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[Tipps] Japan: Achtung Fettnäpfchen!

Japaner haben’s schon schwer. Vor allem dann, wenn egozentrische Westler auf harmoniebedürftigen Japaner treffen. Deren Gewohnheiten reichen von umständlich, über kurios bis hin zu entzückend. Zumindest für uns. Umso spannender ist es, zu erfahren, wie man Fettnäpfchen umgeht und was es zu tun oder zu lassen gilt.


In Japan geht man anders miteinander um. Man wohnt auf engstem Raum und lernt bereits als Kind, sich zum Wohl der Gemeinschaft zu verhalten. Das Ego zählt hier wenig. Ganz im Gegensatz zur westlichen Kultur. Um die empfindliche Harmonie nicht zu gefährden und sich angemessen zu verhalten, tauchen wir etwas tiefer in bestimmte Themen ein.

Das Miteinander

Anrede und Begrüßung

Bei der Anrede eines Japaners hängst du an den Nachnamen der jeweiligen Person ein sogenanntes Suffix namens ’san‘ dahinter. Solltest du also Frau Ito begegnen, sprich sie mit Ito san an. Unterlasse das san nur, wenn du von dir selbst sprichst.

Verabschiede dich von Schulterklopfern, herzlichen Umarmungen oder Küsschen-Küsschen. In  Japan hält man Abstand. Stattdessen tut es ein kleines Kopfnicken, weil eine korrekte Verbeugung für Ausländer nicht einfach zu meistern ist. Wenn du dich trotzdem verbeugen möchtest, achte darauf, dass dein Rücken gerade ist.

Berührungen und Gefühle

Bei Japanern ist es unüblich, fremde Menschen zu berühren. Und nicht nur das. Es wird Abstand gehalten, stets Haltung bewahrt und keinesfalls werden Gefühle gezeigt. Halte dich also vor allem mit negativen Gefühlen wie Wut oder Ärger, aber auch mit Komplimenten oder Liebesbekundungen zurück.

Harmonie wahren

Eines der obersten japanischen Gebote ist es, die Harmonie untereinander zu wahren. Streitereien oder Herumschreien in der Öffentlichkeit sind ein Unding. Ebenso gehört lautes Auflachen nicht zum guten, japanischen Ton. Versuche, deine Gesprächspartner möglichst nicht in die Zwickmühle oder in Verlegenheit zu bringen. Ebenfalls ist öffentliches Kritisieren ein No-Go. Statt Komplimente, erwähne in passendem Zusammenhang lieber deine Schwächen. Das gilt als bescheiden und du schindest Eindruck.

Benehmen in der Öffentlichkeit

Wie bereits erwähnt: Erlaubt ist, was deinen Mitmenschen keinen Ärger bereitet oder sie in jeglicher Art stören könnte. Versuche, nicht aufzufallen und orientiere dich an den Einheimischen. Vordrängeln oder mit dem Finger auf Leute zeigen, tut man nicht. Es wird auch nicht laut telefoniert, wenn du von anderen umgeben bist. In öffentlichen Verkehrsmitteln wird das ‚Sumaho‘ (Smartphone) auf lautlos gestellt und erst leise (!) telefoniert, wenn sich niemand gestört fühlt. Im Shinkansen oder auf längeren Fahrten, darf dazu auch mal das Zwischenabteil des Waggons benutzt werden.

Nase putzen

Ganz großes Thema: Kein öffentliches Naseschnäuzen! Das ist im Land der aufgehenden Sonne verpönt. Menschen mit Allergien sollten hier besonders hellhörig werden. Wenn es unausweichlich ist, suche eine Toilettenkabine auf oder warte, bis du allein bist.

Gerüche

Harmonie wahren heißt auch, deine Ausdünstungen im Zaum zu halten. Übertreibe es daher nicht mit Parfüm, Deo oder sonstigen Düften. Auch damit trittst du ins fiese Fettnäpfchen.

