Japaner lassen ihre Seelen gerne in heißen Quellen (Onsen) baumeln. Das warme Wasser entspannt den Körper und lässt den stressigen Alltag vergessen. Jeder Japanreisende sollte das unbedingt ausprobieren. Und damit dein Besuch im japanischen Thermalbad kein Reinfall wird, halte dich einfach an folgende Anleitung.


Onsen Etikette

#1. Schuhe aus!

Nachdem du ein Onsen deiner Wahl betreten hast, bemerkst du ein Schild. Es zeigt, dass du deine Schuhe ausziehen sollst. Entledige dich deiner Schuhe und schlüpfe in die bereitliegenden Latschen. Für 100 Yen stellst du deine Schuhe in ein Schließfach, das im Eingangsbereich zu finden ist und ziehst den Schlüssel ab.

#2. Keine Tattoos!

Außerdem wirst du mit großer Wahrscheinlichkeit auf ein „Tattoos verboten“-Schild stoßen. Onsen, die Tätowierungen erlauben, findest du hier.

Gehe zum Automaten und kaufe eine Eintrittskarte für etwa 800 Yen (~6 Euro). An der Rezeption gibst du den Schlüssel zum Schließfach ab und leihst dir, gegen ein kleines Entgelt, ein großes und kleineres Handtuch. Manchmal erhältst du auch einen nummerierten Schlüssel, den du um dein Handgelenk trägst.

#3. Geschlechter getrennt!

In Japan sind Onsen nach Geschlechtern getrennt. Als Frau verschwindest du hinter dem roten Vorhang mit diesem Schriftzeichen: 女.

Als Mann nimmst du den blauen Vorhang mit dem Schriftzeichen 男. Hinter dem Vorhang lässt du deine Latschen zurück und betrittst den Raum barfuß oder mit Socken.

#4. Umkleideraum – Ausziehen!

Im Umkleideraum angekommen, siehst du weitere Schließfächer und mehrere Waschbecken. Außerdem ist da noch eine beschlagene Tür. Wähle ein Schließfach aus und entkleide dich (lange Haare hochstecken).

Schließe deine Sachen und das große Handtuch ein und trage ggf. den Schlüssel um dein Handgelenk. Verdecke mit dem kleinen Handtuch deinen Schambereich und gehe zur beschlagenen Tür.

#5. Gründlich waschen!

Betrete durch die Tür das Bad. Durch eine Dunstglocke siehst du das Becken. Davor befinden sich Duschen mit kleinen Höckerchen davor. Setze dich auf einen Hocker, lege das Handtuch auf die Ablage und schaue dir die Pflegeprodukte an. Normalerweise sind sie mit englischer Übersetzung versehen:

  • Shampoo シャンプー
  • Spülung – Conditioner コンディショナー
  • Körperseife – Bodysoap ボディーソープ

Mit der Seife und dem kleinen Handtuch wäschst du dich gründlich und spülst dich gut ab. Die Haare wäschst du erst später. Bevor du aufstehst, versicherst du dich, dass dein Waschplatz frei von Seifenrückständen ist.

#6. Kein Spaßbad!

Gehe nun zum Becken und lege das kleine Handtuch auf den Kopf, bevor du in die heiße Quelle steigst. Vorsicht heiß! Mutig tauchst du bis zu den Schultern ein und setzt dich auf den Beckenboden. Jetzt kannst du gemütlich entspannen.

Falls Kinder herumplanschen sollten, werden sie schnell vom Personal zurechtgewiesen. Übersetzt heißt das: „Das ist kein Spaßbad. Kein Rennen! Kein Schwimmen und leise sein!“

#7. Handtücher nicht ins Wasser!

Solltest du nach wenigen Minuten bemerken, dass dir das Handtuch vom Kopf rutscht, fange es und lege es wieder auf deinen Kopf. Sonst erntest du böse Blicke vom Personal.

Nach etwa 10 Minuten wird es dir zu heiß und stehst auf. Nimm das Handtuch vom Kopf, bedecke wieder deinen Schambereich und gehe, durch eine weitere Tür, nach draußen.

