Shizuoka Wanderung

[JP] Wandern und Onsen in Shizuoka 静岡 – Odaru Onsen 大滝温泉

Jetzt, wo die Tage wieder kürzer werden, lohnt sich ein Besuch in einer heißen Quelle (Onsen). Warum also nicht Onsen mit Wandern kombinieren? Über Facebook fand ich die Gruppe „Hiking, Climbing and Camping in Japan“. Der dortige Administrator, Dave, schlug eine Wanderung kombiniert mit Onsens auf der Halbinsel Shizuoka 静岡 vor. Spontan sagte ich zu, da die Halbinsel auch nur wenige Stunden von Tokio entfernt liegt. Zunächst fuhren wir zum berühmten Wasserfall Joren-no-Taki 浄蓮の滝, der von dem Berg Amagi 天城山 herunterfließt. Direkt neben dem Wasserfall kosteten wir auch die regionale Spezialität: Wasabi Softeis わさび. Danach machten wir uns auf den Weg zu den sieben Wasserfällen Kawazu Nanadaru 河津七滝, die wir auf Hängebrücken und Stegen erkundeten. Im Anschluss entspannten wir im berühmten Onsen Odaru 大滝温泉, das direkt neben einem großen Wasserfall liegt. Am Nachmittag schauten wir uns die wilde Küsten-Landschaften der Insel Ebisu Jima 恵比須島 an. Bevor es zurück nach Tokio ging, ließen wir den Abend am Strandbad Onsen Kurone 黒根岩風呂 ausklingen.


Distanz: 1,3 km
Dauer: 6 / 1 Stunde (Onsen/Wandern)
Höhenmeter: 339 m
Anstieg: 94 m
Abstieg: 104 m
Schwierigkeitsgrad: ✭ ✩✩✩✩
Jahreszeit: Ganzjährig
Fotos: 9. Juli 2015


Die Fahrt

Es ist noch früh am Morgen, als ich den Bahnhof Atsugi 厚木駅 erreiche. Am Ausgang bleibe ich aber stehen, da es gerade wie aus Kübeln schüttet. Plötzlich bemerkte ich neben mir eine blonde Ausländern und einen älteren Japaner. Beide sprechen mich sogleich an: „Gehst du auch zum Facebook Event?“ „Klar!“, antworte ich. Sie ist 22 Jahre alt, heißt Maria und kommt aus Schweden. Maria trägt figurbetonte, sportliche Kleidung, die man in Japan selten sieht. Er ist ungefähr 65 Jahre alt, heißt Shinji und ist zurzeit auf Jobsuche. Keine 5 Minuten später läuft Dave um die Ecke und winkt uns zu. Dave kommt ursprünglich aus Amerika, geht gerne wandern und ist um die 50 Jahre alt. Wir gehen zusammen zu seinem Mietwagen, der ein komisches Nummernschild besitzt. Früher einmal hat Dave beim amerikanischen Militär gearbeitet und kann deswegen direkt von der Basis Leihwagen ausleihen. Während der Fahrt stellen wir schnell fest, dass Maria nur Englisch und Shinji nur Japanisch kann… Wir versuchen also eine Mischung aus beiden Sprachen zu sprechen. Maria erzählt, dass sie Studentin sei und nur für eine Woche Tokio besucht. Ab nächster Woche fliegt sie für ein ganzes Jahr nach Australien, um dort zu reisen und zu arbeiten. Eine Freundin von ihr, die in Tokio lebt, hat ihr eine Tour mit Dave empfohlen, so dass sie spontan an dieser Tour teilnimmt. Shinji ist auf Arbeitssuche und verheiratet. Früher war er mal Kaufmann. Leider ist er sehr wortkarg.

Dave fährt zügig auf die Autobahn Richtung Shizuoka und hält an der ersten Mautstelle an. Er überreicht einen Scheck an die Kassierin. „Die erhalte ich immer zusammen mit dem Wagen. Dann sind nämlich die Mautstellen kostenlos!“, erklärt Dave. In Japan müssen übrigens alle Fahrzeuge Gebühren zahlen, außer militärische. Sachen gibt es!

