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[Wandern] Izu-Halbinsel: Wasabi-Eis, Wasserfälle und nackte Tatsachen

Wenn die Tage kürzer werden, lohnt sich ein Besuch in einer heißen Quelle (Onsen). Über Facebook fand ich die Gruppe „Hiking, Climbing and Camping in Japan“. Der dortige Administrator, Dave, schlug eine Wanderung auf der Izu-Halbinsel in Konbination mit einem Onsenbesuch vor. Spontan sagte ich zu und erlebte eine aufregende Tour mit Wasserfällen, Hängebrücken, Wasabi Eis und nackten Tatsachen.

Anfahrt

Es ist noch früh, als ich den Bahnhof Atsugi erreiche. Am Ausgang bleibe ich stehen, weil es wie aus Kübeln schüttet. Neben mir steht eine blonde Ausländern mit einem älteren Japaner. Nach etwas Blickkontakt sprechen mich beide an und fragen, ob ich zum Facebook-Event gehe. „Klar,“ antworte ich.

Die Blondine heißt Maria, ist 22 Jahre alt und kommt aus Schweden. Sie trägt figurbetonte, sportliche Kleidung, was man in Japan selten sieht. Der ältere Japaner ist Shinji, ich schätze ihn auf ungefähr 65 Jahre und ist auf Jobsuche. Schon bald darauf läuft Dave um die Ecke und winkt uns zu. Er stammt aus Amerika, geht gerne wandern und ist um die 50 Jahre alt.

Zusammen gehen wir zu seinem Mietwagen, der ein komisches Nummernschild hat. Er erklärt, dass er früher einmal beim amerikanischen Militär gearbeitet hat sich deswegen Autos direkt von der Basis leihen kann. Während der Fahrt stellen wir schnell fest, dass Maria nur Englisch und Shinji nur Japanisch kann. Wir versuchen also eine Mischung aus beiden Sprachen zu sprechen. Maria erzählt, dass sie Studentin sei und für eine Woche Tokio besucht. Ab kommender Woche fliegt sie für ein ganzes Jahr nach Australien, um dort Work & Travel zu machen. Eine Freundin von ihr habe ihr die Tour mit Dave empfohlen. Shinji ist verheiratet und war früher mal Kaufmann. Leider ist er sehr wortkarg.

Dave fährt zügig auf die Autobahn Richtung Shizuoka und hält an der ersten Mautstelle an. Der Kassiererin drückt er er ein Stück Papier in die Hand. „Die erhalte ich immer zusammen mit dem Wagen. Dann sind nämlich die Mautstellen kostenlos“, erklärt Dave grinsend. In Japan müssen nämlich alle Fahrzeuge Gebühren bezahlen, außer eben militärische.

Der Wasserfall Joren-no-Taki

Nach 3 Stunden erreichen wir unser erstes Ziel: Den Wasserfall Joren-no-Taki auf der Izu-Halbinsel, nähe Shizuoka. Dave lenkt den Wagen auf den großen kostenlosen Parkplatz. Am Wasserfall scheint schon recht viel Betrieb zu sein, da auf dem Parkplatz bereits einige Busse und Autos parken. Auf der rechten Seite entdecken wir Souvenirshops, die verschiedene Wasabi-Produkte anbieten. Dave empfiehlt uns das Wasabi-Eis für 300 Yen. Maria und Shinji lehnen dankend ab und schauen sich im Laden um.

Mutig kaufe ich das Eis und teste es vorsichtig. Der erste Eindruck ist gar nicht schlecht, weil es zunächst nur nach Vanille schmeckt. Doch dann kommt der fiese, scharfe Nachgeschmack, von dem mir fast ein bisschen übel wird. Tapfer esse weiter bis ich es nicht mehr aushalte.

Wir verlassen den Laden und steigen die Treppen neben den Souvenirshops herunter. Auf den Stufen stehen einige chinesische Touristen herum, die uns den Weg versperren. In der Mitte der Treppe sehen wir einen kleinen Schrein.