#8. Wind kühlt!

Draußen befindet sich das Außenbad (露天風呂). Setze dich und genieße den kühlen Wind in deinem Gesicht, während du vom Wasser gewärmt wirst. Wenn es zu heiß wird, setze dich auf den Beckenrand. Spüre, wie der Wind deinen Körper kühlt. Und wenn du zu frieren beginnst, setze dich einfach wieder ins heiße Becken.

Übrigens ist genau das der Grund, warum du deine Haare noch nicht gewaschen hast. Nasse Haare und kühler Wind schaden deiner Gesundheit!

Wenn du genug entspannt hast, gehst du wieder zu den Duschen, spülst dich ab und wäschst deine Haare. Stehe auf und drehe dein Handtuch aus. Trockne dich gründlich mit dem kleinen Handtuch vor der Tür ab, damit der Umkleideraum nicht nass wird.

#9. Ausruhen!

Trockne dich am Schließfach mit dem großen Handtuch weiter ab, ziehe dich an und benutze den Fön. Am Waschbecken findest du kostenlose Gesichtscreme, Gesichtstücher, Kämme und Wattestäbchen. Schließlich ziehst du die Latschen wieder an, verlässt du den Raum und legst dich auf einen Massagestuhl im Ruheraum (休憩室).

#10. Lecker essen!

Nach dem wohltuenden Onsen begibst du dich in den Gastronomiebereich. Bestelle dort die Empfehlung des Hauses. Während der Bestellung merkst du, dass sich die Bedienung deine Schlüsselnummer aufschreibt. Sie erklärt dir, dass du einfach später an der Rezeption zahlst.

Wenige Minuten später kommt dein Essen. Zum Glück hast du dich vorher über Tischmanieren in Japan informiert und du verspeist dein Essen ohne in ein Fettnäpfchen zu treten. Danach gehst du zur Rezeption, gibst den Schlüssel ab und bezahlst. Nun erhältst du den Schlüssel für deine Schuhe zurück und verlässt entspannt ganz das Onsen.

#Extra: Körper-Behaarung

Generell solltest du wissen, dass Japaner weniger Körperbehaarung haben als Europäer. Frauen brauchen sich die Haare an den Beinen nicht zu rasieren, weil sie dort keine haben. Auch Intimrasuren werden von japanischen Männern und Frauen kaum gemacht.

Ausnahme: Japanerinnen kümmern sich, zumindest im Sommer, um ihre Achselhaare. Kurz gesagt, für den Besuch im Onsen brauchst auch du dich nicht um deine Körperbehaarung zu kümmern.


Insidertipps

  • Gehe werktags ins Onsen, dann sind sie günstiger!
  • Bringe immer ein Handtuch mit, dann brauchst du keins ausleihen!

Empfehlung

Wenn du in Tokio landest, empfehle ich dir das Onsen am Takao.
Falls du Tätowierungen hast: Eine komplette Liste tattoofreundlicher Onsen gibt es hier oder besuche ein Ryokan mit Privat-Onsen.

Übrigens gibt es in Deutschland im Neptun Bad in Köln auch ein Onsen.


Nützliche Schriftzeichen

  • Heiße Quelle Onsen 温泉
  • Bad Ofuro お風呂
  • Bad Nyūyoku 入浴
  • Eintrittskarte Nyūjōken 入場券
  • Erwachsene Otona 大人
  • Grundschüler Shōgakusei 小学生
  • Frau Onna 女
  • Frauenbad Onnayu 女湯
  • Frauenbad Himeyu 姫湯
  • Mann Otoko 男
  • Männerbad Otokoyu 男湯
  • Männerbad Tonoyu 殿湯
  • Außenbad Rotenburo 露天風呂
  • Shampoo Shampu シャンプー
  • Spülung Conditiona コンディショナー
  • Spülung Rinsu リンス
  • Seife Body soap ボディーソープ
  • Gesichtscreme Keshōkurimu 化粧クリーム
  • Ruheraum Kyūkeishitsu 休憩室
  • Empfehlung Osusume おすすめ

Webseiten:


Fehler gefunden? Tipps? Lass mir doch einen Kommentar da!

