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[9 Tipps] Zug fahren in Japan verstehen – Die ultimative Anleitung

Dein Flug nach Japan ist gebucht? Du möchtest dich über das Zug-Fahren in Japan informieren? Dann bist du hier genau richtig! In diesem Artikel kläre ich dir kurz und knapp: Wie du herausbekommst, wie viel die Strecke kostet! Wo du deine Fahrkarte kaufst. Wie genau das Fahrkarten-System mit den Schranken und Tickets funktioniert und wie du eine Zug-Fahrt in Japan souverän meisterst.

Schauen wir uns das genauer an!

 

 

1. Wie viel kostet die Fahrkarte?

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Entweder schaust du vorher im Internet auf Hyperdia nach oder Du gehst direkt zum Bahnhof. Dort findest du die berüchtigten Automaten. Direkt über diesen hängen bunte Karten mit den unmittelbaren nächsten Bahnhöfen. Wenn du Glück hast, stehen die Namen in unseren Schriftzeichen daneben, wenn nicht, dann suche vorher im Internet nach den passenden Schriftzeichen für dein Ziel.

Hast du dein Ziel auf der Karte ausfindet gemacht, stehen dort entweder eine oder zwei Nummern daneben. Wenn da nur ein Betrag steht, dann ist das dein Preis. Falls da zwei stehen, dann ist der höhere Betrag  der Erwachsene und der niedrigere der Kinder-Preis.

Also weißt du immerhin schon, wie viel die Fahrt bis zu deinem Ziel kostet.

2. Wie kaufst du eine Fahrkarte?

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Jetzt kannst du entweder eine aufladbare Geldkarte (Suica oder Pasmo) kaufen oder besorgst dir eine reguläre Fahrkarte. Du kramst deinen Geldbeutel heraus und stellst dich an einen der Automaten. Dort sind mehrere Funktionen auf Japanisch aufgeführt. In Japan besitzen die Automaten auch einen Englisch Knopf, der alle Tasten übersetzt.

Eine Suica bekommst du, indem Du die Taste „Purchase a Suica“ -> „My Suica“ -> eingibst. Eine Schritt für Schritt-Anleitung findest du hier. Wenn du eine normale Karte kaufen möchtest, drückst du einfach die entsprechenden Taste mit dem passenden Preis für deinen Zielbahnhof. Dann wirfst du deine Münzen in den Automaten. Wenn du nur Scheine hast, kannst du die in den rechten oberen Einschub mit dem Yen-Zeichen ¥ schieben.

Im Anschluss spuckt der Automat deine Fahrkarte und dein Wechselgeld aus. Glücklich hältst du wie eine Trophäe deine Fahrkarte hoch.

3. Zu welchem Gleis und Linie musst du?

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Kaum hast du deine Fahrkarte, stehst du vor dem nächsten Problem: Welche Linie und welches Gleis musst du nehmen? Vor den Schranken hängen große Anzeigetafeln, die die Gleise, Abfahrtszeiten, den Zugtyp, Richtungen und weitere Informationen auf Japanisch anzeigen. In Tokio springen diese Anzeigen auch auf unsere Schrift um, so dass du nur einen kurzen Moment warten musst. Zunächst blickst du nochmal auf die Streckenkarte über den Automaten und suchst nach einem roten Pfeil, einem Bahnhof oder dem Zeichen 当駅, das ist der Bahnhof, an dem du dich gerade befindest. Du folgst der Linie zu deinem Ziel und merkst dir die Endstation. Diese beiden werden auf der Anzeigetafel angezeigt. Falls du umsteigen musst, wähle die entsprechende Linie aus. Nach einer kurzen Suche, findest du schnell den Zug.

