Berg-Tempel Yamadera 山寺  oder auch Ryushaku-ji zeichnet sich durch bizarren Felsformationen und viele kleinen Tempel-Gebäude aus, die selbst den berühmte Dichter inspirierte. Den Tempel erkunden wir über 1000 Stufen Stück für Stück bergauf. Wir passieren Steindenkmäler, Tempel-Gebäude und Mausoleen. Oben angekommen, staunen wir nicht schlecht über die fantastische Aussicht von einer Aussichtsplattform. Wir steigen die gleichen Stufen wieder hinab und besuchen zum Abschluss noch das berühmte Soba-Restaurant Mitoya, das seine Buchweizennudeln noch per Hand herstellt.

Update: Artikel aktualisiert! (11.10.2017)

Schauen wir uns den Berg Tempel Yamadera einmal genauer an:


Der Ausflug zum Berg-Tempel Yamadera

Von Tokio nehmen wir den ersten Shinkansen um 6 Uhr nach Sendai. Dort steigen wir in die Senzan Linie 仙山線 um, bis wir am Bahnhof Yamadera 山寺駅 aussteigen. Direkt vor dem Bahnhof finden wir markante Wegweiser, die uns die Richtung angeben.

Um die nächste Kurve sehen wir zum ersten mal den Berg Tempel Yamadera, der eigentlich Ryushaku-ji heißt.

Seine Gebäude ragen aus den bizarren Felsformationen heraus und scheinen jeden Moment herunterzufallen. An der Souvenir-Straße biegen wir nach rechts ab und treffen nach ein paar Metern auf diese lange Treppe, die den Eingang vom Tempel markiert.

Ganz klein neben der Treppe sehen wir das berühmte Schild „Achtung: Ab hier sind es 1000 Stufen bis zur Spitze des Tempels!“.

Na, wenn wir schon den Fuji bestiegen haben, dann sollten 1000 Stufen doch kein Problem sein! Wenige Minuten später stehen wir vor diesem “Glücksgott”.

Mein Begleiter drückt mir eine Yen-Münze in die Hand und wir beten kurz für den sicheren Aufstieg. Doch leider bringt der Glücksgott mir gar kein Glück. Wenige Minuten später stolpere ich über eine Wurzel und stürze heftig auf mein Knie! Zum Glück war es nur geprellt… Auf den Schreck kaufen wir uns ein paar Chikara-Konnyaku-Spieße, die an einem Stand verkauft werden:

Die sollen Kraft verleihen und bestehen aus einer Konjaku-Wurzel. Sie sind DIE Spezialität der Region. Auf der rechten Seite passieren wir ca. 1000 Kshitigarbha-Figuren, die mit Wünschen versehen sind.

Sie tragen rote Kappen und Lätzchen, um das Böse und Krankheit abzuhalten. Dahinter treffen wir auf die berühmte Matsuo Basho Statue.

Matsuo Basho 芭蕉 (1644-1694) war ein japanischer Dichter, der die japanische Versform Haiku praktiziere. Basho besuchte den Tempel Yamadera und war begeistert von der Schönheit der bizarren Felsen und der verstreuten Tempel-Gebäude. Dieser Besuch floss in sein berühmtes Gedicht Oku no Hosomichi ein. Direkt daneben steht eine Statue seines Schülers Kawai Sora 河合 曾良 (1649-1710), der Basho bei der Veröffentlichung seiner Werke half.

Dann passieren wir einen riesigen Glockenturm, der ein beeindruckendes Dach besitzt.

Solche Glocken werden meist nur über Neujahr geschlagen und sind Kilometer weit zu hören. Ein paar Schritte weiter stehen wir vor dem Eingangstor Yamamon 山門.

Das zeichnet sich durch sein Strohdach aus, welches alle paar Jahre erneuert werden muss. Dort bezahlen wir 300 Yen Eintritt und betreten das Gelände des Tempels. Ab hier geht es über schöne Treppen an zahlreichen Denkmälern vorbei.

Nach wenigen Minuten stehen wir vor dem seltsamen Tempel-Gebäude Ubado 姥堂.

Es markiert die Grenze zwischen Himmel und Höhle. Wenn du dich in dem Waschbecken wäscht und eine neue Garderobe anzieht und die alten Sachen in dem Gebäude lässt, dann vergisst du deine Gelüste und reinigst deine Seele. So kannst du dich zu einem freundlichen und gerechten Menschen entwickeln. 😉

Hinter der nächsten Kurve stehen wir vor einer riesigen Felswand.

Staunend betrachten wir die Vorsprünge und entdecken etwas weiter oben erneut Denkmäler.

Hinter der nächsten Kurve finden wir vor zwei riesigen Felsbrocken das Rotkäppchen!

In aller Stille steigen wir Stufe für Stufe bergauf, bis wir das Tor Niomon 仁王門 sehen.

Das Tor wurde im Jahre 1848 erbaut und besteht komplett aus Holz. Da es Februar sehr kalt ist, sehen wir auch die ersten vereisten Flächen, die wir auf allen Vieren erklimmen müssen.

Wir passieren einige geschlossene Gebäude und halten uns an der Kreuzung rechts. Hier entdecken wir erleichtert ein kleines Schild an der Treppe.

