15-von-17

Ausatmen….Drei….

zen-16-von-17

…u.s.w…..

Sobald du bei 10 angekommen bist, fängst du wieder bei 1 ein. Wenn du merkst, dass deine Gedanken abschweifen, breche ab und starte erneut bei 1!

Während du meditierst, geht ein Mönch mit einem langen Stock durch die Reihen. Irgendwie erinnert dich das ein bisschen an deine Schulzeit, als der Lehrer durch die Reihen spaziere, um Spickzettel zu suchen.

zen-11-von-17

Du bemerkst, wie sich dein Körper an die Sitz-Haltung gewöhnt und döst auch schon mal ein. Als dein Nachbar ziemlich laut schnarcht und danach aufschreckt, beobachtest du folgendes:

Die Aufmerksamkeit

Dein Nachbar verbeugt sich, als der Mönch vor bzw. hinter ihm steht.

zen-17-von-17

Der Mönch erwidert die Verbeugung. Dein Nachtbar legt seine Hände auf den Boden.

tempel-13-von-1

Und der Mönch schlägt ihm zwei mal auf jede Schulter, das sieht schmerzhaft aus. Danach verneigen sich beide.

zen-17-von-17

Seine Aufmerksamkeit ist nun gestärkt und er schäft ab diesen Zeitpunkt nicht mehr ein.

Du aber verzichtest auf Schläge, da du darauf nicht wirklich stehst…

Der Abschluss

zen-17-von-17

Irgendwann holt dich die Klangschale aus der Zen-Mediation. Du beobachtest, wie alle sich im Sitzen verbeugen. Vorsichtig lockerst und dehnst du deine Beine und stellst fest, dass nichts abgestorben ist. Alle stehen auf und falten das obere Kissen zurück.

zen-4-von-3

Beim Verlassen des Raumes verbeugst du dich noch ein letztes mal.

zen-3-von-17

Nachdem du  deine Tasche geholt hast, schlüpfst du in deine Schuhe. In dem Moment stellst du fest, dass du in der ganzen Zeit nicht ein einziges Wort gesprochen hast. Aber es ist dir so vorkommen, als hättest du viel erlebt….

Innerlich erleuchteter stürzt du dich in den Großstadt Trubel! 


Gut zu wissen:

  • Sei 10 Minuten vor der Zen-Meditation da, um ggf. Einweisungen zu erhalten. Wer zuspät kommt, wird abgewiesen.
  • Übe ggf. vorher zu Hause und lade dir die App Meditation Timer (iPhone, Android) herunter, damit du sanfter „aufwachen“ kannst.
  • Fotografieren ist verboten.
  • Die Dauer einer Zen-Meditation hängt vom Tempel ab.
  • Ab 5 Personen musst du dich vorher anmelden.

Zen-Tempel in Japan

Eine Liste der Zen-Tempeln in Japan, die auch „ausländerfreundlich“ sind:

Tempel Adresse Wann Details: Links
 Kourin-in Tokyo, Shibuya-ku, 5-1-21 Hiroo, (Bahnhof Hiro-o -> 5 Minuten Fußweg)  7 Uhr (Mo.-Fr.) & 17 Uhr (So.)  Kostenlos, 2 x 25 Minuten, ohne Anmeldung.  http://kourin-in.com/ (Japanisch)
 Rinsen-ji Tokyo, Bunkyo-ku, 4-7-2 Kohinata, (Bahnhof Myogadani -> 1 Minute Fußweg)  6 Uhr (Mo.) & [19 Uhr (Mi.) für Anfänger]  500 Yen, 40 Minuten, Anmeldung benötigt! http://homepage3.nifty.com/ (Englisch)
 Enkaku-ji Kamakura, 247-0247,  Yamanouchi, 409 (Bahnhof Kita-Kamakura -> 1 Minute Fußweg)  6 Uhr (jeden So.) & 13.20 Uhr (jeden Sa. für Anfänger)  Kostenlos, 60 Minuten  http://www.engakuji.or.jp (Japanisch)
 Shunko-in  Kyoto, 616-8035, Ukyō-ku, Hanazonomyōshinjichō 42 (Bahnhof Myoshinji -> 3 Minuten Fußweg)  9 Uhr (jeden Tag)  Siehe Webseite, ~60 Minuten  http://www.shunkoin.com/ (Englisch)
 => Weitere Zen-Tempel

 

Zen-Meditation „auf Deutsch“

Und falls du es nicht nach Japan schaffst, kannst du Zen auch „auf Deutsch“ praktizieren:

Und jetzt alles klar?

Weißt du nun, wie du dich bei der Zen-Meditation verhalten solltest? Wenn du nach diesem Artikel nicht gut informiert bist, dann kann ich dir auch nicht helfen!

Erkunde die Zen-Tempel in Japan jetzt! 


Hast du schon einmal eine Zen-Mediation gemacht? Lass mir doch einen Kommentar da!

6 Thoughts on “[Tipps] Zen-Meditation in Japan: So geht es!

  1. Das Zen-Kloster Liebenau ist vielleicht auch interessant 🙂

    Vielleicht noch wissenswert, dass nicht vor dem „Zen-Garten“ meditiert wird.
    Wir haben einen Artikel dazu geschrieben 🙂
    https://realjapanesegardens.wordpress.com/2016/06/13/meditation-garden-or-zen-garden/

  2. Liebe Tessa,
    Es wäre schön, wenn Du bei Zen-Meditation in Wien unser Zentrum hinzufügen könntest. Die Homepage ist http://www.mishoan.at und auf Facebook findest du uns unter Zen-Zentrum Mishoan. Ich schreibe seit einigen Jahren auch einen Blog. Schau doch mal vorbei. LG Fleur
    Ich empfehle gerne Deine Seite weiter, es gibt viele Japan-Reisende unter uns.

    • Hallo Fleur,

      der Link steht jetzt in der Liste. 😉 Deinen Blog habe ich mir gerade angesehen. In welchem Tempel hast du denn bei deiner Dissertation übernachtet? Würdest du darüber vielleicht auch einen Gastartikel für WanderWeib schreiben? „Wie man in einem Tempel übernachten?“ 😀

      Viele Grüße aus Tokio
      Tessa

      PS: Danke fürs Empfehlen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Post Navigation