113 Thoughts on “[Tipps] Wie du ein Onsen in Japan besuchst, ohne dich zu blamieren

  1. Dagmar Goch on 10. April 2019 at 3:23 said:

    Hallo Tessa,
    Wir sind für einen Monat in Tokio und dein Blog war uns schon sehr oft behilflich. Eine Frage haben wir aber doch noch: Wir würden gerne auch hier einSchwimmbad in der Nähe finden (Higashinippori), in dem wir unsere 1000m schwimmen könnten. Ein Schwimmbad in der Nähe eine Yamanote-Station würde es auch tun. Wir wollen nur nicht Zuviel Zeit mit der An- und Abreise verbringen. Vielleicht fällt dir ja etwas dazu ein.
    Vielen Dank
    Dagmar

  2. Benjamin on 14. April 2019 at 17:26 said:

    Sind Tattoos grundsätzlich nicht erlaubt oder gibt es auch Onsen die eine Ausnahme machen?

    Anbei noch vielen Dank für deinen wunderbaren Blog. Bisher hat er mir unglaublich viele Informationen geliefert.

    • Hallo Benjamin,

      schau mal ganz unten im Artikel. Da gibt es eine Webseite mit Tattoofreundlichen Onsens. Sonst sind die generell nicht erlaubt.

      Viele Grüße aus Tokio
      Tessa

  3. Marie on 6. Mai 2019 at 19:16 said:

    Hallo,

    Gibt es auch Onsen oder andere Quellen/ Bäder bei denen man nicht komplett entblößt rein geht? (Zum Beispiel im Bikini oder mit Handtuch)

    Grüße Marie

    • Hallo Marie,

      in ländlichen Regionen und in den Bergen, doch da kommt man als Tourist schlecht hin.

      Viele Grüße aus Tokio
      Tessa

  4. helma on 9. Mai 2019 at 8:21 said:

    In unserer Ferienhausanlage in Kawaguchiko sind wir nach dem Abendessen in den Onsen gegangen.
    -Es gab Einmalzahnbuerstensets, die auch fleissig genutzt wurden.
    -Viele Familien da waren, kamen die Maenner auch mit ihren Kindern in den Onsen
    -Ein paar Jugendliche brachten ihre Bierbuechsen mit und haben diese im Onsen getrunken.

    Auf dem Land und ohne Personal laufen die Dinge auch in Japan ein bischen anders :-)

  5. Sven Schmidt on 3. August 2019 at 2:47 said:

    Hi,
    Wir haben vor kurzen ein Onsen in Osaka besucht. (Tennen onsen)
    Leider konnte man nur das kleine erwerben, ein großes gab es nicht.
    Naja und habe mich drauf verlassen und unsere großen haben wir im Hotel gelassen.
    Habe mich dan den rest durch Föhnen getrocknet.
    Grüße aus Japan( bin noch im Urlaub)

    • Hallo Sven,

      generell waschen und trocknen sich Japaner mit dem kleinen Handtuch ab. Der Föhn ist dann für die Haare. ;-)
      Große Handtücher werden meist nicht ausgegeben…

      Viele Grüße aus Tokio
      Tessa

  6. Jessy on 24. August 2019 at 18:09 said:

    Hallo

    Ich besitze leider 2 kleine Tattoos (eines am re Fußknöchel außen und eines in meiner re Leiste).
    Habt ihr vielleicht Tipps wo ich den auch solch ein Onsen besuchen dürfte, also wo meine Tattoos nicht verboten sind. Auf einen Besuch im Onsen möchte ich nämlich auf meiner Reise eigentlich ungern verzichten.

    Danke schon mal im voraus :)

  7. Simon on 30. August 2019 at 10:32 said:

    Hallo Jessy,

    Gibt es auch so eine Art Unisex-Onsen? Ich Reise im Herbst mit meiner Freundin durch Japan und wir würden gerne gemeinsam ein Onsen besuchen.

    Liebe Grüsse :)

    • Hallo Simon,

      in ländlichen Regionen gibt es die, z.B. das mit dem großen Wasserfall.

