Kanto, Tokio

[Chofu] Jindaiji: Lovestory und Soba-Nudeln

Eine Liebesgeschichte führte zur Gründung des Jindaiji Tempels (深大寺). Umgeben von schönen Wäldern, tickt hier die Uhr anders. Der Tempel ist zudem für Soba, Daruma-Souvenirs und den Manga Gegege-no-Kitaro bekannt. Wir besuchen den Tempel, ein Onsen und stellen bekannte Soba-Läden vor.


Jindaiji Tempel

Verzweifelt stand der junge Shonin am Ufer und betete zu Gott Jinja Daio. Die Eltern seiner großen Liebe hielten seine Angebetete auf einer Insel im großen See versteckt und lehnten eine Hochzeit ab. Ein Wiedersehen schien unmöglich. Unendliche Traurigkeit überfiel ihn.

Da erschien eine geisterhafte Schildkröte.

Auf ihrem Panzer trug sie ihn durch das unüberwindbare Nass. Tief beeindruckt von solch einem Wunder, stimmten die Eltern des Mädchens einer Heirat doch zu.

Monate zogen ins Land und es war ein sonniger Tag, als der Shonin-Erbe geboren und mit viel Liebe aufgezogen wurde.

Später wurde der Junge Mönch und gründete, im Auftrag und aus Dankbarkeit gegenüber seines Vaters, den Tempel Jindaiji. Das war im Jahr 773. So zumindest erzählt es die Legende.

Blick durch das Haupttor Sanmon (山門)

Somit ist der Jindaiji der zweitälteste Tempel der Präfektur Tokio; der älteste ist Sensoji Tempel – im Herzen von Tokyo City.

Viele Einheimische besuchen Jindaiji, um dort für Liebe und Glück in der Ehe zu beten. Verständlicherweise.

Ein Räuchergefäß vor der Haupthalle Hondo (本堂)

Leider zerstörte 1865 ein großes Feuer fast alle Gebäude, sodass sie rekonstruiert werden mussten. Der älteste Bau ist das Sanmon-Tor aus dem Jahr 1695.

Familien und Menschen jeden Alters tummeln sich am Tempel und dessen Umgebung. Der Duft üppiger Natur mischt sich dem von Goma (buddhistisches Feuerritual). Hierbei wird mehrmals täglich die Wurzel allen Leids verbrannt, damit unsere Wünsche in Erfüllung gehen können.

Auch der Geruch von frischen Soba (Buchweizennudeln) strömt Besuchern in die Nase. Dazu später mehr.

Ganzan Daishi Halle (元三大師堂)

Wer sich in Ruhe einen Tempel ansehen und etwas über die japanische Kultur lernen möchte, ist hier genau richtig. Jindaiji ist definitiv ein Geheimtipp mit mehreren Tempelschätzen:

Die Haupthalle bietet der Statue von Amida Nyorei (buddhistischer Retter der Menschheit) ein Dach über dem Kopf. Die Buddha-Statue Hakuho zum Beispiel, gilt als die älteste Statue Ostjapans. In der Halle von Ganzan Daishi wird die 2 m hohe Statue des gleichnamigen Mönchs verwahrt. Sie ist wiederum die größte Statue eines sitzenden Mönchs in Japan und wird nur alle 25 Jahre beim Gokaicho gezeigt.

Jindaiji Glocke

Auch die Glocke von Jindaiji ist etwas besonderes. Das Original, aus dem Jahr 1376, gilt als wichtiges Kulturgut und befindet sich in der Shaka-Halle, links hinter dem Sanmon-Tor. Die Glocke auf unserem Foto ist der Nachfolger. Sie wurde 2001 gegossen, weil das Original aus der Kamakura-Zeit zu alt geworden war.

Daruma – Glücksbringer aus Pappmaché

Wenn die roten und weißen Pflaumenblüten am Sanmon-Tor in voller Blüte stehen, findet das Daruma Festival statt. Hier werden, auf einem der drei größten Daruma-Märkte Japans, Glücksbringer aus Pappmaché zahlreichen Glückssuchenden zum Kauf angeboten. Mehr über Daruma und sein Ritual erfährst du in unserem Artikel zum Shorinzan Darumaji Tempel.

