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[JP] Auf Felsen wandern: Schlucht Shosenkyo 昇仙峡

Die Schlucht Shosenkyo 昇仙峡, die zu den schönsten in ganz Japan gehört, liegt im nördlichen Teil der Stadt Kofu in der Yamanashi Präfektur. Ihr Charme wird im Frühling durch die Kirschblüten, im Sommer durch die bunten Azaleen und im Herbst durch die farbenfrohe Herbstfärbung unterstrichen. Die 14,6 km Wanderung startet an der Bushaltestelle Shosenkyo-Takinoue 昇仙峡滝上. Von dort geht es direkt zum 30 m hohen Wasserfall Sengadaki 仙娥滝, der zu den 100 schönsten und berühmtesten Wasserfällen Japans zählt. Im Anschluss wandern wir auf breiten Wegen parallel zum Fluss Arakawa 荒川 an faszinierenden Felsformationen vorbei, bis wir eine Brücke überqueren und den Eingang von unserem Wanderweg erreichen. Ab dieser Stelle geht es direkt über die Felsen bergauf. Unterwegs erhalten wir schöne Ausblicke auf Felsformationen, Schluchten und grüne Bergketten. Endlich oben am Berg Yasaburoudake 弥三郎岳 angekommen, überblicken wir die weite Ebene und entdecken sogar den Fuji in der Ferne.


Details:
Distanz: 14,6 km
Dauer: 4.15/5.55 Stunden (ohne/mit Pausen)
Höhenmeter: 1058 m
Ansteigend: 864 m
Absteigend: 461 m
Schwierigkeitsgrad: ✭ ✭ ✩ ✩✩
Jahreszeit: Ganzjährig
Startpunkt: Bahnhof Kofu 甲府駅 Chuouhon Linie中央本線 → Yamanashi Kotsu Bus 山梨交通バス → Bushaltestelle Shosenkyo-Takiue昇仙峡滝上
Endpunkt: Bushaltestelle Shosenkyo-Takiue昇仙峡滝上 → Bahnhof Kofu 甲府駅 Chuouhon Linie中央本線
Fotos: 7. November 2015


 

Die Wanderung

Am Bahnhof Kofu 甲府駅 treffen meine Begleiter (Saito und Uesugi) und ich gegen 8 Uhr ein und stellen fest, dass gerade der Bus-Bahnhof umgebaut wird. Der Bus Richtung Shosenkyo 昇仙峡 fährt in dieser Zeit von der Haltestelle 9 ab. Auf dem Bus-Plan finden wir schnell die Haltestelle und stellen schon mal unsere Rucksäcke dort ab. Wir sind die ersten, da der Bus erst eine Stunde später einfährt. Aus Erfahrung reisten wir extra früher an, um auch ganz sicher während der 50-minütigen Fahrt, einen Sitzplatz im Bus zu erhalten. Uesugi geht in der Zwischenzeit im nächsten Konbini sein Frühstück und Mittagessen einkaufen. Saito und ich halten die Stellung an der Bushaltestelle. Keine 10 Minuten später reiht sich hinter uns eine größere Reisegruppe an, die mit dem Expresszug aus Tokio anreist ist. Plötzlich werden wir von der Seite angesprochen und ein älterer Mann in einer Uniform spricht uns an: „Wie weit möchten Sie fahren?“ „Bis zur Endstation bitte!“, antworten wir und bezahlen pro Person 900 Yen bis nach Shosenkyo-Takinoue 昇仙峡滝上. Wir erhalten von ihm eine Bus-Fahrkarte und vergraben diese tief in unseren Taschen.

Pünktlich um 9.10 Uhr fährt der Bus vor. Hinter uns reiht sich eine riesige Menschenschlange. Ob wir da überhaupt alle reinpassen? Wir setzen uns relativ weit nach vorne, um nachher früher aussteigen zu können. Schnell füllt sich der Bus, bis wirklich niemand mehr reinpasst. Unser Busfahrer schließt die Türen und fährt los. Es geht über abenteuerliche Bergstraßen tief in die Berge. Während der Fahrt hören wir die Ansage: „Achtung ab hier wird es kurvig! Halten Sie sich gut fest!“ Wir grinsen.

Irgendwann erreichen wir die Endstation Shosenkyo-Takinoue 昇仙峡滝上. Bevor wir den Bus verlassen, werfen wir die Fahrkarte beim Fahrer in den Kasten. Auf der linken Seite entdecken wir die Gallerie Kagee-no-Mori 影絵の森美術館. Dort gibt es auch ein Cafe und Restaurant. Wir gehen zunächst nach rechts und überqueren den Fluss auf der Brücke.

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Auf der anderen Flussseite erwarten uns Souvenirläden, Restaurants und Imbissbuden. Wir passieren eine kleine Einkaufstraße und halten uns an der nächsten Kreuzung links. Dort bieten einige Läden Weine und Bergkristalle der Gegend an. Nach wenigen Metern stehen wir an einer langen Treppe, die wir heruntersteigen. Mehrere Reisegruppen kommen uns entgegen und versperren uns den Weg. Plötzlich zeigt Saito nach links und wir entdecken den wunderschönen Wasserfall Sengadaki 仙娥滝, der von buntem Blätterlaub eingerahmt ist. Begeistert betrachten wir das Naturschauspiel.

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Hinter uns hören wir schon die nächste Reisegruppe, so dass wir weiter gehen. Hinter der nächsten Kurve erwartet uns ein riesiger Felsvorsprung, der direkt über dem Weg hängt.