Doch halt! Es gibt gleich drei Möglichkeiten: Den Expresszug 特急, den Semi-Expresszug 準特急 und den Bummelzug 各停.  Welchen sollst du jetzt nehmen?  Die normale Untergrundbahn (Metro) in Tokio besitzt solche Expresszüge nicht, so dass du dort einfach den nächsten Zug nehmen kannst. Doch reist du zu etwas weiter entfernten Zielen, wirst du über diese Züge stolpern.  Diese Expresszüge halten nur an größeren Bahnhöfen. Informiere dich vorher einfach auf der Hyperdia Webseite, welche Zugart du nehmen kannst. Es kann auch sein, dass du je nach Linie einen Aufschlag bezahlen musst. Die Hyperdia Webseite zeigt auch alle Zuschläge an.

Jetzt weißt du immerhin, zu welchem Gleis du musst. In Japan sind die meisten Linien farbig markiert, so dass du nur der Farbe und die Richtung merken musst.

4. Wie passierst du die Schranken?

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Ok, du hast deine Suica oder Fahrkarte und kennst die Linie und das Gleis. Da kann schon nichts mehr schief gehen! Leider muss ich dich enttäuschen. Jetzt musst du das nächste Abenteuer bewältigen: Die Schranken.

Es gibt Schranken, die nur in einer Richtung passierbar sind. Sie sind dann mit kleinen Klappen und Einbahnstraßen-Zeichen gekennzeichnet. Achte einfach darauf, dass ein grüner Pfeil an der Schranke angezeigt wird. Wenn du eine Suica hast, hältst du diese kurz an das blaue Touchfeld der rechten Schranke neben dir. Nach dem Piepen kannst du einfach durchgehen. Hiermit hast du deinen Startbahnhof auf deiner Karte registiert.

Hast du aber eine Fahrkarte, steckst du diese in den Schlitz und gehst durch. Aber Achtung: Es gibt Schranken ohne Schlitze! Die Karte kommt am Ende der Schranke wieder heraus, die musst du sicher in deine Tasche verstauen. Später brauchst du die Fahrkarte noch einmal beim Verlassen des Zielbahnhofes. Die meisten Besucher versäumen es, dass ihre Fahrkarte erneut benötigt wird und vergessen sie mitzunehmen.

5. Wo stellst du dich am besten hin?

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Endlich durch die Schranken gekommen, folgst du den Zeichen an den Wänden und Decken zu deiner Linie. Du kontrollierst noch einmal dein Ziel an der Anzeige. Dann stehst du vor dem nächsten Rätsel: Wo musst du dich hinstellen? In Japan stehen die wartenden Fahrgäste meist rechts und links neben den Türen in zwei geordneten Reihen. Dazu finden sich auf den Plattformen bunte Markierungen, die dir die Orientierung erleichtern.

Wenn du dich wie in Deutschland einfach vor die Türen stellst, wirst du von der herausstürmenden Masse überrannt. An kleineren Bahnhöfen findest du meist nur eine Markierung pro Tür auf den Plattformen. Hier stellst du dich nur in einer Reihe an und wenn der Zug einfährt, bewegst du dich neben die Tür. Beobachte einfach die anderen Fahrgäste und stell dich an!

6. Was du als Mann falsch machen kannst?

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Der Zug fährt ein und du betrittst den Wagen. Plötzlich findest du dich auf im Männer-Himmel. Um dich herum sind Frauen, die dich mit ihren Blicken verfolgen. Du fühlst dich wie ein König und denkst, du hast es geschafft. Du bist unwiderstehlich. Erfreut streichelst du über deine Haare und erwiderst den ein oder anderen Blick.

Doch dann bemerkst du das „Women Only“-Schild vor dir und du wirst kreidebleich. Du möchtest nur ganz schnell verschwinden. Am nächsten Bahnhof steigst du still aus und suchst das Weite.

In Japan gibt es in den Stoßzeiten spezielle Wagen, die nur Frauen benutzen dürfen. Immer wieder kommt es vor, dass männliche Besucher sich in solch einer Situation wieder finden. Das ist genauso als wenn du als Mann die Frauentoilette besuchen würdest. Also achtet auf die Zeichen an den Türen!

7. Wo setzt du dich hin?

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Der Zug fährt ein und die Türen gehen auf. Du betrittst den Wagen und setzt dich endlich hin, doch irgendetwas ist komisch. Neben dir sitzen alte Leute, Schwangere und Familien, die dich anstarren. „Was ist hier los?“, fragst du dich. Hast du irgendwas im Gesicht? Vor dir steht ein älterer Herr.