Das Fest findet jedes Jahr am 3. und 4. März statt.

Der Tempel und Soba

Frische Soba

Viele Bauern bauten während der Edo-Zeit (1603-1868) in der Nachbarschaft des Jindaiji Tempels Buchweizen an. Der Boden war perfekt dafür, weil er reich an Quellwasser war. So schmecken die Soba-Nudeln nämlich besonders gut.

Irgendwann boten die Bauern dem Tempel Mehl aus Buchweizen an. Die normale Abgabe an den Tempel war eigentlich Reis. Und der wiederum produzierte aus dem Mehl Soba. Die berühmten Jindaiji-Soba werden noch heute per Hand hergestellt.

Herstellung von Soba

Einige der Soba-Restaurants in der Umgebung des Tempels haben Schaufenster. So kannst du bei der Herstellung der Soba zuschauen. Auf dem Weg zum Jindaiji Tempel wirst du also auf viele Soba-Restaurants und Souvenirläden stoßen, die eine mehr als 300-jährige Tradition aufweisen.

Souvenir- und Sobastraße zum Jindaiji Tempel

Weitere Sehenswürdigkeiten

Kitaro Chaya 鬼太郎茶

Direkt neben der Bushaltestelle Jindaiji befindet sich das Kitaro Teehaus, das sich ganz der Manga- und Anime-Serie GeGeGe-no-Kitaro widmet. Der Manga wurde 1960 vom Autor Mizuki Shigeru erschaffen und handelt von japanischen Monstern (Yokai). Manchmal spielet der Manga auch in der Gegend des Tempels Jindaiji, da der Mangaka bis zu seinem Tod in Chofu lebte.

Im Kitaro Teehaus gibt es leckere, japanische Süßwaren-Spezialitäten zu kaufen.

Jindaiji Wassermühlen-Museum 調布市深大寺水車館

Ebenfalls in der Nähe der Bushaltestelle Jindaiji befindet sich das kleine Jindaiji Wassermühlen-Museum. Dort kannst du dir kostenlos ansehen, wie früher Buchweizen gemahlen wurde. Neben den ganzen Werkzeugen und Utensilien, gibt es auch ein echtes Wasserrad, das sich sogar heute noch dreht.

Jindaiji Botanischer Garten 神代植物公園

Neben dem Jindaiji Tempel befindet sich der riesige Botanische Garten, der besonders für seine Rosengärten (im Mai und Oktober), dem Gewächshaus und die Pflaumenblüte (Mitte März) bekannt ist.

  • Adresse: Google Maps
  • Öffnungszeiten: 9.30-17.00 Uhr (letzter Eintritt um 16.00 Uhr)
  • Geschlossen: Montags, 29.-31. Dez. und 1. Januar
  • Eintritt:
    • 500 Yen

Yumori-no-Sato 湯守の里

Das Yumori-no-Sato Onsen (oder auch Jindaiji Onsen) liegt nur 5 Gehminuten vom Tempel entfernt und ist bekannt für sein schwarzes Wasser, das bei Hautkrankheiten helfen soll. Yumori-no-Sato bietet mehrere Außen- und Innenbäder. Außerdem gibt es einen kleinen Laden und ein Restaurant, indem du leckeres Bier trinken kannst. Im Onsen ist alles auf Japanisch beschriftet, lies also vorher unsere Onsen-Verhaltensregeln.

  • Adresse: Google Maps
  • Öffnungszeiten: 10.00-22.00 Uhr
  • Eintritt:
    • Werktags
      • Generell:
        • 1.000 Yen
        • 850 Yen (Nur eine Stunde)
    • Wochenende & Feiertags
      • Generell:
        • 1.100 Yen
        • 950 Yen (Nur eine Stunde)
    • Achtung: Kinder, die noch eine Windel tragen, bekommen keinen Zutritt!
  • Anreise per kostenlosen Shuttle Bus 湯守の里バス:
    • Ab voller Stunde von Chofu Bhf North Exit (Couch Corner)  (von 10.-19.00 Uhr)
    • Ab halber Stunde von Musashi-Sakai Bhf South Exit (10.30-19.30 Uhr)
    • Offizielle Webseite (Japanisch)

Essen & Trinken

Restaurant Shimadaya 元祖嶋田家

Das Shimadaya Restaurant ist wohl das berühmteste Soba-Restaurant und wird bereits in der 5ten Generation betrieben. Das für das Soba verwendete Buchweizen stammt aus Aomori und wird nicht mit der Maschine hergestellt, sondern nach alter Tradition mit einem Schleifstein.

