Japan steht im ziemlichen Kontrast zwischen seinen unglaublich schönen Bergen und seinen monströsen Großstädten. Die Hauptstadt Tokio wird komplett von Bergen eingeschlossen und bieten so eine ideale Möglichkeit, um sich von dem Alltagsstress zu erholen. Die Berge Takakura 高倉山und Kongou 金剛山 zählen zu den Bergen in unmittelbarer Nähe von Tokio und sind jeweils nur 379 m und 456 m hoch. In einer Stunde kann man den Startbahnhof Fujino 藤野駅 von dem Zentrum Tokios mit der Chouhon Linie 中央本線 erreichen. Die 8,8 km lange Wanderung von und zu dem Bahnhof Fujino 藤野駅 ist eine fordernde und anspruchsvolle Route und ermöglichen wunderschöne Aussichtspunkte auf die bergige Umgebung. Wanderschuhe und ggf. Wanderstöcke sind zu empfehlen. Die Berge sind zwar nicht besonders hoch, aber an einigen Stellen ist der Weg steil, eng und läuft immer wieder auf und ab. Die Strecke eignet sich hervorragend gut zum Austesten der eigenen Stärke in der fremden japanischen Umgebung. Insgesamt biete die Wanderung eine anspruchsvolle Route über Brücken und Berge, vorbei an einem See und unvergleichbaren Ausblicken auf das Umland. Die Wanderung wird abgeschlossen durch ein Besuch im öffentlichen Badehaus (Onsen).

Distanz: 8,8 km
Dauer: 3:50 Stunden (ohne Pausen)
Höhenmeter: 456 m
Aufsteigend: 428 m
Absteigend: 428 m
Schwierigkeitsgrad: ✭ ✭ ✭ ✩ ✩ (Wanderausrüstung ist zu empfehlen, Steiles Hoch und Runter.)
Jahrszeit: Geeignet für Frühling, Sommer und Herbst.
Startpunkt: Bahnhof Fujino 藤野駅 Chouhon Linie 中央本線
Endpunkt: Bahnhof Fujino 藤野駅 Chouhon Linie 中央本線
Fotos: 21.02.2015

Am Bahnhof Fujino 藤野駅 laufe ich zunächst geradeaus den Hügel herunter, bis ich an einer Schnellstraße 20 ankomme und wende mich nach links. Leider existiert kein Gehweg, so dass ich auf den Verkehr achtgeben muss. Nach 200 m biege ich rechts in die abfallende Straße Richtung See Sagamiko相模湖 ab. Ich entdecke bei dem Überqueren der weiß/blaue Brücke ein paar Mittelschüler, die gerade im Kanu unter der Brücke paddeln. Ich schieße ein paar Fotos von dem traumhaften See und genieße die frische Luft. Doch es zieht ein eisiger Wind mit gefühlten 4 Grad, der mich dazu drängt schnell weiter zu laufen.

TakakuraKongou (8)

Nach ca. 300 m biege ich rechts in die nächste Straße ein, passiere eine weitere Brücke Akikawahashi秋川橋 und halte mich immer links. Der Weg fällt ab. Nach ungefähr 200 m entdecke ich links einen kleinen Wanderweg, der mit „Yuuhodou” 遊歩道 und „Takakurayamahare wo itetenjidouge“ 高倉山晴を至て天神峠 ausgeschildert ist.

TakakuraKongou (2)

Ich folge dem Weg und sehe links ein breites Flussbett mit weißen Kieselsteinen in der Sonne schimmern.

TakakuraKongou (4)

Auf dem Pfad liegen große Felsbrocken und erklären damit die Bedeutung des Hinweisschildes Rakusekichuui 落石注意(Achtung Steinschlag) anschaulich.

TakakuraKongou (7)

Ich erreiche eine „Steintreppe“, die sehr rutschig, steil und zugewachsen ist. Nach 50 Minuten entdecke ich die kleine Brücke Akiyamakawahashi 秋山川橋, die ich aber nicht überquere, sondern den Weg rechts davon wähle. Von dieser Stelle wird der Weg immer schmaler, ich folge einem kleinen Bachverlauf. Hier muss ich aufpassen, dass ich an einer Haarnadelstelle den Weg wähle, der den Bach überquert, links den Hügel heraufläuft, und nicht den Bachverlauf herauf weiter folge. Danach fängt mein Fitness-Test an: die Treppen der Hölle. Der Weg ist geprägt durch sehr sehr viele Stufen, die nur bergauf gehen… An einigen Stellen dachte ich, dass ich endlich das Ende der Treppe erreicht habe, nur um festzustellen, dass noch mehr Stufen auf mich warten. :/

TakakuraKongou (1)