Der Wasserfall Joren-no-Taki

Nach 3 Stunden erreichen wir unser erstes Ziel den Wasserfall Joren-no-Taki 浄蓮の滝. Dave lenkt den Wagen auf den großen kostenlosen Parkplatz. Am Wasserfall scheint schon recht viel Betrieb zu sein, da auf dem Parkplatz einige Busse und Autos parken. Auf der rechten Seite entdecken wir Souvenirläden, die verschiedene Wasabi-Produkte anbieten. Dave empfiehlt uns das Wasabi-Eis für 300 Yen zu probieren. Maria und Shinji lehnen ab und schauen sich im Laden um. Mutig kaufe ich das Eis und probiere es vorsichtig. Der erste Eindruck ist gar nicht so schlecht. Es schmeckt zunächst nach Vanille. Doch dann kommt der fiese scharfe Nachgeschmack und mir wird fast übel. Wow! Tapfer esse ich das Eis weiter, bis ich es nicht mehr aushalte. Wir verlassen den Laden und steigen die Treppen neben den Souvenirläden herunter. Auf den Stufen stehen einige Chinesen herum, die uns den Weg versperren. In der Mitte der Treppe sehen wir ein kleinen Schrein.

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Schon wenige Minuten später hören wir den Wasserfall, können diesen aber noch nicht sehen. Wir passieren weitere Souvenirläden, die gegrillten Flussfisch Aju, der auf einem Stäbchen gespießt wurde, anbieten. Große Schilder laden den Besucher ein, seinen Fisch gegen eine Gebühr selbst zu angeln. Hinter den Läden erblicken wir dann endlich den 25m hohen Wasserfall Joren-no-Taki 浄蓮の滝.

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Der Strom entspringt aus dem Berg Amagi 天城山, den ich letztes Jahr bestieg (Link). Direkt neben dem Wasserfall sehen wir kleine abgegrenzte Felder. Dave erklärt uns, dass dort Einheimische die Wasabi Pflanzen züchten.

Die sieben Wasserfälle Kawazu Nanadaru

Nach wenigen Minuten gehen wir zum Parkplatz zurück und fahren weiter Richtung Parkplatz Mizutare 水垂駐車場 zu den sieben Wasserfällen Kawazu Nanadaru 河津七滝. An der Landstraße 414 entdecken wir die Bushaltestelle Mizutare 水垂, biegen direkt daneben in eine kleine Straße und erreichen so den Parkplatz Mizutare 水垂駐車場. Die Koordinaten für den Parkplatz sind übrigens 34.800778, 138.933344. Genau dann fängt es, stärker an zu regnen. Wir packen unsere Regenkleidung aus und machen uns startbereit. Der Weg ist abgesperrt mit „Road closed!“. Dave ignoriert das Schild und springt einfach darüber. Unsicher folgen wir ihm mit einem mulmigen Gefühl. Hoffentlich wird deswegen nicht meine Aufenthaltserlaubnis entzogen?? Der Pfad ist vollständig verschlammt, bis wir vor einer großen Treppe stehen, die tief in die Schlucht herunterführt. Maria stoppt davor und sagt: „Tut mir leid, aber ich glaube, mein Knie überlebt den Abstieg nicht!“ Bedauernd steigen wir zu dritt die lange Treppe herab. An einer Kreuzung biegen wir nach rechts Richtung Saruta Depth 猿田淵 ab und überqueren die Schlucht auf einer Hängebrücke. Feuchtes Laub liegt auf den rutschigen Stufen, so dass wir noch vorsichtiger gehen müssen. Dann stehen wir auf einer Plattform vor dem Saruta Depth 猿田淵.