Schon wenige Minuten später hören wir den Wasserfall, können ihn aber noch nicht sehen. Wir passieren weitere Läden, die den gegrillten Flussfisch Aju auf Stäbchen gespießt, anbieten. Große Schilder laden dazu ein, Fisch gegen eine Gebühr selbst zu angeln. Hinter den Läden wartet bereits der 25 m hohe Wasserfall Joren-no-Taki.

Der Strom entspringt dem Berg Amagi, den ich letztes Jahr bestieg. Direkt neben dem Wasserfall sehen wir kleine abgegrenzte Felder. Dave erklärt uns, dass dort Einheimische Wasabi-Pflanzen züchten.

Die sieben Wasserfälle Kawazu Nanadaru

Wir gehen zurück zum Parkplatz und fahren weiter in Richtung Parkplatz Mizutare zu den sieben Wasserfällen Kawazu Nanadaru.

An der Landstraße 414 entdecken wir die Bushaltestelle Mizutare, biegen direkt daneben in eine kleine Straße und erreichen so den Parkplatz Mizutare. Die Koordinaten für den Parkplatz sind übrigens 34.800778, 138.933344. Leider fängt es genau jetzt an, stärker zu regnen. Wir packen unsere Regenkleidung aus und machen uns startklar.

Der Weg ist abgesperrt mit „Road closed!“. Dave springt einfach über das Schild. Mit einem mulmigen Gefühl folgen wir ihm. Der Pfad dahinter ist vollständig verschlammt. Wir laufen weiter bis wir vor einer großen Treppe stehen, die tief in eine Schlucht hinunterführt.

Maria stoppt davor und sagt: „Tut mir leid, aber ich glaube, mein Knie überlebt den Abstieg nicht!“ Daraufhin steigen wir nur zu Dritt die lange Treppe herab. An einer Kreuzung biegen wir nach rechts Richtung Saruta Depth ab und überqueren die Schlucht auf einer Hängebrücke. Feuchtes Laub liegt auf den rutschigen Stufen, so dass wir noch vorsichtiger gehen müssen. Dann stehen wir auf einer Plattform vor Saruta Depth.

Der Legende nach gab es hier eine Gottheit namens Sarutahiko-no-mikoto, die Reisende beschützen soll. Diese Gottheit reiste durch ganz Japan. An einem Tag kam Sarutahiko-no-mikoto zum Berg Amagi und spazierte an dieser Untiefe vorbei. Durch dessen Präsens konnte sich eine eingeschlossene Forelle befreien und sprang zum Dank in dessen Arme. Danach benannten die Dorfbewohner diese Untiefe nach ihm.

Wir gehen zurück zur Kreuzung und biegen Richtung Kama-Daru Wasserfall ab. Shinji verabschiedet sich und läuft zurück zum Auto. Seine Stoffhose ist mittlerweile komplett durchnässt. Über zahlreiche Stufen steigen Dave und ich die Treppe hinab. Keine 5 Minuten später stehen wir vor dem 22 m hohen Wasserfall.

Den hatte ich mir kleiner vorgestellt. Doch durch die starken Regenfälle führt er heute deutlich mehr Wasser. Ich bin begeistert und wage mich auf eine Plattform, die nah an ihn heranführt. Der Wind bläst mir feine Wassertropfen entgegen, sodass ich es nicht lange aushalte. An der Plattform beschreibt eine Informationstafel die unterschiedlichen Gesteinsschichten, die man an den Felswänden erkennen kann. Wir können nicht wirklich etwas erkennen und gehen weiter.

Zunächst halten wir uns links und direkt hinter der Hängebrücke rechts.

Auf der rechten Seite fließt der wenig beeindruckende Krabben Wasserfall Ebi-Daru. Wir steigen eine steile Treppe hinauf und erreichen wieder den Wasserfall Kama-Daru, dieses Mal von der anderen Seite.

Onsen Odaru 大滝温泉

Zurück am Auto fahren wir ein kurzes Stück zum berühmten Onsen Odaru. Dave parkt das Auto auf einem der kostenlosen Parkplätze, die ausgeschildert sind. Beim Aussteigen kommt uns ein freundlicher Wirt entgegen, der ungehemmt Werbung für sein Lokal macht. Höflich lehnen wir sein Angebot ab und gehen zum Onsen.

Überraschenderweise stellen wir fest, dass wir im Eingang nicht die Schuhe ausziehen müssen. In Japan zieht man dort die Schuhe eigentlich immer aus. Zur richtigen Verhaltensweise im Onsen empfehle ich unseren Onsen-Artikel zu lesen. Auf der linken Seite entdecken wir die Kasse für Tagesbesucher „Nichigaeri“. Wir bezahlen ~1.500 Yen für den Außenbereich und begeben uns zu den Umkleidekabinen.

Der Frauenbereich ist mit einem roten Vorhang gekennzeichnet. Maria und ich ziehen unsere Schuhe vorm Betreten der Umkleidekabine aus. Auf der linken Seite gibt es für ~200 Yen Schließfächer und auf der rechten kostenlose für Hotelgäste. Dieser Umstand wird aber nur in Japanisch erklärt.

Wir ziehen unsere Badesachen an und treten ins Freie. Plastik-Sandalen und Regenschirme können wir kostenlos ausleihen. Auf dem rutschigen Untergrund nehmen wir das Angebot dankbar an. Kleine Hinweisschilder führen uns schließlich in die Richtung des großen Wasserfalls. Zitternd vor Kälte steigen wir eine lange Treppe herunter bis wir den Wasserfall erreichen.

Davor befinden sich einige Bäder, die mit heißem Wasser gefüllt sind. Wir setzen uns in eines der Bäder und genießen den Anblick auf den Wasserfall Odaru.

Übrigens wurde dieses Onsen als Kulisse für den Film Thermae Romae verwendet. Direkt neben dem Wasserfall finden wir Umkleidekabinen und eine kleine Höhle, die wir natürlich erkunden müssen.

Dort herrschte eine Luftfeuchtigkeit von über 100 %, so dass uns schnell warm wird.

Die Insel Ebisu Jima 恵比須島

Zurück im Auto sucht Dave spontan auf der Karte nach einer kleinen Insel und entdeckt die Ebisu Jima. Dort halten wir auf einem kleinen Parkplatz mit Toiletten und gehen über eine Brücke zur Insel. Hier gibt es wunderschöne Steinformationen zu entdecken.

Oben auf der Insel entdecken wir ein Denkmal und einen Schrein. Leider können wir die Schriftzeichen nicht entziffern. Selbst Shinji nicht.

Die Aussicht wird immer besser, da der Regen langsam aufhört. Eine Tafel beschreibt die Besonderheiten der Insel: „Früher wurden an der Insel Steinblöcke für Bauwerke herausgeschnitten und abtransportiert. Die Einschnitte kann man heute noch im Wasser sehen.“ Und tatsächlich können wir dunkle Vierecke im Wasser erkennen. Langsam schlendern wir zurück zum Auto.

Onsen Kurone 黒根岩風呂

Dann fahren wir an der Küste ein Stück in Richtung Tokio. Die schöne Küstenlandschaft lasst uns manches Mal vor Erstaunen verstummen. Nach einer Stunde erreichen wir endlich das Kurone Onsen. Wir parken auf dem kostenlosen Parkplatz und gehen zum Onsen. In einem kleinen Häuschen bezahlen wir ~600 Yen und betreten die heiße Quelle über eine kurze Treppe. Unten erwartet uns das große Männerbad und das Gemeinschaftsbad.