“Ab hier sind es nur noch 160 Stufen!“ Erleichtert steigen wir die Stufen hinauf und stehen vor dem Mausoleum vom Feldherr Yoshiaki Mogami (1546-1614), der an zahlreichen Schlachten zur Einigung Japans beteiligt war.

Endlich stehen wir vor der letzten Treppe und dem Hauptgebäude vom Tempel Ryushaku-ji das Gebäude Oku-no-In 奥の院 und das große Buddha Gebäude Daibutsu-den.

Leider sind im Februar auf Grund der Kälte beide Gebäude geschlossen… Schließlich drehen wir uns um und sind sprachlos.

Die Aussicht ist atemraubend schön! Mit offenen Mündern stehen wir auf der Treppe und blicken in die Ferne. Nur schweren Herzens reißen wir uns los und folgen den Weg auf der rechten Seite zu einer kleinen Höhle, die einen drei-Stufigen Schrein beinhaltet, der zum Weltkulturerbe Japans zählt.

Doch viel können wir durch das Gitter nicht erkennen und gehen den Weg zurück zur Kreuzung. Dieses mal biegen wir nach links ab und staunen immer noch über die schöne Aussicht.

Ein breiter Weg führt uns zum Gebäude Heisando 閉山堂, das in den Bergen zu schweben scheint.

Auf der rechten Seite passieren wir wieder einige Stein-Statuen.

Direkt neben dem Gebäude steigen wir eine schmale Treppe hinauf.

Und erreichen die Aussichtsplattform Godaido 五大堂.

Staunend stehen wir einige Minuten an dem Geländer und können uns kaum satt sehen. Jetzt können wir auch ein bisschen verstehen, warum der Dichter Basho von diesem Tempel begeistert war.

Auf der linken Seite können wir die anderen Tempel-Gebäude und die bizarren Felsformationen bestaunen.

Toll! Als wir uns satt gesehen haben, treten wir den Rückweg an. Vorsichtig geht es Stufe für Stufe bergab. Irgendwann stehen wir erneut vor dem Eingangstor Yamamon 山門, biegen nach rechts ab und steigen eine lange Treppe hinunter.

Von dort folgen wir dem roten Schild nach links, bis wir vor dem Soba-Restaurant Mitoya 美登屋 stehen.

Im Schaufenster können wir die Arbeitsfläche des Kochs sehen, der jeden Morgen seine Soba-Nudeln noch per Hand herstellt. Wir bestellen uns Ten-Zaru-Soba 天ざるそば für 1,680 Yen, das ist frittiertes Gemüse und Garnelen mit Soba-Nudeln.

Sehr sehr lecker! Danach gehen wir gemütlich über die rote Brücke zum Bahnhof und fahren zurück nach Sendai.

Fazit: Die 1000 Stufen sind gar nicht so anstrengend, wie es sich anhört. Es gibt unterwegs viel zu sehen, so dass du oft eine Pause einlegst. Uns hat der Berg Tempel gut gefallen – Wir kommen wieder! Achtung: Bei Knie-Problemen nicht zu empfehlen. 😉


Im Detail:

  • Dauer: Halb-Tagesausflug ab Sendai
  • Anfahrtsroute:
    • Ab Sendai: Bahnhof Sendai 仙台駅 -> Senzan Linie 仙山線 -> Bahnhof Yamadera 山寺駅 (62 Min, 840 Yen)
    • Ab Tokio: Bahnhof Tokio 東京駅 -> Shinkansen -> Bahnhof Sendai 仙台駅 -> Senzan Linie 仙山線 -> Bahnhof Yamadera 山寺駅 (171 Min, 11660 Yen)
  • Die Zugkosten werden vom Japan-Rail-Pass abgedeckt!
  • Öffnungszeiten vom Tempel: 8:00 – 17:00 Uhr
  • Eintritt: 300 Yen
  • Fotos: 28. Februar 2016

Nützliche Schriftzeichen:
Bahnhof Yamadera 山寺駅
Linie Senzan 仙山線
Matsuo Basho 松尾 芭蕉
Schüler Kawai Sora 河合 曾良
Tempel-Gebäude Ubado 姥堂
Weg Sando-Iriguchi 参道入口
Gebäude Oku-no-In奥の院
Tor Niomon 仁王門
Eingangstor Yamamon 山門
Gebäude Heisando 閉山堂
Aussichtspunkt Godaido 五大堂
Gericht Ten-Zaru-Soba 天ざるそば
Soba-Restaurant Mitoya 美登屋
Soba そば
Bahnhof Eki 駅
Rechts Migi 右
Links Hidari 左


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2 Thoughts on “[Ausflug] Tempel Yamadera: Über 1000 Stufen zum Berg-Tempel!

  1. Hallo Tessa,

    ein wirklich toller Blog. Man sieht an deinen Blogbeiträgen wie sehr dir Japan am Herzen liegt. Mich und bestimmt schon viele andere hast du damit für Japan begeistert. Bleib weiterhin so aktiv mit deinen Beiträgen! Eine Reise nach Japan wäre auf jeden Fall mal etwas Neues.
    Viele Grüße Michael Keulemann von der ASK Steuerberatung Hannover

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