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Der Legende nach gab es eine Gottheit, namens Sarutahiko-no-mikoto 猿田彦命, die für die Sicherheit von Reisenden verehrt wird. Diese Gottheit reiste durch ganz Japan. An einem Tag kam Sarutahiko-no-mikoto 猿田彦命 zu dem Berg Amagi und spazierte an dieser Untiefe vorbei. Eine eingeschlossene Forelle sprang aus dem Wasser in seine Arme. Danach benannten die Dorfbewohner diese Untiefe nach ihm.

Wir gehen zurück zur Kreuzung und biegen Richtung Kama-Daru Wasserfall 釜滝 ab. Shinji verabschiedet sich und läuft zurück zum Auto. Seine Stoffhose ist mittlerweile komplett durchnässt. Über zahlreiche Stufen steigen Dave und ich die Treppe hinab. Keine 5 Minuten später stehen wir vor dem 22 m hohen Wasserfall.

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Ich hatte mir den Wasserfall kleiner vorgestellt. Doch durch die starken Regenfälle führt er heute deutlich mehr Wasser. Ich bin begeistert und wage mich auf die Plattform, die nah an ihn heranführt. Der Wind bläst mir feine Wassertropfen entgegen, so dass ich es nicht lange aushalte. An der Plattform beschreibt eine Informationstafel die unterschiedlichen Gesteinsschichten, die man an den Felswänden erkennen kann. Wir können nicht wirklich etwas erkennen und gehen weiter. Zunächst halten wir uns links und direkt hinter der Hängebrücke rechts.

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Auf der rechten Seite fließt der wenig beeindruckende Krabben Wasserfall Ebi-Daru エビ滝. Wir steigen eine steile Treppe hinauf und erreichen wieder den Wasserfall Kama-Daru 釜滝, dieses Mal von der anderen Seite.

Das Onsen Odaru 大滝温泉

Zurück am Auto fahren wir ein kurzes Stück zum berühmten Onsen Odaru 大滝温泉. Wir parken unser Auto auf einem der kostenlosen Parkplätze, die ausgeschildert sind. Beim Aussteigen kommt uns ein freundlicher Wirt entgegen, der uns in sein Lokal versucht zu ziehen. Höflich lehnen wir sein Angebot ab und gehen zum Onsen. Überraschenderweise stellen wir fest, dass wir die Schuhe nicht im Eingang ausziehen müssen. In Japan muss man eigentlich immer seine Schuhe ausziehen. Zur Verhaltensweise im Onsen empfehle ich den Bericht über Onsen zu lesen. Auf der linken Seite entdecken wir die Kasse für Tagesbesucher Nichigaeri 日帰り. Wir bezahlen 1500 Yen für den Außenbereich und begeben uns zu den Umkleidekabinen. Der Frauenbereich ist mit einem roten Vorhang gekennzeichnet. Maria und ich ziehen unsere Schuhe im Eingangsbereich aus und betreten die Umkleidekabine. Auf der linken Seite gibt es für 200 Yen Schließfächer und auf der rechten kostenlose für Hotelgäste. Der Umstand wird aber nur in Japanisch erklärt. 😉

Wir ziehen unsere Schwimmsachen an und treten ins Freie. Plastik-Sandalen und Regenschirme können wir uns kostenlos ausleihen. Auf dem rutschigen Untergrund nehmen wir das Angebot dankbar an. Kleine Hinweisschilder führen uns schließlich in die Richtung des großen Wasserfall 大滝. Zitternd vor Kälte steigen wir eine lange Treppe herunter, bis wir den Wasserfall erreichen.

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Davor befinden sich einige Bäder, die mit heißem Wasser gefüllt sind. Wir setzen uns in eines der Bäder und genießen den Anblick auf den Wasserfall Odaru 大滝.

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Übrigens dieses Onsen wurde als Kulisse für den Film THERMAE ROMAE verwendet. Direkt neben dem Wasserfall finden wir Umkleidekabinen und eine kleine Höhle, die wir natürlich erkunden müssen.

