Wolltest du schon immer wissen wie es ist, Silvester in Japan zu feiern? Oder dachtest du, Japan sei langweilig, weil es kein Feuerwerk gibt? Und Japaner stattdessen lieber Schreine (#8) besuchen und sich den ersten Sonnenaufgang im neuen Jahr ansehen (#9)? In diesem Artikel stelle ich dir 12 Gründe vor, warum du über Silvester nach Japan reisen solltest und was dich dort erwartet.

Frohes neues Jahr 2020!

Wie ist Silvester in Japan?

Im Gegensatz zu der westlichen Welt, feiern Japaner das Neujahr eher still: Es gibt kein Feuerwerk! Dafür zählen die ersten Tage im neuen zu den wichtigsten  Feiertagen in ganz Japan. In dieser Zeit reisen die Japaner in ihre Heimat und verbringen dort die Feiertage. (Fast) alle Geschäfte, Museen und öffentlichen Gebäude haben zu dieser Zeit geschlossen. Doch so langweilig wie sich das anhört, ist es doch nicht: Vorab sind nämlich schon viele Vorbereitungen getroffen worden:

(#1) Nengajo 年賀状

Statt einer Weihnachtskarte schreiben Japaner eine Neujahrskarte (Nengajo), die mit Tierkreiszeichen versehen sind. Die Karten schicken Sie an Freunde und Familienangehörige, um sich für das vergangene Jahr zu bedanken. Diese Tradition gibt es schon seit der Heian-Zeit (794-1185). Die Grußkarten solltest du bis spätestens zum 25. Dezember bei der Japanischen Post einreichen, dann werden sie pünktlich zum  1. Januar ausgeliefert.

(#2) Shimekazari しめ飾り

Um böse Geister von ihren Häusern abzuhalten und Gute einzuladen, hängen Japaner direkt nach Weihnachten Shimekazari an Türen auf. Shimekazari ist eine Neujahrs-Dekoration, die aus heiligem Shinto-Stroh, Kiefern-Zweigen und in Zickzack gefaltetes Papier besteht. Das soll die guten Götter einladen, die Zukunft sichern und eine ertragreiche Ernte versprechen. In der Regel werden Shimekazari zwischen dem 7. und 15. Januar wieder abgenommen.

(#3) Kadomatsu 門松

Um Ahnen und Gottheiten willkommen zu heißen, wird nach Weihnachten links und rechts neben der Tür eine Kadomatsu-Dekoration aufgestellt. Diese Neujahrs-Dekoration soll Reichtum sowie Glück bringen: Der Bambus symbolisiert Stärke und Reichtum, die Kiefern ein langes Leben und die Seile schützen gegen böse Geister. Nach dem 15. Januar gibt man die Gestecke an Schreinen ab. Dort werden sie verbrannt, um die Götter und Vorfahren wieder freizugeben.

(#4) Mochibana 餅花

Das neue Jahr muss gebührend gefeiert werden: Also werden nach Weihnachten auch Mochibana aufgehangen. Das ist eine weitere beliebte Neujahrs-Dekoration, die aus Zweigen mit weißen und rosa Mochi (Reiskuchen) oder Bällen besteht. Sie erinnern an blühende Zweige und an den Frühling. Mochibana werden aber auch gerne zu anderen Festlichkeiten aufhängt.

(#5) Kagami Mochi 鏡餅

Im Wohnzimmer steht ab dem 28. Dezember ein Kagami Mochi-Schrein, der aus zwei runden Mochi (Reiskuchen) und einer kleinen Orangenfrucht (Mikan) besteht. Die beiden Reiskuchen repräsentieren das jetzige und nächste Jahr. Die Mandarine steht für den Bestand der Familie von einer Generation zur nächsten. Die Fächer versprechen eine gute Zukunft.

