Kansai, Kyoto

[Kyoto] Ryoanji: Der berühmte Zen-Tempel

Der Ryōanji Tempel (龍安寺, dt. Tempel des ruhenden Drachen) befindet sich im Nordwesten Kyotos und ist weltweit bekannt für seinen Steingarten. Der Tempel und dessen Gärten gelten als geheimnisvolle, historische Denkmäler des antiken Kyoto.

Hojo – das Hauptgebäude des Ryoanji

Der Ryoanji Tempel birgt viele Geheimnisse. Auch die Geschichte seiner Existenz und die seines Steingartens sind mystisch.

Das Anwesen wurde um das Jahr 1450 von einem japanischen Staatsmann namens Hosokawa gekauft. Das ist Fakt. Zu einem Zen-Tempel wurde das Gelände erst viel später umfunktioniert. Richtige Bekanntheit erlangte der Tempel erst im Zeitraum zwischen dem späten 16. Jahrhundert bis Mitte 17. Jahrhundert.

1994 wurde der Ryoanji zum Weltkulturerbe ernannt und gilt bis heute als Symbol des japanischen Zen-Buddhismus.

Der Ryoanji Tempel

Der berühmte Steingarten

Sobald du den Tempel durch das Haupttor betrittst, wirst du auf den Teich Kyōyōchi treffen. Hier erhaschst du einen tollen Blick auf die malerische Berge Kyotos. Folgst du dem Weg weiter geradeaus, gelangst du zum Hauptgebäude (Hōjo). Auf der linken Seite des Hojo befindet sich der Steingarten. Entweder betrachtest du ihn von der Holzveranda aus oder aus dem Inneren des Gebäudes.

Noch heute diskutiert man über dessen genaue Grundsteinlegung. Experten meinen, dass er ursprünglich im 15. Jahrhundert angelegt worden sein muss, seine heutige Gestaltung jedoch viel später erfolgte. Leider weiß man auch nichts über seine Schöpfer, weil Aufzeichnungen dazu erst aus den 1680er Jahren existieren.

Der berühmte Steingarten misst 30 x 10 Meter und beinhaltet heute fünfzehn Steine. In alten Aufzeichnungen ist jedoch von nur neun die Rede. Diese sollen „das Wasser überquerende Tigerbabys“ darstellen. Aus diesem Grund gehen Experten davon aus, dass sich der Garten im Laufe der Zeit also mindestens einmal grundlegend verändert haben muss.

Spektakulär ist, dass aus keinem Blickwinkel des Gartens alle Steine gleichzeitig gesehen werden können. Nur maximal vierzehn davon. Aus diesem Grund gibt es im Hojo eine Miniaturansicht. Auch über die Bedeutung des Gartens streiten sich die Experten.

Miniatur des Steingartens

Verlässt du das Hauptgebäude, kehrst du zum großen Teich Kyōyōchi zurück. Inmitten davon, auf einer begehbaren Insel, steht ein Schrein der Göttin Benzaiten (kurz Benten). Sie ist eine der sieben Glücksgötter (Shichi Fukujin) im Shinto.

Etwas abseits des großen Teichs, versteckt in einer Ecke, findest du noch eine Tempelhalle und eine weiße Pagode aus Birma.

Birmesische Pagode

Im Nordosten von Ryoanji befindet sich außerdem eine bekannte Wasserstelle, die Tsukubai genannt wird. Sie hat die Form einer japanischen Münze. Ganz in der Nähe der Tsukubai, wurde eine Wabisuke-Kamelie gepflanzt. Bei uns ist diese Kamelien-Art weitestgehend unbekannt. Sie soll angeblich die älteste Japans sein und blüht ungefähr von Anfang April bis Anfang Mai.

Tsukubai in Münzform

Essen & Trinken

Tofu-Restaurant Ryoanji Saigen-in 西源院

Eines der Highlights im Ryoanji ist das Restaurant Saigenin mit tollem Ausblick. Hier kannst du entspannt echte, buddhistische Küche (ohne Fleisch) genießen. Die begehrte Spezialität des Hauses ist Yu-dofu, ein Tofu-Eintopf.

  • Öffnungszeiten: 11.00-15.00 Uhr
  • Notiz: Eintritt für den Ryoanji fällt nicht an, da das Restaurant davor liegt. Tischreservierung wird empfohlen.
  • Empfehlung: Vegetarian Dish with Yu-dofu-Menü
    • Tofu-Eintopf, Reis, Gemüse und Tee.


Insidertipps


Anfahrt

Am schnellsten erreichst du den Tempel Ryoanji vom Kyoto Bahnhof mit dem JR Bus Takao-Keihokusen und fährst ~30 Minuten bis zur Bushaltestelle Ryoanji-mae.