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Dort herrschte leider eine Luftfeuchtigkeit von über 100%, so dass uns schnell warm wird.

Die Ebisu Jima Insel 恵比須島

Zurück im Auto sucht Dave spontan auf einer Karte nach einer kleinen Insel und entdeckt die Insel Ebisu Jima 恵比須島. Dort halten wir auf einem kleinen Parkplatz mit Toiletten und gehen über eine Brücke zur Insel. Wunderschöne Steinformationen gibt es dort zu entdecken!

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Oben auf der Insel entdecken wir ein Denkmal und einen Schrein. Leider können wir die Schriftzeichen nicht lesen.

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Die Aussicht wird immer besser, da der Regen langsam aufhört. Eine Tafel beschreibt die Besonderheiten der Insel: „Früher wurden an der Insel Steinblöcke für Bauwerke herausgeschnitten und abtransportiert. Die Einschnitte kann man heute noch im Wasser sehen.“ Und tatsächlich können wir dunkle Vierecke im Wasser erkennen. Langsam schlendern wir zurück zum Auto.

Das Kurone Onsen 黒根岩風呂

Dann fahren wir an der Küste ein Stück Richtung Tokio. Die schöne Küsten-Landschaft lasst uns manches mal vor Erstaunen verstummen. Nach einer Stunde erreichen wir endlich das Onsen Kurone 黒根岩風呂. Wir parken auf dem kostenlosen Parkplatz und gehen zum Onsen. In einem kleinen Häuschen bezahlen wir 600 Yen und betreten das Onsen über eine kurze Treppe. Unten erwartet uns das große Männerbad und das Gemeinschaftsbad.

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Auf der linken Seite können sich die Männer umziehen und auf der rechten Seite die Frauen hinter einer Wand. Maria und ich gehen zum Frauenbereich Onnayu 女湯 und ziehen unsere Schwimmsachen an, da wir noch etwas scheu sind. Dave und Shinji springen komplett nackt ins Onsen. Im Frauenbereich gibt es ein abgetrenntes Bad, das einen schönen Blick über den Stein-Strand bietet.

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Nach ein paar Minuten ruft Dave uns zu, dass wir doch auch ins Gemeinschaftsbad kommen sollten. Wir gehen rüber und sind zunächst über seine Ungezwungenheit erstaunt. Maria und ich versuchen überall nur nicht dort hinzuschauen. Shinji scheint unsere Verlegenheit zu bemerken und legt sich ein Handtuch über seine Beine. Der Blick auf das Meer ist einfach fantastisch, doch schon nach einer Stunde müssen wir das Bad verlassen und begeben uns auf den Heimweg.

Insgesamt war diese Tour aufregend und entspannend zu gleich! Falls ihr auch in Japan Autofahren wollt, dann müsst ihr folgendes beachten: Link.

Nützliche Schriftzeichen:
Bahnhof Atsugi 厚木駅
Wasserfall Joren-no-Taki 浄蓮の滝
Kawazu Nanadaru 河津七滝
Parkplatz Mizutare 水垂駐車場
Bushaltestelle Mizutare 水垂
Tiefe Saruta Depth 猿田淵
Gottheit Sarutahiko-no-mikoto 猿田彦命
Wasserfall Kama-Daru 釜滝
Wasserfall Ebi-Daru エビ滝.
Onsen Odaru 大滝温泉
Tagesbesucher Nichigaeri日帰り
großen Wasserfall 大滝
Insel Ebisu Jima 恵比須島
Onsen Kurone 黒根岩風呂
Frauenbereich Onnayu女湯

Links:
Wasserfall Joren-no-Taki: http://www.att-japan.net/
Kawazu Nanadaru (Sieben Wasserfälle): http://www.att-japan.net/
Onsen Odaru: http://www.amagisou.jp/
Ebisu Jima: http://izu-sakuraya.jp/snorkeling/ebisujima/index.htm
Kurone Onsen http://www.hokkawa-onsen.com
Führerschein: https://www.japan-experience.de/


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