Um mal wieder für den höchsten Berg Japans, den Berg Fuji, zu trainieren, besuchten meine Begleiterin und ich den Berg  Tonodake 塔ノ岳, der ab Tokio gut erreichbar ist. Genau wie der Fujisan besitzt der Berg Tonodake nämlich einen steilen Aufstieg mit vielen Treppen. Auf dem 1491 m Gipfel, erhalten wir eine 360 Grad Aussicht über grüne Bergketten und, wenn das Wetter mit spielt, auch auf den Fuji. Der Abstieg führt uns an geschlossenen Berghütten vorbei zur Bushaltestelle Okura.


Die Anfahrt

Um 7.47 Uhr treffen meine Reisebegleiterin Reiko und ich am Bahnhof Hadano 秦野駅 ein und laufen zum Nordausgang 北口. Rechts an der Haltestelle 4 stellen wir uns an. Pünktlich um 8.18 Uhr fährt der Bus der Kanagawachuokotsu Gesellschaft 神奈川中央交通バス vor und wir steigen hinten ein. Wir halten unsere Suica an das blaue Sensorfeld. Werktags gibt es leider nur einen Bus, der zum Yabitsu-Toge Pass ヤビツ峠 fährt, so dass er relativ voll ist. Am Wochenende gibt es immerhin drei Busse zwischen 7-9 Uhr. Die Fahrt dauert in etwa 40 Minuten und kostet 470 Yen.

An der Endstation Yabitsu-Toge Pass ヤビツ峠 steigen wir aus und nutzen die letzte kostenlose Toilette. Wir schnüren unsere Schnürsenkel fest und starten unsere Wanderung. Zunächst folgen wir dem Hinweisschild Tonodake 塔ノ岳 (nach rechts zeigen). Nach 30 Minuten erreichen wir auf der linken Seite ein Toilettenhäuschen und eine Wasserstelle.

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Die Steinhaufen

Bereits nach 100 m sehen wir den Eingang vom Wanderweg zum Tonodake 塔ノ岳 6.1 km auf der rechten Seite. Zunächst geht es über zahlreiche krumme Stufen den Berg hinauf. Wir überqueren einen Feldweg und folgen den Hinweisschildern Richtung Tonodake 塔ノ岳. einen steinigen Weg bergauf.

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Gegen 10 Uhr erreichen wir einige Bänke. Auf der linken Seite entdecken wir einen Steinhaufen und mehrere Schilder davor. Sie bitten den Wanderer, die Steine 210 Meter den Berg hinauf zu tragen, da diese für den Treppenbau genötigt werden.

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Und tatsächlich entdecken wir einen Wanderer, der einen faustgroßen Stein den Berg hinauf trägt. Ab dieser Stelle geht es bergauf über zahlreiche Treppen. Während unseres Aufstieges können wir leider nicht besonders weit sehen, da eine dicke graue Wolke die Sicht verdeckt. Um 11 Uhr erreichen wir unser erstes Ziel den Berg Ninoto 二ノ塔.

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Auf dem Platz gibt es einige Bänke und ein weiteren Steinhaufen. Wir ruhen uns kurz aus und schauen besorgt zum grauen Himmel. Heute werden wir wohl keine besonders tolle Aussicht haben. Nüsse und ein Energieriegel müssen reichen, bevor wir unseren Weg fortsetzen. Kleine Holzbrücken helfen uns bei der Überquerung von gefährlichen Stellen. Neben Vogelgesang und Zikaden hören wir auch Flugzeuge, die über uns herfliegen.

Keine Höhenangst

Auf dem Gipfel Sannoto 三ノ塔 entdecken wir die erste Berghütte, die verlassen vor uns liegt.

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Vermutlich öffnet diese nur an Wochenenden oder in den Ferien. Auf den Bänken vor der Hütte ruhen wir uns kurz aus, bevor wir unseren Weg auf Stegen fortsetzen.

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Auf beiden Seiten vom Weg geht es steil bergab. Doch Dank des Nebels können wir die Tiefe nicht richtig erkennen und es kommt keine Höhenangst auf. 🙂 An einer steilen Stelle passt eine kleine Statue auf.

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An kleinen Felsenwänden klettern wir an Holzleitern und Ketten herunter und auf der anderen Seite wieder herauf. Das macht sogar richtig viel Spaß, so dass wir die Zeit vergessen. Irgendwann erreichen wir den Berg Karasuoyama 烏尾山.