Bis dir das „Priority Seat“-Schild hinter deinem Sitzen auffällt. In Japan gibt es spezielle Sitze, die mit Priority Seat 優先席 ausgezeichnet sind. Dort besitzen Familien, Schwangere, Rentner und beeinträchtigte Personen den Vorzug, d. h., wenn du nicht zu dieser Gruppe Menschen gehörst, solltest du lieber einen anderen Sitzplatz aufsuchen. Handys und andere Elektronik solltest du in diesen Gebieten ausschalten. Große „OFF“ Schilder informieren dich darüber. In der Regel befinden sich diese speziellen Sitze am Ende und am Anfang eines Waggons.

In Japan leben so viele Rentner, dass jüngere Japaner, die auf den normalen Sitzen sind, den älteren Menschen keine Sitze mehr anbieten. Manche sehen es sogar als Beleidigung an und reagieren erbost, wenn du für sie aufstehst.

8. Wie lange dauert die Fahrt?

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Schließlich sitzt du auf dem richtigen Sitzplatz und fragst dich, wie lange du noch fahren musst. Die Fahrt scheint unendlich anzudauern. Du wirst langsam ungeduldig. Ob du hier noch richtig bist?

Über den Türen bemerkst du kleine Streckenkarten, auf denen alle Bahnhöfe mit ihren Linien eingezeichnet sind. Dort kannst du deine aktuelle Position bestimmen.

In neueren Zügen gibt es Monitore, die deine Position und die Minuten bis zu den nächsten Bahnhöfen anzeigen. Du schießt am besten ein Fotos davon und setzt dich wieder auf deinen Sitzplatz. Dann kannst du in Ruhe verfolgen, wo du dich gerade befindest und deine Zugfahrt genießen.

9. Wo ist der Ausgang?

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Du bist endlich am Zielbahnhof angekommen und kommst nicht weiter, weil du den Ausgang nicht findest. In Japan sind die Ausgänge mit dem Schriftzeichen Deguchi 出口 gekennzeichnet. Manche Bahnhöfe besitzen auch mehrere Ausgänge, informiere dich genau, wo dein Ziel liegt.

In vielen sind die Ausgänge nach Himmelsrichtungen sortiert, so dass du nur die grobe Richtung wissen musst. An den Schranken hältst du entweder deine Suica an das blaue Touchfeld oder schiebst deine Fahrkarte in den Schlitz.

Ein lautes Signal ertönt und du wirst von zwei Klappen am weitergehen gehindert. Verdutzt schaust du auf die Schranke. Da hast du wohl etwas falsch gemacht. Deine Suica ist leer oder im Fall einer Fahrkarte, reicht diese nicht aus.

Direkt neben dem Schranken entdeckst du einen Fahrpreis-Anpassungsmaschine Fare Adjustment
精算機. Dort schiebst du deine Suica oder Fahrkarte hinein und sie zeigt dir den fehlenden Betrag an. Du wirst ein paar Münzen in den Schlitz und passt den Betrag an. Jetzt spuckt der Automat eine extra Karte aus, mit der du die Schranken passieren kannst. Deine Suica erhältst du wieder.

Du steckst die neue Karte in den Schlitz der Schranke und gehst hindurch. Beim Verlassen eins Bahnhofs verschlucken die Schranken automatisch alle Karten, so dass du kein Müll mit dir schleppen musst.

10. Wie funktioniert das mit den Schnellzügen / Shinkansen?

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Leider funktioniert das oben beschriebene System nicht so ganz bei Schnellzügen. Für die Shinkansen fallen Express-Zuschläge an, die ziemlich teuer sind. Am besten informierst du dich online (Hyperdia) und gehst zum Kaufen zu den Schaltern in den Bahnhöfen.

