Die kleine 4 Gipfel-Rundtour umfasst die vier ersten Erhebungen (Oobara 大洞山 – 536 m, Nakazawa 中沢山 – 494 m, Taikoji 泰光寺山 – 475 m, Kusado 草戸山 – 365 m) im Wander-Paradies Süd-Takaosanryo 南高尾山稜 mit verschiedenen Abschnitten grandioser Aussicht auf Tokio und Umgebung. Eine traumhafte Bergflora mit japanischer Zeder – Sicheltanne 杉 スギ, kleinen Bambus-Gewächsen 熊笹 クマザサ und vielem mehr beeindruckt jeden Naturfreund. Ihren Start nimmt die einzigartige Gipfel-Rundtour mit einer Zugfahrt zum Takaosanguchi Bahnhof 高尾山口駅 sowie einer Busfahrt zur Oodarumi Haltestelle 大垂水バス停. Der Wanderweg Kanto-Fureai-no-Michi関東ふれあいの道 ist durchgehend ausgeschildert und nimmt kontinuierlich an Schwierigkeit zu. Auf dem Rückweg kann man in einem schönen warmen Bad Furoppy Onsen ふろッぴィ温泉 entspannen.

Distanz: 9 km
Dauer: 4:25 Stunden (ohne Pausen)
Höhenmeter: 536 m
Schwierigkeitsgrad: ✭ ✭ ✭ ✩ ✩ (Wanderschuhe sind Pflicht)
Jahreszeit: Geeignet für alle Jahreszeiten. Besonders schön im Frühling.
Startpunkt: Bahnhof Takaosanguchi 高尾山口駅 Keio Linie 京王線
Endpunkt: Bahnhof Takao 高尾駅 Keio Linie 京王線
Fotos: 11. März 2015

Gegen 9.45 Uhr treffe ich am Bahnhof Takaosanguchi 高尾山口駅 ein. Ich werde überrascht von den neuen Toiletten. Seit diesem Jahr wurde der Bahnhof komplett neu renoviert. Vorher gab es nur drei winzige Toiletten, so dass sich, besonders nachdem ein Zug ankam, lange Schlangen bildeten. Nach der Renovierung sind die Anlagen deutlich schöner und größer. Ich begebe mich zur Bushaltestelle バス停 und suche den passenden Bus Nr. 7 八07 Richtung Sagamiko Station 相模湖駅行 heraus. Der Bus fährt jeden Tag morgens nur einmal um 10.14 Uhr. Danach gibt es nur noch zwei Busse nachmittags. An der Haltestelle reiht sich schnell eine lange Menschenschlange mit Wanderfreunden über 65 Jahren an. Sie tauschen Fotos von der letzten Tour aus und unterhalten sich über die kommende Tour. Einige fragen mich aus. Es geht ein kühler Wind. Ich ziehe mir eine dickere Jacke an.

Der Bus kommt endlich mit einiger Verspätung. Beim Einsteigen halte ich meine aufladbare Geldkarte, Suica, an das blaue Kontaktfeld am Hintereingang. Wenn ich keine Karte besitze, muss ich einen nummerierten Zettel aus dem Automaten darunter nehmen, damit ich später nachweisen kann, wo ich eingestiegen bin. Die Fahrt kostet mich 250 Yen und dauert nur 10 Minuten. Das Geld sollte man passend dabei haben, da die Automaten kein Wechselgeld geben. Beim Fahrer ist allerdings ein 1000 Yen Wechselautomat, der nur die 1000 Yen Scheine in kleine Münzen wechselt. Das Geldwechseln dauert etwas und ist dann ziemlich peinlich, wenn hinter einem 20 Leuten warten. Alle 30 Fahrgäste steigen an meiner Bushaltestelle Oodarumi 大垂水バス停 aus. :/

Zunächst laufe ich links die Straße den Berg hinauf, bis ich eine kleine Einfahrt erreiche. Dort packe ich meine Stöcke aus und setze meinen Wanderhut auf. Dann bemerke ich eine Brücke, die hoch über die Straße gespannt ist. Ich überquere die Straße, um über eine Treppe auf die Brücke Oodarumidouke 大垂水峠橋 zu kommen.

MinamiTakao (7)

Ein schmaler Pfad führt mich über einige Stufen den Berg hinauf. Links und rechts wachsen die japanischen Zedern, auch Sicheltannen 杉 スギ genannt.

MinamiTakao (8)

Nach ein paar Metern erreiche ich das erste Hinweisschild Richtung Berg Oobara 大洞山. Ich erklimme einen kleinen Kamm und entdecke rechts den wunderschönen Fuji aus einer Gebirgskette herausragen. Der 3776 m hohe heilige Fuji ist mit einer dicken Schneeschicht überzogen und wirkt wie ein riesiger Puderzucker-Kuchen.