Per Bus:

  • Kyoto Bahnhof (京都駅前); -> JR Bus Takao Keihokusen Linie 高雄京北線 (2-4 Busse pro Stunde, ~30 Min.)-> Ryoanji-Mae Bushaltestelle (龍安寺前)
  • Kyoto Bahnhof (京都駅前); Linie 50 -> ~37 Min. bis Ritsumeikan Daigaku-mae Bushaltestelle (立命館大学前) -> 7 Min. Fußweg

Per Zug:

  • Von Arashiyama -> Keifuku Kitano Linie -> Ryoanji-michi Bahnhof -> 7 Min. Fußweg

Ryoanji Tempel – Karte

Der Ryoanji Tempel liegt nur wenige Schritte von den Bushaltestellen entfernt und besitzt einen großen Garten mit Teich. Die Hauptattraktion ist jedoch der große Stein- bzw. Zengarten.


Öffnungszeiten & Preise

  • Öffnungszeiten:
    • 8.00-17.00 Uhr (März bis November)
    • 8.30-16.30 Uhr (Dezember bis Februar)
  • Eintritt: 600 Yen

Barrierefreiheit

  • Barrierefrei = BF, Nicht Barrierefrei = NBF, Stillraum = SR, Wickelflächen = WF, Rollstuhltoilette = RT
  • Ryoanji: WF und RT.
    • Kinderwägen sind im Inneren nicht erlaubt.

Nützliche Links

Englisch:

Japanisch:


Hotels in Kyoto

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2 Kommentare

  • Markus Bußmann

    Wir haben den Ryoan-Ji als auch den Kinkaku-ji (goldener Pavillon) zusammen angeschaut, denn sie sind fußläufig gut erreichbar. Mir ist schon dran gelegen, etwas zum Ryoan-Ji zu ergänzen.

    Für einige Menschen ist das „halt ein Steingarten“ und sie können kaum glauben, dass soviele Menschen diesen besonders finden. Warum ist er denn Weltkulturerbe? Nun, andere Menschen, die sich für das ZEN, den Buddhismus und Wabi-Sabi interessieren, die die Besonderheiten dieser Philosophie verstehen lernen wollen, für die ist das nicht ein Steingarten. Es ist DER Steingarten überhaupt. Es hat Gründe, warum das Bild dieses Garten weltweit Verbreitung gefunden hat.

    Nirgendwo kann ein Mensch intuitiv besser verstehen, was ZEN und was WABI-SABI ist. Es ist ein japanisches, ästhetisches Konzept, dass in jeder Teetasse, in jedem Garten und insbesondere in diesem Steingarten zu finden ist. Es geht um eine Wahrnehmung allergrößter Schönheit. Eng mit dem Zen-Buddhismus verbunden, ist es eine Entsprechung zur ersten der buddhistischen Vier Edlen Wahrheiten, Dukkha.

    Ich erkläre mal etwas zum Wabi-Sabi: Wabi bedeutet eigentlich Einsamkeit. Diese wandelt sich zur Freude am Einsam-Stillen. Erst in Verbindung mit Sabi, dem Alt-Werden, gibt es die Patina, die Reife. Nicht die offenkundige Schönheit ist das Höchste, sondern die verhüllte, nicht der unmittelbare Glanz der Sonne, sondern der gebrochene des Mondes. Der bemooste Fels, das grasbewachsene Strohdach, die knorrige Kiefer, der leicht berostete Teekessel, das und Ähnliches sind die Symbole dieses Schönheitsideals. Oder eben dieser Steingarten. Es geht um die Hoheit, die sich in der Hülle des Unscheinbaren verbirgt, die herbe Schlichtheit

    Für Besucher offensichtlich ist, dass die geharkten Steine lebendige Natur imitieren sollen. Es ist das Bild einer „ausgetrockneten Landschaft“, wo statt Steinen eigentlich Wasser modelliert wird. Die großen Felsen stehen heraus, wie solitäre und sie sind alle jeder für sich einzigartig. Wie schon erwähnt ist die Besonderheit, dass nie alle Steine gleichzeitig sichtbar werden, es ist ein Ausdruck davon, dass Schönheit in Ihrer Vollständigkeit unfasssbar ist. Besonders auch die Wand, in der sich Ölfarben völlig natürlich aus dem Lehm hinauswaschen. Ihr Farbverlauf ist klassischer Wabi-Sabi, es ist ein gebrochener, ungeplant natürlicher Farbverlauf denn so nur die Natur hinbekommt oder ein Mensch, der die Natur zu nutzen weiß.

    Wer die Ästhetik Japans in seinen Grundzügen verstehen will, der sollte einmal diesen Garten gesehen haben. Jeder Künstler oder Designer sowieso, denn fast alles in Japan findet seinen Ursprung in diesem für manche so profanen Steingarten. Es ist also kein Steingarten. Das hier ist DER Steingarten.

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