Englisch

Gehe nicht davon aus, dass Japaner gutes Englisch sprechen. Zwar lernen japanische Schüler amerikanisches Englisch in der Schule, sind jedoch oft gehemmt, es anzuwenden. Denn Japaner möchten keine Fehler machen und dadurch ihr Gesicht verlieren. Das eigene Gesicht und das des anderen zu wahren, ist neben der Harmonie ein weiteres ungeschriebenes Gesetz. Dazu kommt die für unsere Ohren ungewohnte Aussprache. Merke: Je einfacher dein Englisch, desto eher trauen sich Japaner, auf Englisch zu antworten. Behalte also dein bestes Oxford-Englisch lieber für dich. ;)

Pünktlichkeit

Ganz wichtig in Japan – die Pünktlichkeit! Wer unpünktlich ist, ist respektlos. Solltest du es nicht rechtzeitig schaffen, so gib in jedem Fall vorher Bescheid.

Bedeutung hai und iie

‚Hai‘ bedeutet Ja und ‚iie‘ bedeutet Nein. So steht es im Sprachführer und so lernt man es im Japanischkurs für Anfänger! Aber stimmt das auch? Jein. Japaner benutzen hai nämlich z.B. auch, um mitzuteilen, dass du ihre Aufmerksamkeit hast oder als Füllwort. Von Zustimmung ist hier keine Rede. Iie ist zwar eine Verneinung, jedoch wirst du ein direktes Nein nur selten aus japanischem Munde hören. Japaner umschreiben das Wort lieber und wahren so Harmonie und dein Gesicht.

Sumimasen und Gomen nasai

Das Wort ‚Sumimasen‘ wirst du in Japan öfter hören. Denn Japaner entschuldigen sich für fast alles. Sie entschuldigen sich sogar für das, was erst noch kommen wird. Wenn du dich also durch Menschenmassen hindurchzwängen willst, berühre andere möglist wenig und sage vorher schon ‚Sumimasen‘. Das bedeutet so viel wie ‚Verzeihen Sie‘. Oder wenn du den Weg zur Toilette erfragen möchtest, errege vorher die Aufmerksamkeit mit Sumimasen. Dein Gegenüber muss dann reagieren.

Gomen nasai ist der Ausdruck für das, was wir unter einer Entschuldigung beim jeweils anderen verstehen. Wenn du einen Fehler gemacht hast und dich bei bestimmten Personen entschuldigen möchtest oder beispielsweise jemanden angerempelt hast, sage gomen nasai.

Schuhe aus

Solltest du jemals diesen Bodenbelag (Foto oben) sehen, bedeutet das: Schuhe aus! Tatami-Böden werden nur mit Socken oder barfuß betreten. Ohne Ausnahme.

Typisch japanisch

In Japan sind technische Spielereien an der Tagesordnung und der Stolz der Nation. Es fängt bei Taxen an, deren Türen sich automatisch öffnen. Weiter geht’s mit dem Roboter namens Pepper (Foto oben), der deine Mimik und Gestik interpretiert und mit dir spricht. Und endet bei Bussen und Bahnen, die bargeldlos mit einer IC-Karte bezahlt werden. Wie du auf sprechenden Rolltreppen feststellen wirst, hat Japan technisch einiges zu bieten.

Toiletten

High-Tech-Toilettenaufsätze gibt es fast überall. Doch die haben ihre Tücken. Wenn du also wissen möchtest, wie du ein geräuschvolles Geschäft mit Melodie überspielst oder du beim Betätigen der Knöpfe (Foto oben) besser sitzen bleiben solltest, erfährst du im Toiletten-Artikel. In Privathäusern, Ryokan oder manchen Restaurants gibt es sogar eigene Schuhe fürs Stille Örtchen. Solltest du also die Tür zur Toilette aufmachen und dort Schuhe sehen, gilt ebenfalls: Straßenschuhe aus – Kloschuhe an!

PS. Vergiss nicht, die Schuhe beim Verlassen der Toilette wieder zu tauschen! Auch das ist ein Fettnäpfchen, das mehrfach von sämtlichen Langnasen erprobt ist. ;)

Unterwegs essen

Unterwegs essen gehört sich nicht. Einzige Ausnahme: Im Shinkansen. Schon kurz nach der Abfahrt hörst du es überall um dich herum rascheln und der Geruch von Essen strömt in deine Nase. Dann packen Japaner ihre Bentos (japanische Essensbox) aus. Gut, wenn du mit diesem Shinkansen-Artikel vorbereitet bist und mitrascheln kannst.