Ein paar Japaner schießen fleißig Fotos. Ich folge den Weg weiter und durchquere kleine Bambus-Büsch-Felder 熊笹 クマザサ. Der Pfad steigt zunächst, um dann wieder ab zu fallen. Teilweise entdecke ich kleine Eiskristalle im Boden, die wunderschön funkeln. Auf einem weiteren Kamm erblicke ich die ersten Bänke, es sollten nicht die letzten sein… Nach 35 Minuten erreiche ich den kleinen Gipfel des 536 m hohen Oobara Berges 大洞山. Ein paar Bänke und ein Hinweisschild mit Karte von meinem Wanderweg Kanto-Fureai-no-Michi 関東ふれあいの道 sind an dem Rastplatz aufgestellt. Die Sonne scheint recht grell und ich setze mir meine Sonnenbrille auf.

Nachdem ich etwas Wasser trank, ging ich auch schon durch weitere Bambus-Felder, bis ich das nächsten Hinweisschild erblicke. Ich werde von diesem Punkt an diesen Kanto-Fureai-no-Michi・Ume-no-Kihira 関東ふれあいの道 ・梅の木平 Schildern für 6.7 km folgen. Nach 10 Minuten entdecke ich rechts von mir den zweiten Rastplatz mit lustigen Rucksackaufhängern. Wer diese aufgestellt hat, weiß man nicht, aber sie sind sehr praktisch.

MinamiTakao (5)

An der nächsten Ecke geht der Pfad wieder steil den Berg hinab, um dann im Anschluss noch steiler den Berg wieder heraufzuführen. Teilweise sind die Wege mit Seilen ausgestattet, so dass ich mich an diesen festhalten kann. Von den Kämmen erhalte ich von verschiedenen Abschnitten an grandiose Aussicht auf die Umgebung mit einer glitzernden Seenlandschaft davor. Der Pfad wird immer schmaler und wird von einem Meer aus Wurzeln durchzogen. Ich muss mich konzentrieren, wo genau ich hintrete. Nach weiteren 60 Minuten erreiche ich eine weitere Raststätte. Auf der linken Seite führt mich eine steile Treppe auf den zweiten 494 m hohen Berg Nakazawa 中沢山. An deren Spitze steht eine Kannon-Statue mit einer Geldbox davor.

MinamiTakao (10)

Vom Gipfel kann ich den heiligen Berg Fuji sehen. Doch auf Grund von Gegenlicht, kann ich kein schönes Foto schießen. Ich steige die gleiche Treppe herunter und wende mich nach links. Nach 10 Minuten erreiche ich eine Bank mit Rucksackaufhängern davor eine bahnbrechenden Aussicht.

MinamiTakao (9)

An dieser Stelle packe ich meine selbst gekochte Lunchbox aus. Das Rezept gibt es zum Nachkochen hier.

Sanshokudon

Ich verspeise hungrig mein Mittagessen und genieße die Aussicht. Neben mir sitzen weitere Japaner, die ebenfalls ihre Lunchboxen auspacken. Schließlich packe ich meine Sachen zusammen und breche auf. Der Weg führt mich über zahlreiche Treppen und durch einen Wald mit riesigen moosbewachsenen Felsbrocken. Die Sonne lässt den hellen Lehmboden in einem braunen Ockerton erstrahlen.

MinamiTakao (1)

An einigen Kreuzungen erreiche ich Schilder mit der gleichen Beschriftung Ume-no-Kihira梅の木平, die parallel verlaufen. Ich wähle immer den linken Pfad Kanto-Fureai-no-Michi関東ふれあいの道, der mich über die Bergspitzen führt. Nach 40 Minuten komme endlich an dem 475 m hohen Berg Taikoji 泰光寺山 an. Die Aussicht ist von diesem Berg nicht besonders gut. Ich ziehe schnell weiter. Eine steile Treppe, die mit Bändern gesichert ist, führt den Berg herunter. Und wieder entdecke ich mehrere gut ausgebaute Raststätten mit vielen Bänken vor schönen Aussichtspunkten.

Der Weg wird ab hier etwas breiter. Mir kommen einige Jogger entgegen. Nach unzähligen Treppen und steilen Pfaden erreiche ich den berühmten Rastplatz Fureaikyukeijo ふれあい休憩所. Ein Unterstand mit einigen Bänken stehen vor einer wunderschönen Aussicht auf Tokio. Weiße Wolken ziehen am blauen Himmel vorbei. Ein frischer Wind weht mir entgegen. Im Tal erkenne ich einen funkelnden See.

MinamiTakao (2)

Ab dieser Stelle wird die Strecke anstrengender. Eine steile krumme Treppe führt den Berg herunter. Ein japanisches Ehepaar kommt mir auf der Treppe entgegen. Sie scheint noch top fit zu sein, aber er keucht schon sehr stark. Er fragt, wie viele Treppen ihn noch erwarten. Sie meinte, das waren erst die Hälfte. Ich sehe wie ihm das Lachen vergeht und langsamer wird.