(#6) Oosoji 大掃除

Bevor richtig gefeiert wird, muss natürlich noch die Wohnung aufgeräumt werden. In den letzten Tagen vor Silvester wird der Jahresend-Putz oder (auch Oosoji) erledigt. Oosoji ist die Tradition, die ganze Wohnung bzw. Zimmer zu putzen, um das neue Jahr reinlich zu begrüßen. Das ist vergleichbar mit unserem Frühjahrsputz.

(#7) Toshikoshi Soba 年越しそば

Am Silvesterabend speisen Japaner traditionell Toshikoshi Soba (Buchweizen-Nudeln). Durch das Essen dieser langen Nudeln soll dir ein langes und gesundes Leben beschert werden. Dieser Brauch gibt es seit der Meiji-Zeit (1868 -1912). Toshikoshi bedeutet das Ende von diesem Jahr und der Anfang eines Neuen. Am besten isst du die Nudeln vor dem Fernseher, während du das berühmte Musikprogramm ‘Kohaku Uta Gassen’ schaust.

(#8) Hatsumode 初詣

Statt eines dicken Feuerwerks solltest du am 31. Dezember kurz vor Mitternacht einen Shinto- Schrein besuchen, um dort auf das neue Jahr zu warten. Nach Mitternacht betest du für Gesundheit, Glück und Reichtum für das neue Jahr. In Japan nennt man diese Tradition Hatsumode. Allerdings besuchen die meisten Japaner erst zwischen dem 1. und 3. Januar einen Schrein. Vor sehr bekannten Schreinen, wie z.B. dem Meiji-jingu (Tokio) musst du deswegen extrem lange warten, bevor du deinen Wunsch äußern kannst. Die Ursprünge dieses Brauchs stammen übrigens aus der Meiji-Zeit (1868 -1912).

(#9) Hatsuhinode 初日の出

Am 1. Januar stehen Japaner ganz früh auf, um sich das Glück des neuen Jahres zu sichern. Entweder fahren Japaner an die Küste oder zum Mount Fuji, um die ersten Sonnenstrahlen des neuen Jahres zu sehen. Dieser Brauch wird im Japanischen Hatsuhinode genannt.

(#10) Osechi Ryori 御節料理

Zum Frühstück vom 1. – 3. Januar essen Japaner traditionell Osechi Ryori, das sind traditionelle japanische Neujahrsgerichte. Diese bekommst du in speziellen Schachteln (Jubako). Die Gerichte beinhalten u. a. Orangen, Omelett, Seetang, Fischkuchen, Fischeier, Kletten (Schwarzwurzel) und gesüßte schwarze Bohnen. Jedes Bestandteil besitzt eine bestimmte Bedeutung. Mehr dazu hier. Diese Tradition existiert seit der Heian-Zeit (794-1185).

(#11) Zōni お雑煮

Zum Frühstück essen Japaner außerdem eine Zōni-Suppe, eine japanische Suppe mit Mochi (Reiskuchen). Sie beinhaltet meist Hühnchen, Pilze, Spinat und Zitronenschale. Je nach Region gibt es hier verschiedene Variationen. Der Brauch lässt sich bis ins Muromachi-Zeitalter (1336-1573) zurückverfolgen. Zu der Zeit wurde die Suppe hauptsächlich für Samurais in Feldschlachten gekocht. Später etablierte sich mit steigendem Wohlstand der Brauch auch beim einfachen Volk.

(#12) Otoshidama お年玉

Wenn in der Familie Kinder leben, erhalten diese am 1. Januar von ihren Eltern ein Otoshidama, ein spezielles Taschengeld. Dieser Brauch kommt ursprünglich aus China. Das Geld wird meistens in kleinen, dekorierten Umschlägen überreicht. Der Betrag richtet sich nach dem Alter: Kleinkinder (1.000 Yen / ~9 Euro), Grundschüler (3.000-5.000 Yen / ~25-40 Euro) und Hochschüler (5.000-10.000 Yen / ~40-90 Euro).

> Falls du dich fragst, wie es an Weihnachten in Japan ist <<

In diesem Sinne wünsche ich euch einen guten Rutsch ins neue Jahr!