Dort lässt dir vom Personal eine Fahrkarte und eine Expresszuschlags-Karte ausstellen.  Wenn du längere Strecken mit dem Shinkansen zurücklegen möchtest, empfehle ich dir vor Antritt deiner Reise den Japan Rail Pass in Deutschland zu kaufen.  Mit dem Pass kannst du jede Menge Geld sparen, da er dir beliebige Fahrten mit dem Shinkansen in einem begrenzten Zeitraum ermöglicht.

Und jetzt alles klar?

Hast du jetzt eine Vorstellung davon, wie du in Japan zurecht kommst? Wenn du jetzt nicht gut informiert bist, dann kann ich dir auch nicht helfen. Drucke diesen Artikel aus und lese ihn noch einmal auf deinem langen Flug nach Japan, dann bist du auf der sicheren Seite.

Erkunde und entdecke Japan JETZT!

Nützliche Schriftzeichen:
Aktueller Bahnhof Toeki 当駅
Aufladen Chaagi チャージ
Ausgang Deguchi 出口
Bummelzug kakutei 各停
Expresszug Tokkyu 特急
Fahrpreis-Anpassungsmaschine Fare Adjustment Seisanki 精算機
Norden Kita 北
Osten Higashi 東
Priority Seat Yusenseki 優先席
Semi-Expresszug Jutokkyu 準特急
Süden Minami 南
Westen Nishi 西
Zug Densha 電車

Links:
Suica Karte: http://wanderweib.de/
Japan Rail Pass: http://wanderweib.de/
Fahrpläne: http://www.hyperdia.com/

4 Gedanken zu „[9 Tipps] Zug fahren in Japan verstehen – Die ultimative Anleitung“

  1. Wer in Kansai (Kyoto, Osaka, Kobe) und weiter westlich mit der JR unterwegs ist, dort heißen die Bummelzüge (local) futsu 普通, die Expresszüge kaisoku 快速 und die Spezial Expresszüge shinkaisoku 新快速.
    Bei den ganzen privaten Zuglinien heißt es dann wieder anders. 🙁

  2. Hallo!

    Wenn man billig unterwegs sein will, gibt es zwei Warnsignale: „Green Car“, gekennzeichnet durch ein Kleeblatt, entspricht der ersten Klasse, und „Limited Express“. Beide kosten bei JR Aufpreis. (Die Privatbahnen dagegen haben oft aufpreisfreie „Limited Express“, das wäre bei JR ein Rapid oder Special Rapid – z.B. Keisei von Ueno zum Flughafen Narita.)
    Die aufpreisfreien Expresszüge heißen häufig „Rapid“, wobei es da je nach Strecke weitere Abstufungen geben kann wie Semi-Rapid (hält öfter aber nicht überall), Special Rapid (hält noch seltener) oder Section Rapid (überspringt in Zentrumsnähe viele Haltestellen und hält danach überall). Sowohl an den Bahnsteigen neben der Abfahrttafel als auch in den Zügen zeigen Diagramme, welche Haltestellen von den diversen Rapid/Express bedient bzw. durchfahren werden. Es ist üblich, mit einem Rapid bis zum nächsten Rapid-Stop vor dem Zielbahnhof zu fahren und erst dort in den nächstfolgenden Local zu wechseln. So ist man oft schneller am Ziel.

    Apropos Abfahrtstafel: die Züge fahren nicht nur verschieden schnell, sondern auch verschieden weit. Die jeweilige Endstation ist aber meistens nur in Kanji angegeben. Vorher die Zugverbindung mit Hyperdia rauszusuchen erspart also einiges Rätselraten.

    Neben dem landesweiten Japan Rail Pass bieten die meisten JR-Gesellschaften in ihrem Bereich ein oder mehrere regionale Railpasses an, die teilweise auch die Nutzung des Shinkansen einschließen. Sie können auch in Japan gekauft werden, meist etwas teurer als im ausländischen Vorverkauf.

    Hinweis zu Suica&co: diese sind zwar landesweit einsetzbar, aber nur für Fahrten innerhalb eines Großraums gültig, auf Kyushu z.B. im Großraum Fukuoka und in Nagasaki, aber nicht für Fahrten zwischen diesen Städten.

    Gruß

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