Ich erreiche „etwas“ außer Atem den ersten Rastplatz Miharashidai -見晴し台. Im Februar tragen die Bäume noch keine Blätter, deswegen erhalte ich einen grandiosen Blick auf dem See und Umgebung. Vom Rastplatz aus, ist der Weg hervorragend mit nicht zu übersehenden Markern markiert. Nachdem ich durch weitere Stufen und steile Stellen auf meine Fitness überprüft werde, erreiche ich nach 55 Minuten einen kleinen Hügel. Links vom Hauptweg erkenne ich einen kleinen Trampelpfad, der leicht zu übersehen ist und den Hügel hinaufläuft. Auf deren Spitze entdecke ich endlich das Schild, welches die Spitze des Berges Takakura 高倉山 anzeigt. Yeah! Besonders viel kann ich nicht entdecken und trinke einen Schluck aus meiner Wasserflasche. Danach fällt der Weg steil den Berg hinab, bis ich eine Straße nach 15 Minuten erreiche und biege links Richtung Berg Kongou 金剛山ab. Nach ein paar Metern entdecke ich eine Betontreppe, die rechts den Berg hinaufläuft. Den zweiten Rastplatz Miharashidai -見晴し台 erreiche ich nach eines weiteren Fitness-Tests in Form von weiteren steilen Stellen nach 30 Minuten. An dem Rastplatz stehen einige Bänke und Tische bereit. Ich empfehle an dieser Stelle Mittagsessen zu verspeisen. Nach 5 Minuten erreiche ich den nächsten Berg Kongou 金剛山. Es gibt keine Sitzmöglichkeit, außer einem kleinen Schrein. Übrigens sollte man sich nicht auf oder neben den Schrein setzen, da das Unglück bringt. Das Mittagsessen genieße ich stehend mit einer bahnbrechenden Aussicht auf das Umland und schieße ein paar Fotos.

TakakuraKongou (5)

Meine Wanderbegleitung packt nach dem Mittagsessen seine Glocke aus. Die Gegend um den Bahnhof Fujino 藤野駅 ist noch heute jedem Japaner bekannt: Dort passieren immer wieder Sichtungen von Bären. In folge dessen bringen viele Japaner eine kleine Glocke mit, die bei jedem Schritt läutet, um dem Bär rechtzeitig vorzuwarnen. So höre ich auch immer sofort, wenn ein anderer Wanderer sich nähert. Danach geht es ziemlich steil den Berg hinab. Teilweise sind die Wege noch vereist, aber dank eines Geländers, konnte ich die Wege ohne Probleme herunterlaufen. Der Pfad wird immer flacher, bis ich ein einzelnes Häuschen erreiche und laufe dran vorbei zur Straße. Ich wende mich nach links und folge der Straße den Berg herunter. Nach 30 Minuten erreiche ich ein rotes Tor zum Kazuhara Schrein 葛原神社.

TakakuraKongou (6)

Rechts am Wegrand entdecke ich die erste öffentliche und kostenlose Toilette. Von hier aus braucht man bis zum Bahnhof 50 Minuten und erhalte einige schöne Ausblicke auf ein Dorf.

TakakuraKongou (3)

Ich folge den Weg weiter den Berg herunter. Nach einem Kilometer reiche ich eine weitere Straße und halte mich rechts. Nach 300 m biege ich links in eine abfallende Straße ein. Ich überquere den See auf einer Brücke und entdecke am Ende dieser zwei Skulpturen-Schwäne. Ich erreiche schließlich die Schnellstraße 20 und wende mich nach rechts. Den Bahnhof Fujino 藤野駅 entdecke ich links nach weiteren 100 m. Direkt vor dem Bahnhof ist die Bushaltestelle バス停. Als nächstes möchte ich mit dem Bus zum öffentlichen Bad Yamanami Onsen やまなみ温泉 fahren, dafür muss ich allerdings den passenden Bus finden. Die mit einem kleinen Ya や markierte Zeiten sind die Busse, die das Bad innerhalb von 15 Minuten anfahren. Samstags und Sonntags fahren die Busse immer um 13.10, 14.56 und 16.48 Uhr. Ich wähle den nächsten Bus um 14.56 Uhr aus und vertreibe mir die Zeit mit Dehnübungen meiner Muskeln. Beim Einsteigen berühre ich mit meiner aufladbaren Geldkarte Suica die blaue Berührungsfläche direkt am hinteren Eingang, um meinen Startpunkt auf der Karte zu registrieren. Die Fahrt kostet mich 270 Yen und führt über eine der Brücken, die ich am morgen überquert hatte. Nach 15 Minuten erreiche ich die Bushaltestelle Yamanami Onsen やまなみ温泉. Beim Aussteigen berühre ich dieses mal mit meiner Karte das blaue Kontaktfeld beim Fahrer, um den Betrag zu bezahlen. Ein Hinweisschild an der Straße Bad Yamanami Onsen やまなみ温泉 leitet mich in die richtige Richtung. Vor dem Onsen stehen viele kostenlose Parkplätze zur Verfügung.