Quellen:


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24 Thoughts on “[12 Gründe] Warum du über Silvester nach Japan reisen solltest!

  1. Liebe Tessa,
    bin gerade durch Zufall auf deinen Blog gestoßen. Deinen Artikel finde ich klasse. Besonders die Fotos gefallen mir richtig gut.
    Grund #7 – naja, nicht unbedingt mein liebster Grund. Aber das nehme ich dann gerne für die folgenden in Kauf.
    Denn #8 bis #12 sind auf jeden Fall ein paar gute Gründe, Silvester in Japan zu feiern.

    Ich habe vor einigen Wochen selbst ein Japan-Blog-Projekt gestartet und arbeite immer noch an meinem Silvester Beitrag. Schau doch mal vorbei (wenn er in ein paar Tagen soweit ist).

    Liebe Grüße aus Berlin, Daniela

  2. Svenja J. on 17. Oktober 2017 at 13:37 said:

    Hallo Tessa,

    wir fliegen dieses Jahr über Neujahr nach Japan und verbringen Silvester in Tokyo.
    Kannst du uns einen Tempel empfehlen, an dem man besonders schön feiern kann? Gibt es spezielle Verhaltensregeln oder Rituale die es zu beachten gibt? Wir wollen nichts falsch machen.

    Ich bin schon so gespannt und freue mich total darauf im Land der aufgehenden Sonne das neue Jahr begrüßen zu können. (^w^)
    Vielen Dank schon mal und ein großes Lob an deinen Blog – er ist soo interessant und nützlich. ^^

    Liebe Grüße
    Svenja

    • Hallo Svenja,

      du musst im Prinzip nur die Gebetsregeln (siehe “https://wanderweib.de/tipps-schrein-besuch/” ) einhalten. Ansonsten kann ich dir den Kasuga Taisha in Nara und Meiji Schrein in Tokio empfehlen. Sehr voll, aber sicher eine Erfahrung wert.

      Viele Grüße aus Tokio
      Tessa

  3. Tessler on 11. Dezember 2017 at 20:29 said:

    Hallo Tessa,

    Interessanter Eintrag – die Mischung aus Tradition und Moderne in Deiner Wahlheimat fasziniert mich immer wieder aufs neue. Vielleicht sollte ich mal meinen Urlaub über den Jahreswechsel planen und mir das Ganze selbst anschauen?!? Auch wenn mir vieles naturgemäß verschlossen bleiben wird, aber um es mit Marcel Ayme zu sagen:

    „Das größte Vergnügen im Leben besteht darin, Dinge zu tun, die man nach Meinung anderer Leute nicht fertig bringt!“

    In diesem Sinne wir sehen uns ;)
    VG
    Tessler

  4. Kleine Ergänzung zu Nengajo:
    Um die gekauften Karten mit aufgedrucktem Porto nach Europa zu schicken einfach 18 Yen-Briefmarke draufkleben. Oder (Brief-)karten selber machen, in Schreibwarenläden gibt es Aufkleber und bunte Stempelkissen und viele Motivstempel, aktuell z.B. mit Hunden und Neujahrsgruß. Nicht ganz so schick auch in 100 Yen-Shops.
    Grüße aus Tokyo! :-)
    Chris

  5. Rebecca on 21. Dezember 2018 at 18:46 said:

    Hallo Tessa!
    Danke für den infornativen Artikel!
    Ich bin zur Zeit in Japan und meine Gastfamilie (Vater, Mutter und eine Tochter, 7 J.) hat mich eingeladen über Neujahr mit ihnen in Urlaub zu fahren, was ich als große Ehre empfinde.
    Daher würde ich gerne zu Neujahr etwas verschenken. Hast du eine gute Idee? Verschenkt man traditionell überhaupt unter Erwachsenen etwas?
    Dein Blog hat mir schon häufig weitergeholfen! Echt eine tolle Arbeit!
    Liebe Grüße!