  • Adresse: Google Maps
  • Öffnungszeiten: 10.00-18.00 Uhr (letzte Bestellung um 17.30 Uhr)
  • Geschlossen: Montags (falls Feiertag, dann auch dienstags)
  • Homepage (Japanisch)
  • Karte: Japanisch
  • Preise: ab 1.000 Yen
  • Empfehlung: Musashino-San-Aji-Shoujinage むさしの三味精進揚げ (3 Sorten-Soba mit frittiertem Gemüse)

Restaurant Aokiya 青木屋

Das Aokiya Restaurant wird bereits seit 60 Jahren betrieben und hat eine schöne Außenterrasse. Lass deine Seele baumeln und genieße fantastische Soba-Gerichte.

  • Adresse: Google Maps
  • Öffnungszeiten: 10.30-17.00 Uhr
  • Geschlossen: Dienstag
  • Homepage (Japanisch)
  • Karte: Japanisch
  • Preise: ab 1.200 Yen
  • Empfehlung: Tenzaru 天ざる (Soba mit frittierter Garnele, Aubergine und Shisoblatt)

Kiosk Ameya あめや

Wenn du vor dem Sanmon-Tor links abbiegst, triffst du schon nach wenigen Metern auf den Süßwaren-Laden Ameya. Dieser bietet neben Eis, Buchweizen-Brötchen mit Füllung und Süßwaren, auch Pferdefiguren aus Stroh an. Beim Kauf beschützt es deine Familie und beschert dir Glück in der Liebe.

  • Adresse: Google Maps
  • Öffnungszeiten: 9.00-15.00 Uhr (Sa.+So. bis 16 Uhr)
  • Geschlossen: Montag
  • Homepage (Japanisch)
  • Preise: ab 300 Yen
  • Empfehlung: Sobapan Sofuto Matcha そばパンソフト抹茶 (Soba-Brötchen mit Matcha-Softeis und roten Bohnen)

Besondere Termine

  • 1.-7. Januar finden die Neujahrsgebete statt.
  • 3. Februar: Setsubun/Mamemarkt (Bohnen werfen).
  • 3.-4. März: Daruma-Festival – Ganzandaishi Taisai.
  • ~8. April: Geburtstag von Buddha (Blumen-Festival).
  • Ende April: Nanjamonja, Konzert der Tokio Feuerwehr.
  • Mai: Frühlingsrosenfest im Botanischen Garten.
  • Ende Juli: Hozuki Festival (Verkauf von Lampionblumen (Hozuki) und Windspielen).
  • Oktober: Herbstrosenfest im Botanischen Garten.
  • Mitte-Oktober: Soba-Festival, eine Zeremonie vor der Haupthalle, um Soba-Nudeln dem Tempel darzubieten.
  • Mitte-Oktober: Jindaiji Jusanya, das Feiern des vollen Mondes, indem Mönche vor dem Sanmon Tor Hymnen rezitieren.
  • Mitte-Oktober: Jinjadaiosai-Fest, bei dem Mönche 600 Sutra in schneller Geschwindigkeit lesen.
  • 31. Dezember: Joya-no-Kane. Die Tempelglocke wird 108 mal geschlagen, bevor das Neue Jahr beginnt.

Insidertipps

  • Reise mit dem kostenlosen Shuttle Bus vom Onsen an, dann sparst du dir den Bus.
  • Entdecke viele Monster der Serie GeGeGe-no-Kitaro auf dem Weg vom Chofu-Bahnhof zum Jindaiji Tempel.
  • Eine Eintrittskarte des Botanischen Garten gilt den ganzen Tag, kannst also zwischendurch Soba essen.
  • Ein Besuch lohnt sich besonders zur Laubfärbung im Herbst (Ende Oktober).
  • In die Restaurants darfst du mit Kinderwagen.