Nachdem ich durch die Eingangstür getreten bin, ziehe ich meine Schuhe aus und zwänge meine Wanderschuhe in eins der kostenlosen Schließfächer. An einem der Automaten ziehe ich die Erwachsene Eintrittskarte für 3 Stunden 大人3時間. Das Onsen kostet 3 Stunden 600 Yen und ist von 10-20 Uhr geöffnet. Die Eintrittskarte packe ich ein und hebe es gut auf, da ich es beim Rausgehen vorzeigen muss. Links in Blau Mann 男 und rechts in Rot Frau 女 hängen farbige Vorhänge vor den Eingangstüren zu den Bädern, die nach Geschlechter getrennt werden. Ich komme in einen großen Raum mit vielen kostenlosen Schließfächern. Ich wähle ein Schließfach in der Nähe einer Bank, damit ich später meine Sachen sortieren kann. Meine Leki Wanderstöcke und 26l Rucksack passen gerade so in das Fach. Ich ziehe mich aus, lege die Sachen in mein Schließfach und nehme den Schlüssel, ein kleines Handtuch und Lappen mit. An dem Schlüssel ist ein Arm-Bändchen befestigt, so dass es auch während des Badens getragen werden kann. Ich empfehle es nie abzulegen, da in einigen Bädern schon Diebstähle vorgekommen sind. Die Haare stecke ich hoch. Ich betrete das Badezimmer und stehe in einer warmen Wolke. Links befinden sich die Duschen mit den Plastik-Hockern. Ich wasche mich mit dem Lappen an den Duschen, abgesehen von meinem Kopf. Danach lege ich mein Handtuch und Lappen auf eine Ablage und steige in das nächste Bad. Das angenehme Wasser lässt meine Muskeln entspannen. Ich genieße die wohltuende Wärme. Überall stehen Schilder mit: Haare hochstecken, Nicht Schwimmen und Leise sein. Kopfhaare sollten grundsätzlich nicht ins Wasser eingetaucht werden. Nach ein paar Minuten traue ich mich in das Außenbecken zu gehen. Dazu öffne ich die beschlagene Tür. Ein kalter Wind lässt mich frösteln und schnell husche ich in das warme Bad, welches von Steinbrocken eingefasst ist. Links an einem Zaun steht das Schild Zutritt Verboten Tachiirikinshi 立入禁止. Dort geht es zum Männerbad. 😉 Einige Frauen unterhalten sich lautstark über ihre letzte Wanderung und ich klinke mich ebenfalls in das Gespräch nach einer kurzen Verwunderung über meine Sprachkenntnisse ein. Nach einer halben Stunde verlasse ich das Außenbad und besuche die Sauna. Dort halte ich es nur ein paar Minuten aus. Im Anschluss wasche ich meine Haare und meinen Körper, bevor ich mich auf dem Teppich an der Tür zu den Schließfächern mit meinem Handtuch abtrockne. Ich ziehe mich an und föhne mir die Haare mit dem kostenlosen Föhn. Übrigens die Onsen-Verhaltensregeln findest du hier. Um 16.18 Uhr fahre ich mit einem weiteren Bus von der anderen Bushaltestelle auf der anderen Straßenseite ab, um dann nach 15 Minuten am Bahnhof Fujino 藤野駅 wieder anzukommen.

Bergsteigen in Japan wird zwar immer beliebter, dennoch besitzt es in der heutigen japanischen Gesellschaft den Ruf, ein Sport für Rentner zu sein und sogar eine Reihe von Werbetafeln in jedem Zug helfen nicht, den Sport beliebter unter den jungen Leuten zu machen. Wie auf vielen meiner Touren, auch auf dieser begegnete ich nur wenigen jungen Bergsteigern.

Insgesamt ist diese Wanderung mein absoluter Tipp, um seine Fitness in der fremden, japanischen Umgebung auszutesten!

Hinweise: Der Bahnhof besitzt keine Schließfächer, deswegen musste ich auch alle meine Wechselsachen mit mir schleppen.

Nützliche Schriftzeichen:
Takakura 高倉山
Kongou 金剛山
Bahnhof Fujino 藤野駅
Chouhon Linie 中央本線
See Sagamiko相模湖
Brücke Akikawahashi秋川橋
Beschilderung Yuuhodou遊歩道
Beschilderung Takakurayamahare wo itetenjidouge 高倉山晴を至て天神峠
Achtung Steinschlag Rakusekichuui 落石注意
Brücke Akiyamakawahashi 秋山川橋
Rastplatz Miharashidai -見晴し台
Kazuhara Schrein 葛原神社
Bushaltestelle バス停
Bad Yamanami Onsen やまなみ温泉
Erwachsene Ticket für 3 Stunden 大人3時間
Frau 女
Mann男
Zutritt Verboten Tachiirikinshi 立入禁止

Links:
Onsen: http://www.yamanami-onsen.jp/
Zugverbindungen: http://www.hyperdia.com/
Suica Karte: https://wanderweib.de/


Download

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Post Navigation