    • Hallo Rebecca,

      generell schenkt man sich unter Erwachsenen nichts. Wenn du unbedingt etwas schenken möchtest, koche doch etwas Deutsches für die Familie. Zum Beispiel Bratkartoffeln mit Speck. ;)

      Viele Grüße aus Tokio
      Tessa

  6. Stephan Ritter on 31. Dezember 2018 at 11:56 said:

    Hallo,

    tjah, dieses Jahr sitze ich hier auch in Japan.
    Vor dem Fernseher, Soba essend und Kohaku Uta Gassen auf NHK schauend :D.
    Kurz vor Mitternacht gehts dann zum Tsuki Schrein hier in der Nähe (Urawa, Saitama) :) Und morgen zum Washinomiya Schrein.
    Die Tipps kann ich gut brauchen … Danke :)

    • Hallo Stephan,

      und wie war es? ;)

      Viele Grüße aus Tokio
      Tessa

      • Stephan on 6. Januar 2019 at 18:22 said:

        War ein einzigartiges Erlebnis. Klar, so ganz ohne Familie über Neujahr zu feiern, war schon etwas seltsam. Aber hat trotzdem Spaß gemacht.
        Der Schreinbesuch und die Ruhe dabei hatten irgendwas, woran man sich gewöhnen könnte :)
        Ich war 5min vor Mitternacht beim Schrein. Nach Ende von Kohaku Uta Gassen, bin ich gleich losgegangen, war ja in der Nähe, der Schrein. Dann hat jemand was gerufen (hab es leider nicht ganz verstanden) und die Schlange setzte sich in Bewegung. Dann hat es 30min gedauert, bis ich dann dran war.

        • Hallo Stephan,

          das kenne ich auch so. Mein erstes Neujahr verbrachte ich in Nara und ich habe nichts verstanden. xD

          Viele Grüße aus Tokio
          Tessa

  7. Markus on 3. August 2020 at 16:43 said:

    Liebe Tessa,

    ich bin gerade über den Punkt mit den Nengajo’s gestoßen, den Neujahrskarten.
    Gibt es etwas zu beachten bzw. muss diese Neujahrskarte speziell markiert sein, wenn man eine solche Neujahrskarte aus dem Ausland (zB. Österreich) nach Japan schicken will?

    LG
    Markus

    • Hallo Markus,

      das wichtigste ist, dass die Postkarte Anfang Januar ankommt. Ansonsten gibt es keine Bestimmungen, außer den Neujahrsgruss. ;-)

      Viele Grüße aus Tokio
      Tessa

      • Markus on 11. August 2020 at 18:55 said:

        Hallo Tessa,

        entschuldige bitte die späte Rückmeldung.
        Perfekt, dann werde ich schauen dass meine Karte entsprechend pünktlich ankommt und mit “nengajō” beschriftet ist. :-)

        Danke dir!

        LG
        Markus

        • Hallo Markus,

          statt “Nengajo” würde ich eher so etwas darauf schreiben:

          明けましておめでとうございます (Akemashite omedeto gozaimasu)
          新年おめでとうございます (Shinnen omedeto gozaimasu)
          謹賀新年 (Kinga Shinnen)
          Alle bedeuten “Frohes neues Jahr”!

          Viele Grüße aus Tokio
          Tessa

          • Markus on 12. August 2020 at 9:47 said:

            Hallo Tessa,

            danke für den Tip und die Vokabeln! :-)
            Ich dachte man muss die Karte mit “Nengajo” beschriften damit die jap. Post die Karten zurückhält und pünktlich am 1.1. zustellt?

            LG aus Österreich
            Markus

          • Hallo Markus,

            also ich hab noch einmal nachgeforscht. Du musst in Rot “年賀” darauf schreiben.

            Viele Grüße aus Tokio
            Tessa

        • Anonymous on 26. August 2020 at 15:37 said:

          Hallo Tessa,

          alles klar, vielen lieben Dank! :)

          LG
          Markus

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