MinamiTakao (6)

Nach 15 Minuten komme ich endlich am vierten Berg Kusado 草戸山 an. Auf der Spitze erwartet mich eine Plattform vor einer ebenfalls beeindruckenden Aussicht auf Tokio. Ich kann sogar die Skyline von Shinjuku 新宿 erkennen. Direkt vor der Plattform gibt es einen kleinen Schrein und mehrere Tafeln samt Karten der Wanderwege, die mich eher verwirren als helfen.

Von diesem Punkt an folge ich der Beschilderung Richtung Takaosan Station 高尾駅 oder Takaosanguchi Station 高尾山口駅. Die Beschilderung verwendet entweder den einen oder anderen Bahnhof als Richtung. Der Wanderweg verwandelt sich in ein ständiges Auf und Ab. Die Zeit zieht sich, aber alle paar Meter steht eine Bank bereit. Insgesamt gibt es auf diesem Abschnitt bestimmt über 60 Bänke. Bisher die größte Anzahl an Bänken, die ich an einem japanischen Wanderweg sah. Irgendwann komme ich an zwei Hinweisschildern links Richtung Takaosanguchi Station 高尾山口 und geradeaus Takaosan Station 高尾駅 an. Ich wähle den linken Weg, da mir schon die Füße schmerzten. Nach 10 Minuten erreiche ich eine Nebenstraße, halte mich links und überquere ich eine Straße mit einer Ampel. Über die Brücke Takaohashi 高尾橋 spaziere ich in ein typische japanische Restaurant Straße und erreiche eine weitere kleinere Brücke. Direkt nach der Brücke biege ich rechts in eine kleine Gasse, der ich für ein paar Meter folge, bis ich links den Bahnhof Takaosanguchi 高尾山口駅 erreiche.

Ich nehme den nächsten Zug Richtung Shinjuku 新宿. Alle Züge, die von dieser Station abfahren, halte auch an der nächsten Station Takao 高尾駅, an der ich aussteige. Vom Takao Bahnhof 高尾駅 wähle ich den Süd-Ausgang 南口. Vor mir befinden sich die Bushaltestellen. Ich wende mich nach links, unter den Schienen durch und biege unter einer Unterführung an der Machidakaido Straße 47 町田街道 nach rechts ab. An einer Ampel überquere ich die Straße und biege in die zweite von links ein. An deren Ende befindet sich das Bad Furoppy Onsen 高尾の湯ふろッぴィ. Ich bezahle 800 Yen für 3 Stunden und entspanne mich in einem warmen Bad. Zur Verhaltensweise im Onsen empfehle ich meinen Bericht über Onsen zu lesen.  Nach dem Bad laufe ich zurück zum Bahnhof und kehre in das Restaurant Saikai 西海 ein. Dort bestelle ich mir die Spezialität des Hauses Saikai Ramen 西海ラーメン für 500 Yen. Bisher die besten Ramen, die ich je in Japan gegessen habe.

Insgesamt war dies eine schöne, aber anstrengende Wanderung, die mich an vielen verschiedenen Abschnitten vor einer grandiosen Aussicht durch die japanische Bergflora führt. Sehr zu empfehlen, wenn man eine Panorama-Wanderung machen möchte.

Nützliche Schriftzeichen:
Berg Oobarayama 大洞山
Berg Nakazawayama 中沢山
Berg Taikojiyama 泰光寺山
Berg Kusadoyama 草戸山
Wander-Paradies Süd-Takaosanryo 南高尾山稜
Japanischer Zeder – Sicheltanne Sugi 杉 スギ
Bambus-Gewächsen Kumazasa 熊笹 クマザサ
Bahnhof Takaosanguchi 高尾山口駅
Keio Linie 京王線
Bushaltestelle バス停
Haltestelle Oodarumi 大垂水バス停
Wanderweg 関東ふれあいの道
Hinweisschild Kanto-Fureai-no-Michi・Ume-no-Kihira関東ふれあいの道 ・梅の木平
Rastplatz Fureaikyukeijoふれあい休憩所
Stadtteil Shinjuku 新宿
Bahnhof Takao 高尾駅
Bad Furoppy Onsen 高尾の湯ふろッぴィ
Restaurant Saikai 西海
Frauen Bad 女湯
Männer Bad 男湯

Links:
Furoppy Onsen Bad: http://furoppy.co.jp/
Onsen Adresse: 高尾の湯ふろッぴィ, 1466-1 Hazamamachi, Hachioji, Tokyo 193-0941, Geöffnet von 10:00-21:00
Japanischer Zeder: http://de.wikipedia.org/
Bambus-Gewächs: http://ja.wikipedia.org/
Saikai Ramen: http://tabelog.com/
Busverbindungen:http://www.navitime.co.jp/
Suica Karte: https://wanderweib.de/
Zugverbindungen:http://www.hyperdia.com/


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