Anfahrt und Karte

Am schnellsten kommst du vom Shinjuku Bahnhof mit der Keio-Linie zum Chofu Bahnhof und fährst weiter mit dem Bus Nr. 34 zum Jindaiji Tempel.

  • Per Zug/Bus: 
    • Bahnhof Shinjuku 新宿駅-> Keio Linie (16 Min.) -> Bahnhof Chofu 調布駅
    • Bahnhof Shinjuku 新宿駅-> Chuo Linie Express 中央線 (15 Min.) -> Bahnhof Kichioji 吉祥寺駅
    • Weiter mit Bus:
      • Chofu Bahnhof -> Nord-Ausgang (North Exit) ->
        • Bushaltestelle 14 ->
          • Bus Nr. Cho 34 (調 34) -> (~15 Min, 3 x pro Stunde 9.00-18.00 Uhr)  -> Bushaltestelle Jindaiji 深大寺  -> 2 Minuten Fußweg (200 m)
    • Kichioji Bahnhof -> Süd-Ausgang (South Exit) ->
      • Bus Kichi 4 (吉 04) Richtung Jindaiji (深大寺行) -> (30 Min.) -> Jindaiji Bushaltestelle -> 1 Minute Fußweg.

Per Shuttle Bus (Onsen):

  • Shuttle Bus Yumori-no-Sato 湯守の里バス
    • Ab voller Stunde von Chofu Bhf North Exit (Couch Corner)  (von 10.-19.00 Uhr)
    • Ab halber Stunde von Musashi-Sakai Bhf South Exit (10.30-19.30 Uhr)
    • Offzielle Webseite Onsen (Japanisch)
    • Preis: Kostenlos (im Besuch des Onsen inbegriffen)
    • Ab Onsen sind es ca. 5 Minuten zu Fuß bis zum Jindaiji Tempel.

Per Auto:

  • Times Jindaiji Parking
    • Adresse: Google Maps
    • 7.00-22.00 Uhr – 330 Yen/Stunde

Das Tempelgelände liegt nur etwa 100 Meter von der Jindaji Bushaltestelle entfernt und ist gut zu Fuß zu erkunden. Unterwegs passierst du tolle Läden, viele Soba-Restaurants und einige Cafes.

Öffnungszeiten & Preise

  • Jindaiji Tempel:
    • Öffnungszeiten: 9.00-17.00 Uhr
    • Geschlossen: —
    • Eintritt: Kostenlos
    • Goma-Feuerritual:
      • Werktags um 11.00 und 14.00 Uhr
      • Sa., So. und Feiertage: 11.00, 13.00 und 14.00 Uhr
  • Yumori-no-Sato Onsen:
    • Öffnungszeiten: 10.00-22.00 Uhr
  • Verweildauer: ~2-3 Stunden (+ eine Stunde Onsen)

Barrierefreiheit

  • Bahnhöfe:
    • (Keio) Chofu: Barrierefrei, Rollstuhltoiletten & Wickelflächen vorhanden.
    • (JR) Bahnhof Kichioji -> Fahrstühle, Rollstuhltoiletten & Wickelflächen vorhanden.
    • (Keio) Bahnhof Kichioji -> Fahrstühle, Rollstuhltoiletten & Wickelflächen vorhanden.
  • Jindaiji Tempel: Barrierefrei, Rollstuhltoiletten und Wickelflächen (neben der Bushaltestelle Jindaiji)
  • Restaurant Shimadaya: Nicht barrierefrei
  • Restaurant Aokiya: Barrierefrei
  • Kiosk Ameya: Barrierefrei
  • Wassermühlen-Museum: Barrierefrei
  • Botanischer Garten: Barrierefrei, Wickelflächen & Rollstuhltoiletten
  • Onsen: Nicht barrierefrei

Nützliche Links

Englisch:

Japanisch:


Hotels in Tokio

=> Lies unsere Tokio-Hoteltipps



Fragen? Tipps? Lass uns einen Kommentar da!


2 Kommentare

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert