Der Schrein Fushimi Inari (oder auch Fushimi Inari Taisha 伏見稲荷大社) in Kyoto beherbergt mehr als 1000 rote Tore, die in langen Tunneln aufgestellt sind. Wenn du im Internet nach Japan suchst, dann wirst du bestimmt auf Fotos von diesen roten Toren stoßen. Abseits der üblichen Touristenwege erkunden wir das weitläufige Tor-Netzwerk vom Schrein Fushimi Inari Taisha, die ganz ohne Öffnungszeiten auskommen.

Update:Artikel aktualisiert! (27.12.2017)

Schauen wir uns den Inari Schrein Kyoto einmal genauer an:


Der Ausflug zum Inari Schrein in Kyoto

Nur wenige Minuten fahren wir mit der Nara Linie vom Kyoto Hauptbahnhof zum Bahnhof Inari 稲荷駅. Am Ausgang wenden wir uns nach links und schauen uns die vielen Geschäfte an. Am Straßenrand finden wir außerdem Stände, die Fushimi Inari Souvenirs und lokale Köstlichkeiten verkaufen:

Wir gönnen uns für 120 Yen ein Taiyaki-Fisch, das ist ein in Fischform gepresster Teig gefüllt mit Bohnenpaste oder süßem Custard.

Lecker!!! Den Müll geben wir am gleichen Stand wieder ab, da es in Japan keine Mülleimer gibt. Zurück am Bahnhof gehen wir durch das großen Tor.

Dahinter entdecken wir ein weiteres Tor und ein rotes imposantes Gebäude, das ebenfalls ein Tor ist.

Das Dach und die Verzierungen sehen beeindruckend aus:

Der Schrein Fushimi Inari Schrein (oder auch Fushimi Inari Taisha) gehört übrigens zu den schönsten Shinto Schreine in ganz Japan. Er ist dem Reisgott Inari gewidmet. Der Fuchs dient als Nachrichtenübermittler vom Reis-Gott, so dass wir auf dem Gelände überall kleine Fuchs Statuen finden können.

Meist gibt es diese Fuchs in doppelter Ausführung vor den Toren.

Auf einer Tafel lesen wir:

“Der Schrein wurde im Jahre 794 gegründet, als der damalige Kaiser die Stadt Kyoto als Hauptstadt festlegte. Außerdem ranken sich zwei Legenden um die  Entstehungsgeschichte:

#1. Die eine besagt, das der Hügel, auf dem der Schrein steht, einem Mann gehört habe, der nach seinem Tod in den Himmel aufgestiegen ist. Heute gilt eben dieser Bereich als heilig und ist abgesperrt.

#2. Eine weitere besagt, dass seit Beginn der Geschichtsschreibung das Gebiet dem mächtigen Hata-Klan gehörte. Der Legende nach fand im Jahre 711 ein Mann namens Hata-no-iroka von jenem Klan auf der Jagd einige Reiskuchen und hängte diesen an einen Baum auf. Schließlich durchbohrte er einen Kuchen mit einem Pfeil, um seine Künste zu testen. In dem Moment verwandelte sich der Reiskuchen in einen Schwan und flog davon. Seit diesem Ereignis verlor der Hata-Klan an Macht.  Voller Reue machte sich der Mann auf die Suche nach dem Schwan und fand diesen auf der Spitze des Berges Inari wieder. So begann seine Verehrung der drei Götter Uga-no-mitama (Reis-Gott), Saruda-hiko (Gott der Erde) und Ame-no-uzume (Göttin des Anbruchs, der Fröhlichkeit und der Rivalität). Schließlich errichtete er hier den Schrein Fushimi Inari Taisha.”

Wir durchschreiten das große rote Gebäude, in dem zwei grimmige Wächter sitzen und blicken noch einmal zurück.

Toll! Wir steigen eine lange Treppe hinauf und erreichen den Eingang zu den Shinto Toren.

In dem Moment schiebt sich eine Touristen-Gruppe durch das Tor…

Pech gehabt… Wir folgen der Gruppe durch die Tore. Von dieser Seite sehen die Tore ziemlich einfach aus, aber von der anderen Seite können wir die Namen der stiftenden Person oder Firma lesen.

Meist sind das große Firmen, die solche Tore spenden können. An einer Stelle können wir eine Preisliste ausmachen:

Wow, 175.000 Yen (1700 Euro) für das kleineste Tor…. Plötzlich werden wir vor die Wahl gestellt, ob wir lieber den linken oder rechten Pfad betreten möchten.

Beide Wege laufen parallel und unterscheiden sich nicht. Wir wählen den rechten Pfad, da er etwas leerer wirkt. Am Ende erreichen wir den Okusha Schrein 奥社奉排所.

Dort kaufen wir uns eine kleine Fuchs-Form-Holzplatten, versehen sie mit einem Wunsch und hängen sie auf.

Diese Platten heißen auf Japanisch Ema und du kannst sie an jedem Schrein in vielen verschiedenen Formen kaufen. Viele malen lustige Gesichter auf die Platte, so dass diese gar nicht mehr wie Fuchse aussehen. Wenn die Wand voll ist, werden die Platten übrigens in einem Ritual verbrannt, so dass die Wünsche in den Himmel aufsteigen können.  Kurz verneigen wir uns, dann setzen wir unseren Weg auf der linken Seite durch weitere Tore fort.

Immer wieder bleiben wir stehen und schießen lustige Fotos in den Tunneln.

Leider möchten das andere Leute auch, so dass wir irgendwann die Lust verlieren. An der nächsten Abzweigung wenden wir uns nach rechts, passieren ein Toilettenhäuschen und steigen durch weitere Tore zum 233 m Inari Berg 稲荷山 hinauf.

Ab dieser Kreuzung verlassen wir den typischen Touristen-Pfad, so dass wir unterwegs nur noch auf einige Japaner treffen, die uns freundlich grüßen. Nach ein paar Metern passieren wir auf der rechten Seite den Kumatakasha Schrein 熊鷹社 und halten uns an einer Kreuzung rechts Richtung San-no-mine 三ノ峰. Nach gut einer Stunde  erreichen wir die Spitze des Berges Inari – Ichi-no-mine 一ノ峰. Dort stehen viele kleine Tore, die Besucher mit ihren Wünschen versehen haben:

Von hier kann man schön auf Kyoto hinabblicken. Leider ist die Aussicht an dem Tag nicht besonders gut. Nach wenigen Minuten machen wir uns an den Abstieg, indem wir geradeaus gehen. Wir passieren die Schreine Mitsurugisha 御劔社 und Yakuryokusha 楽力社, die ebenfalls mit Toren vollgehängt sind.

Schließlich erreichen wir die Kreuzung, an der wir abgebogen sind. Hier gehen wir geradeaus und kommen nach wenigen Minuten zurück zum Eingang vom Schrein.

Fazit: Der Schrein Fushimi Inari sollte auf keiner Japan-Reise fehlen. Obwohl der Aufstieg zum Berg Inari beschwerlich ist, lohnt sich der Weg auf jeden Fall. Wenn man nur wenig Zeit hat, reichen auch 3 Stunden für den kleinen Rundweg bis zur Kreuzung.


Details

  • Dauer: 4-5 Stunden
  • Öffnungszeiten: Immer offen
  • Anfahrtsroute:
    • Bahnhof Kyoto 京都駅 -> JR Nara Linie 奈良線 -> Bahnhof Inari 稲荷駅 (5 Min, 140 Yen)
    • Die Zugkosten werden komplett vom  Japan-Rail-Pass abgedeckt!
    • Bahnhof Kyoto 京都駅 -> JR Nara Linie 奈良線 -> Bahnhof Tofukuji 東福寺駅 -> Keihan Main Linie 京阪本線 -> Bahnhof Fushimiinari 伏見稲荷駅  (16 Min, 270 Yen)
    • Die Zugkosten werden nur bis Tofukuji zum  Japan-Rail-Pass abgedeckt!

  • Fotos: 27. März 2014

Nützliche Schriftzeichen:
Fushimi Inari Schrein/Taisha 伏見稲荷大社
Scharlachroten Tore Torii鳥居
Berg Inariyama 稲荷山
Bahnhof Fushimiinari 伏見稲荷駅
Keihan Main Linie 京阪本線
Bahnhof Kyoto 京都駅
Linie Narasen 奈良線
Shinto Ritual Tore 祭場
Tausend Tore 千本鳥居
Okusha Schrein 奥社奉排所
See Shin-Ike 新池
Kumatakasha Schrein 熊鷹社
Spitze San-no-mine 三ノ峰
Spitze Ka-no-mine 間ノ峰
Spitze Ni-no-mine二ノ峰
Spitze des Berges Ichi-no-mine 一ノ峰
Schrein Mitsurugisha 御劔社
Schrein Yakuryokusha 楽力社
Traditionelle Musik Gagaku雅楽

Links:
Karte: http://www.yamareco.com/modules/yama…il-574351.html
Schrein Fushimi Inari: http://de.wikipedia.org/wiki/Fushimi_Inari-Taisha
Weitere Fotos: http://gigazine.net/news/20080412_inari_taisya/
Zugverbindungen:http://www.hyperdia.com/


Übersicht:



15 Thoughts on “[Ausflug] Durch 1000 Tore am Schrein Fushimi Inari Taisha

  1. Pingback: Eine Woche Tokio bzw Japan

  2. YabanJim on 17. August 2016 at 13:55 said:

    Hab alles wiedererkannt ;-)

  3. Stephan on 17. August 2016 at 19:44 said:

    Hallo,

    Zufälle gibts!
    Gestern vor einem Jahr waren wir auch dort.
    Leider nicht beim bestem Wetter, so dass die eh schon dolle Luftfeuchtigkeit noch unerträglicher wurde.
    Das Gekletter war anstrangend, aber wir waren froh als wir endlich _wirklich_ oben waren und “Top of the Mountain” auf einem Schild lesen konnten. :D
    Unser Abenteuer ist in diesem Blogeintrag, wenn du mal lesen willst:
    http://ritti.someserver.de/wordpress/?p=481

    • Hallo Stephan,

      vielen Dank für deinen Link! Leider ist das Wetter in Kyoto immer ziemlich unberechenbar, so dass man einen großes Glück braucht, um am Schrein gutes Wetter zu erwischen.

      Viele Grüße aus Tokio
      Tessa

  4. Hi, wir waren auch auf dieser Schrein Tour. Wirklich ein muss! Auf dem Weg nach oben befinden sich seitlich immer wieder kleinere Schreine ( über 100!). Die sind jeweils mit einer Nummer versehen. Weiß jemand ob jeder Schrein eine spezielle Bedeutung hat? UND: welche hat wohl Schrein Nr 50? Kann jemand helfen?
    LG jo

  5. Hallöchen,
    auch wir haben uns am ersten Tag Kyoto in diesem November den Fushimi Inari Schrein nicht entgehen lassen.
    Und dabei hatten wir nicht nur bestes Wetter, um den “Indian Summer” in vollen Zügen zu genießen, sondern fanden, als wir wieder zurück am Eingang waren, auch noch ein Hochzeitspaar vor, das sich freundlich den Kameras der Anwesenden stellte.
    Und das Streetfood am Zugang zum Schrein kann man gar nicht oft genug erwähnen. Es ist wirklich exzellent und günstig.
    Wenn du magst, kann ich gern noch ein paar sehr farbintensive Fotos beisteuern. Schau einfach mal auf meiner Seite nach, ob dir was gefällt :-)
    Gruß, Gabriel

  6. Im April waren wir bis ganz hoch. Oben war tatsächlich kaum noch westliche Touris zu sehen, die Scheinen nur bis zu dieser Kreuzung zu laufen. Hat sich zwischen deinen Fotos und dem Frühling dieses Jahres nicht viel geändert gehabt.

    Hat es eigentlich eine Bewandtnis damit, dass manche Tore aus Beton waren?

    Übrigens in der Straße zum Bahnhof hatten wir in Honig ausgebackene Reisbällchen gegessen, die waren ganz hervorragend. Leider konnten wir unseren Müll (Plastik!) bei anderen Ständen nicht loswerden, die hatten alle nur was für Papiermüll.

    • Hallo Ore,

      das mit den Beton Toren hat glaube ich keine Bedeutung.

      Müll wirst du nur am gleichen Stand oder am Konbini los. ;) Siehe meinen Müll Artikel.

      Viele Grüße aus Tokio
      Tessa

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