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Dort gibt es eine Berghütte und eine Dixi-Toilette, die Benutzung kostet 100 Yen. Nach einer kurzen Stärkung folgen wir dem Schild Richtung Tonodake 塔ノ岳 .

Die Kletterpartien

Ab dieser Stelle laufen wir auf schmalen Pfaden mit großen Steigungen und leichten Gefällen. Abwechslung bieten uns die Klettereien an kleinen Felsenwänden. Auf einem Gipfel entdecken wir einen kleinen Schrein.

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Davor liegen ein paar Münzen. Der Schrein ist dem sicheren Bergsteigen gewidmet. Wir gehen weiter und erreichen eine besonders steilen Felsvorsprung. Vorsichtig klettere ich auf allen Vieren den Berg herunter. Reiko nimmt dann doch lieber die Eisenkette zu Hilfe.

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Ab dieser Stelle wird der Boden etwas schlammiger. Wir klettern oft über kleine Leitern, die wir, dank unserer langen Beine,  nicht brauchen.

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Dann stehen wir vor einer wackligen Brücke. Reiko traut sich, als erste die Brücke zu überqueren.

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Schließlich muss ich irgendwie auf die andere Seite… Ich schaue stur geradeaus und renne los. Geschafft! Über eine weitere Treppe und vorbei an einigen Rastplätzen erreichen wir die nächste Hütte Shindainichi 新大日. Dort überholt uns ein 80-jähriger Rentner, der in seiner Freizeit gerne Berge besteigt. Die Ehefrau sei schon verstorben und er versucht sich mit Bergsteigen fit zu halten, erzählt er.

Ein kühler Wind weht über den Platz, so dass wir schnell aufbrechen. Beim Abstieg vom Gipfel geraten wir in einem dichten Nebel. Wir schießen gruslige Fotos. 🙂

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Dabei erzählen wir uns Geistergeschichten. Wieder geht es über Treppen, Stege und Steine, bis wir an der nächsten Hütte Kinomatadainichi 木の又大日 ankommen. An einer Wand hängt die Preisliste der Hütte: Eine Übernachtung kostet 3500 Yen, der Kaffee kostet 300 Yen, das Bier 500 Yen, der Saft 500 Yen und eine Suppe 400 Yen. „Das sind im Verhältnis zum Fuji sogar ganz „normale“ Preise!“, denken wir. Die Fuji-Hütten-Preislisten findest du hier.

Der Gipfel

Langsam fangen unsere Knien an zu schmerzen, da wir immer wieder über große Felsen klettern müssen. Gegen 16 Uhr erreichen wir mit heftigen Knie-Schmerzen den 1492 m Berg Tonodake 塔ノ岳.

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Vom Gipfel erhalten wir eine schöne 360 Grad Aussicht, die etwas von den Wolken vernebelt ist. Der Fuji zeigt sich uns heute leider nicht. Auf dem Platz befinden sich mehrere Steinstatuen, Schilder und die Berghütte Sobutsusanso 層仏山荘, die sogar geöffnet ist!

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Reiko benutzt zunächst die Toilette, die Benutzung kostet 100 Yen. Eine Übernachtung in der Hütte kostet 6500 Yen inkl. Abendessen und Frühstück. Viele Wanderer übernachten in der Hütte und laufen danach weiter zum berühmten Berg Tanazawa. Eine Gruppe sitzt auf einer Bank und trinkt Dosen Bier. Auf dem Platz entdecken wir eine einsame Katze herumstreunen. Wem die wohl gehört?

Der dunkle Abstieg

Plötzlich hören wir ein leises Donnergrollen in der Ferne. Der Hüttenwirt kommt heraus und sagt: „Brecht lieber gleich alle auf, da es hier schnell ungemütlich werden kann! Der Heimweg zur Bushaltestelle Okura 大倉バス停 findet ihr auf der linken Seite! Nicht den Weg neben der Hütte nehmen!“ Wir bedanken uns artig und packen unsere Sachen zusammen. Tatsächlich ist die Beschilderung auf dem Gipfel etwas verwirrend. Wir entdecken irgendwann das Hinweisschild Okura 大倉 7 km. Der Abstieg ist die Knie-Tötung schlechthin.