Auf der linken Seite können sich die Männer umziehen und auf der rechten Seite die Frauen hinter einer Wand. Maria und ich gehen zum Frauenbereich Onnayu und ziehen unsere Badesachen an, da wir noch etwas scheu sind. Dave und Shinji springen komplett nackt ins Onsen. Im Frauenbereich gibt es ein abgetrenntes Bad, das einen schönen Blick über den Steinstrand bietet.

Nach ein paar Minuten ruft Dave uns zu, dass wir doch auch ins Gemeinschaftsbad kommen sollten.

Wir gehen rüber und sind sehr über dessen Ungezwungenheit erstaunt. Maria und meine Versuche, nicht unbedingt direkt auf Dave’s Blöße zu starren, misslingt. Wenigstens Shinji scheint unsere Verlegenheit zu bemerken und legt sich ein Handtuch über seine Beine.

Von hier ist der Blick auf das Meer einfach nur fantastisch. Doch schon nach einer Stunde müssen wir das Bad verlassen und machen uns auf den Heimweg.


Details:
Distanz: 1,3 km
Dauer: 6 / 1 Stunde (Onsen/Wandern)
Höhenmeter: 339 m
Anstieg: 94 m
Abstieg: 104 m
Schwierigkeitsgrad: ✭ ✩✩✩✩
Jahreszeit: Ganzjährig
Fotos: 9. Juli 2015


Nützliche Schriftzeichen:
Shizuoka 静岡
Odaru Onsen 大滝温泉
Wasserfall Joren-no-Taki 浄蓮の滝
Berg Amagi 天城山
Wasabi Softeis わさび
Kawazu Nanadaru 河津七滝
Onsen Odaru 大滝温泉
Insel Ebisu Jima 恵比須島
Strandbad Onsen Kurone 黒根岩風呂
Bahnhof Atsugi 厚木駅
Wasserfall Joren-no-Taki 浄蓮の滝
Berg Amagi 天城山
Parkplatz Mizutare 水垂駐車場
7 Wasserfälle – Kawazu Nanadaru 河津七滝
Bushaltestelle Mizutare 水垂
Saruta Depth 猿田淵
Gottheit Sarutahiko-no-mikoto 猿田彦命
Kama-Daru Wasserfall 釜滝
Krabben Wasserfall Ebi-Daru エビ滝
Kama-Daru 釜滝
Onsen Odaru 大滝温泉
Tagesbesucher Nichigaeri 日帰り
großer Wasserfall Odaru 大滝
Insel Ebisu Jima 恵比須島
Onsen Kurone 黒根岩風呂
Frauenbereich Onnayu 女湯


Links:
Bus fahren in Japan: Die Anleitung
Mietwagen in Japan: So gehts
Onsen Odaru (Japanisch)
Schnorcheln bei Ebisu Jima (Japanisch)
Kurone Onsen (Japanisch)



Wart ihr auch schon in einem Onsen? Hat es euch gefallen?

2 Kommentare

  • Stephanie Weichelt

    Hallo Tessa,

    erst einmal ein dickes Kompliment für deinen tollen Blog! Wir planen gerade eine Reise nach Japan und dein Blog ist eine der Haupthilfen dabei. Dafür ist das Internet da!!
    Besonders gefällt mir, dass du meine Fragen schon beantwortest bevor ich sie stellen kann (z.B. lese ich den Artikel über Sumo und frage mich, wann ich hingehen sollte, wenn ich nicht den ganzen Tag dafür Zeit habe und schwupps…schon kommt die Antwort!)

    Der Artikel „Wandern und Onsen in Shizuoka“ hat uns besonders begeistert. Wir sind jedoch drei Mädels die alle erstmalig in Japan sind und kein japanisch sprechen und fragen uns, ob der Ausflug so für uns überhaupt zu meistern wäre? Es klingt ja teilweise nicht ganz einfach…ohne Auto ist der Ausflug wahrscheinlich auch nicht möglich?!
    Wir würde uns über eine kleine Rückmeldung freuen! :)

    Liebe Grüße!

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