Es wird übrigens nicht gerne gesehen, wenn du mit deinem Gepäck oder Handtasche Sitzplätze blockierst.

Onsen

Heiße Bäder, die deine Muskulatur entspannen, sind des Japaners liebstes Hobby. Manche zelebrieren diese Tradition in ihrem geliebten Stamm-Onsen. Weshalb du nicht ungewaschen ins Gemeinschaftsbecken steigen und Tätowierungen besser abkleben solltest, erfährst du in diesem Onsen-Artikel.

Einladungen

Es ist eher unüblich für Japaner. Aber trotzdem kann es passieren, dass du von ihnen privat eingeladen wirst. Dass eine Ablehnung unhöflich ist, liegt auf der Hand. Um dir einen Fauxpas zu ersparen, solltest du ein geeignetes Geschenk mitbringen. Wichtig dabei ist, dass du das Präsent mit beiden Händen im Eingangsbereich übergibst, die Straßenschuhe ausziehst und in die bereitgestellten Hausschuhe schlüpfst.

Karaoke

Es kann schon eher passieren, zum Karaoke-Singen eingeladen zu werden. Auch hier solltest du die Einladung annehmen und den Spaß mitmachen. Auch, wenn es dir noch so peinlich ist. Wie genau das geht und worauf du achten solltest, kannst du im Karaoke-Artikel nachlesen.

Tischmanieren

Restaurantbesuch

Viele Touristen umgehen einen Besuch im Restaurant und besorgen sich ihr Essen im nächsten Konbini. Ich empfehle dir jedoch dringend, auch Restaurants zu besuchen und das leckere Essen zu genießen. Damit der Restaurantbesuch kein Reinfall wird, gilt es beispielsweise, keine Stäbchen senkrecht in den Reis zu stecken oder dein Essen damit zu durchbohren.

Ebenfalls solltest du es meiden, mit Stäbchen auf etwas oder jemanden zu zeigen. ‚Daneben benehmen‘ darfst du dich bei der Suppe. Hier solltest du laut schlürfen. So zeigst du, dass es dir schmeckt. Was du weiterhin tun kannst, um unfallfrei ein Restaurant zu besuchen, erfährst du im Restaurant-Artikel. Tee oder Wasser sind dort übrigens immer gratis.

Trinkgeld

In Japan wird kein Trinkgeld gegeben. Manche würden es sogar als Beleidigung empfinden – hervorragender Service ist nämlich im Preis inklusive.

Stäbchen

Zurück zum Essen. Für viele Westler ein Graus, doch in Japan wird traditionell mit Stäbchen (O-hashi) gegessen. Die Erfolgsformel ist einfach: Üben, üben, üben und vorher diesen Tischmanieren-Artikel lesen.

Geschäftlich in Japan

Wer zu Geschäftszwecken nach Japan reist, für den gelten wiederum strengere Regeln. Was auf alle Fälle in dein Gepäck gehört, sind Visitenkarten. Ohne die läuft nichts. Sie wird, wie ein Geschenk, mit beiden Händen überreicht und in Empfang genommen. Auch deine Jobposition spielt hier eine große Rolle. Außerdem muss der Dresscode eingehalten werden: Für Frauen Kostüme und für Männer der schicke Anzug.

Beim gemeinschaftlichen Geschäftsessen existiert eine Sitzordnung und die Rechnung zahlt immer der Einladende. Zudem kann es passieren, dass du zum gemeinsamen Trinken (nomikai) eingeladen wirst. Eine solche Einladung wird ebenfalls nicht abgelehnt. Ein eigener Artikel zum Thema ‚Business in Japan‘ folgt.

Extra: Aberglaube

Aberglaube exisitert auch in Japan. Die Zahlen 4 und 9 stehen für Tod und bringen daher Unglück. Vermeide alles, was mit diesen Zahlen zu tun hat.

Außerdem solltest du immer eine ungerade Anzahl an Geschenken (z.B. Geldscheine) übergeben.


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