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Es geht über Treppen und Treppen und noch mehr Treppen den Berg herunter. Reiko und ich laufen sehr langsam und vorsichtig die Stufen herunter. Dabei lassen wir uns leider ein bisschen zu viel Zeit… Es fängt langsam an zu dämmern. Um 16.43 Uhr erreichen wir die Hütte Hanatatesanso 花立山荘, deren Namensschild wir kaum lesen können. Ein großes Geschlossen-Schild hängt im Fenster. Der Himmel färbt sich in einem zarten Rosa. Die ersten Vögel stimmen ihre Dämmerungs-Gesänge an. „Achtung es wird Nacht!“ rufen sie…

Gegen 18 Uhr passieren wir die nächste Berghütte, die ebenfalls geschlossen ist. Wir folgen dem Schild weiter Richtung Bushaltestelle Okura 大倉バス停. Der Weg wird etwas breiter und flacher. Wir beschleunigen unsere Schritte, bevor wir vor der nächsten Treppe stehen. Wir passieren weitere Berghütten, die alle geschlossen sind. Dann packen wir unsere Stirnlampen heraus und gehen fast in völliger Dunkelheit.

Am Wegrand hören wir oft Geraschel und komische Geräusche. Endlich um 19.15 Uhr entdecken wir auf der linken Seite die Bushaltestelle Okura 大倉バス停, ein Toilettenhäuschen und einige Getränkeautomaten. Etwas unsicher eiern wir zur Haltestelle und schauen auf den Fahrplan. Zum Glück fahren noch bis 21 Uhr Busse. Reiko und ich liegen wie tot auf den Bänken und warten. Um 19.48 Uhr fährt der Bus vor und wir steigen erschöpft ein. Die Fahrt zum Bahnhof Shibusawa 渋沢駅 dauert in etwa 15 Minuten und kostet 210 Yen. Müde und hungrig setzen wir uns in den Zug und fahren heim.

Fazit: Insgesamt war dies eine unglaublich anstrengende Wanderung, die ich nur erfahrenen Wanderern ohne Knie-Probleme empfehlen kann. Die Strecke ist ideal, um für die Besteigung des Fujis zu trainieren!


Details:
Distanz: 15,9 km
Dauer: 6.18/10.15 Stunden (ohne/mit Pausen)
Höhenmeter: 1491 m
Ansteigend: 1098 m
Absteigend: 1578 m
Schwierigkeitsgrad: ✭ ✭ ✭ ✭ ✭
Jahreszeit: ganzjährig. Empfehlenswert im Sommer
Startpunkt: Bahnhof Hadano 秦野駅 Linie Odakyu 小田急線
Endpunkt: Bahnhof Shibusawa 渋沢駅 Linie Odakyu 小田急線
Fotos: 4. August 2015

Wegweiser:
Tonodake 塔ノ岳 → Sandoto 三ノ塔 → Tonodake 塔ノ岳 → Okura 大倉バス停

Nützliche Schriftzeichen:
Tonodake 塔ノ岳
Präfektur Kanagawa 神奈川県
Berg Gyojadake 行者岳
Bushaltestelle Okura 大倉バス停
Bahnhof Hadano 秦野駅
Linie Odakyu 小田急線
Bahnhof Shibusawa 渋沢駅
Nordausgang 北口
Bus-Gesellschaft Kanagawachuokotsu 神奈川中央交通バス
Yabitsu-Toge Pass ヤビツ峠
Berg Ninoto 二ノ塔
Berg Sannoto 三ノ塔
Berg Karasuoyama 烏尾山
Hütte Kinomatadainichi 木の又大日
Berghütte Sobutsusanso 層仏山荘
Hinweisschild Okura 大倉
Hütte Hanatatesanso 花立山荘

Links:
Berghütte Sobutsusanso 層仏山荘: http://www.cnet-sb.ne.jp
Busverbindung (Bahnhof Hadano-> Bushaltestelle): https://www.kanachu.co.jp/ (Werktags 平日, Samstags 土曜 und Sonntags/Feiertags 休日)
Busverbindung (Bushaltestelle Okura-> Bahnhof Shibusawa): https://www.kanachu.co.jp/ (Werktags 平日, Samstags 土曜 und Sonntags/Feiertags 休日)
Zugverbindungen: http://www.hyperdia.com/
Suica Karte: https://wanderweib.de/


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