      Ansonsten in einem Ryokan mit einem privaten Onsen in Hakone buchen. ;-)

      Viele Grüße aus Tokio
      Tessa

  8. Hi,

    cooler Artikel.
    Eine Frage hätte ich aber noch und ich hoffe das ich hier nicht komplett falsch bin :D

    Ich werde im November nach Japan fliegen, jetzt stellt sich mir, als VollbartTräger die fragen, ob ich den davor abrasieren sollte, da ich gelesen habe, das Bart in Japan so eine Sache ist. Andere wiederum sagen, das das als Tourist nicht so schlimm wäre?

    Wie wäre es dann richtig?

    Lg Chris

    • Corinna on 6. September 2019 at 13:42 said:

      Hallo Chris,

      Bart ist kein Problem. Damit du bloß nichts falsch machst: Rasiere dich bitte nicht im Onsen! ;) Viel Spaß dabei!

      Viele Grüße aus der WanderWeib-Redaktion
      Corinna

  9. Tom Frost on 6. September 2019 at 14:16 said:

    Es gibt eine schöne Fernsehserie, die über 10 (?) Folgen verteilt Sentos im Raum Tokio vorstellt. Es ist keine Doku, aber der Hauptdarsteller geht in jeder Folge anstatt zu arbeiten in ein Sento :D

    „Getränk nach dem Bad am Mittag“ ist der deutsche Titel. Ich habe es beim deutschen Amazon Prime gesehen. Über den japanischen oder englischen Titel bin ich mal bei Reddit gelandet, wo sich jemand die Mühe gemacht hat, alle Bäder bei Google Maps zu markieren.

  10. Chantal on 18. September 2019 at 18:46 said:

    Hallo Tessa,

    gibt es keine Onsen wo man baden kann, wenn man Tattoos hat?

    Lg

  11. なっちゃん on 3. November 2019 at 22:41 said:

    Hallöchen
    Mein Mann und ich werden im April in Japan sein und wollen auch in ein indem. Wie sieht es denn mit Piercings aus? Bzw er trägt Tunnels diese kann er natürlich raus machen aber ist das trotzdem okay?

    • Tessa on 4. November 2019 at 22:39 said:

      Hallo,
      die Piercings solltest du vor dem Baden raus machen. Sonst gibt es keine Beschränkung.

      Viele Grüße aus Tokio
      Tessa

  12. Franziska on 29. November 2019 at 1:54 said:

    Hallo Zusammen,

    Danke für diesen (und all die anderen) tollen Artikel.

    Kleiner Tipp für alle Tattoo-Haber: Wenn Ihr Euch in den allertiefsten Süden verirrt und hinter Kagoshima noch weiter nach Ibusuki fahrt – dann könnt ihr Euch nicht nur in heißen Sand einbuddeln lassen (ein Knaller) sondern auch mit Tattoo ins Onsen. Ich war in der “Sand Bath Hall”. Wirklich toll hier – natürlich auch für Untätowierte. 😉

    Liebe Grüße,
    Franziska

    • Corinna on 29. November 2019 at 8:15 said:

      Hallo Franziska,

      vielen lieben Dank für den ‘heißen’ Tipp :)

      Viele Grüße aus der WanderWeib-Redaktion
      Corinna

  13. Sarah on 13. Januar 2020 at 11:03 said:

    Hallo Zusammen,

    danke für diesen ausführlichen Bericht!
    Ich wollte fragen ob ihr zufällig wisst, wie das mit Narben aussieht.
    Tattoos sind ja verboten aber was ist mit großen OP Narben?
    Muss man da um Erlaubnis fragen?

    Danke und ganz liebe Grüße,
    Sarah

  14. Paul Zimmermann on 18. Januar 2020 at 3:47 said:

    Hallo und Danke für den wertvollen Beitrag!
    Sehr schön Blog.

    • Corinna on 19. Januar 2020 at 11:13 said:

      Hallo Paul,

      Danke. Den Werbelink habe ich versehentlich gelöscht ;)

      Viele Grüße aus der WanderWeib-Redaktion
      Corinna

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