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„Größer als 1,80 m darfst du aber nicht sein“, stellt Uesugi fest und fast mit einer Hand den massiven Felsbrocken an. Wir überqueren eine Brücke und können dann zum ersten Mal die Schlucht besser sehen. Im Flussbett liegen große Felsbrocken, die im Laufe der letzten Jahrhunderte von den Felsvorsprüngen heruntergefallen sind oder mit der Flussströmung hierher transportieren worden sind. Dann stehen wir auch schon vor dem beeindruckenden Tor Ishi-mon 石門, das ganz natürlich durch zwei Felsen entstanden ist.

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Interessanterweise berühren sich die beiden Felsenbrocken nicht. Wir gehen weiter auf dem breiten Weg, dabei streift unser Blick immer wieder hinauf zu den Felswänden. Nach nur wenigen Minuten erreichen wir einen kleinen Ahorn-Wald, der in einem wunderschönen Rot erstrahlt. Saito und Uesugi zücken ihre Kameras und versuchen den Moment festzuhalten.

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In jeder Ecke stehen Fotografen mit großen Objektiven, die uns den Weg versperren. Geduldig warten wir, bevor wir endlich weiter können. Der Weg führt uns vorbei an einigen Restaurants, die Eintöpfe, gegrillte Fische und Reisbällchen anbieten. Vor dem Toilettenhäuschen biegen wir rechts ab, um die großen Felsbrocken im Flussbett näher zu betrachten. Von dort können wir auch gut die Felsenwände sehen.

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Zurück an der Straße entdecken wir immer wieder Schilder, die auf interessante Felsbrocken aufmerksam machen, die jeweils eine besonders interessante Form aufweisen. Wir passieren einen ruhigen Rastplatz, der von einem schönen Ahorn-Wald umschlossen ist.

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Gegen Mittag erreichen wir einen großen Parkplatz und einige Restaurants. Dort steht auch ein Pferdewagen bereit, den Besucher buchen können. An der Kreuzung biegen wir rechts ab und überqueren die Brücke Nagatoro-Bashi 長潭橋.

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Direkt dahinter geht der Wanderweg Richtung Yasaburoudake・Rakanjiyama弥三郎岳・羅漢寺山 ab. Das kleine braune Schild ist leicht zu übersehen. Von dort geht es durch ein kleines Tor steil bergauf.

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Wir fangen schon nach wenigen Minuten an zu schwitzen und ziehen unsere Jacken aus. Plötzlich stehen wir auf einer gut ausgebauten Straße. Hier folgen wir dem kleinen Schild nach rechts Richtung Rakanyama 羅漢山, bis wir nach einigen Metern auf den Wanderweg Richtung Robeway ロブウエイ abbiegen. Der Pfad sieht ziemlich verlassen aus, doch ein weiteres Schild Richtung Panorama-dai パノラマ台 beruhigt uns schnell. Wieder geht es bergauf, bis wir an einer großen Kreuzung ankommen. Hier richten wir uns nach den Schildern. An einer unübersichtlichen Stelle folgen wir den pinken Bändern an den Bäumen. Hier aufpassen! Langsam bekommen wir Hunger und biegen an der nächsten Abzweigung Richtung Tachinonukiiwa 太刀の抜き岩 ab. Keine 5 Minuten später stehen wir auf einem Felsvorsprung und überblicken die weite Ebene. Wow!

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Unterhalb des Felsens packen wir unsere Gaskochern aus und bereiten unser Mittagessen zu. Mit einer unglaublichen Aussicht entspannen wir uns. In der Ferne hören wir ein leichtes Donnergrollen. „Keine Angst, das sind Flugzeuge vom Flughafen Matsumoto!“, erklärt mir Saito. Beruhigt packen wir unsere Sachen zusammen, bevor wir weiter Richtung Panorama-daiパノラマ台 ziehen. Erstaunlicherweise begegnet uns auf dieser Strecke kaum ein Wanderer, so dass wir den farbenfrohen Wald für uns ganz alleine haben. Wenige Schritte später erreichen wir den nächsten Aussichtspunkt Hakusan-Tenbodai 白山展望台.

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Vor uns liegt ein weißer sandiger Felsen, der schöne Ausblicke auf die weite Ebene ermöglicht. Jetzt sind wir ganz Feuer und Flamme und wandern im Schnellschritt zum nächsten Aussichtspunkt dem Berg Shirosunayama 白砂山. Erneut klettern wir auf den weißen Felsen herum.

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Während unseres Aufstiegs hören wir immer wieder eine Glocke läuten. Ob dort ein Fest gefeiert wird? Schließlich geht es weiter bergauf und wir erreichen einen weiteren Felsvorsprung. An seiner Spitze entdecken wir die besagte Glocke.

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Liebespaare läuten diese Glocke, um Glück in der Beziehung zu erhalten. Auf der anderen Seite erkennen wir schon einen roten Schrein Yakumo-jinja 八雲神社, der seit der Eiroku Zeitalter (1558-1570) existiert und dem Gott der Heirat gewidmet ist.

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Heutzutage kommen viele Verlobte zu diesem Schrein, um ihre Liebe zu festigen. Außerdem gibt es direkt daneben den Baum, der viel Glück bringen soll. Hinter dem Schrein befinden sich mehrere Restaurants und die Seilbahnstation. Von einer Plattform können wir hinab ins Tal blicken. In der Ferne erspähen wir sogar den Fuji. Hinter der Seilbahnstation entdecken wir einige Verkaufsstände, die goldene Glöckchen anbieten. Eine große Tafel erzählt die Geschichte hinter den Glöckchen:

Einer Legende nach wollte ein Mann unbedingt ein Zauberer werden. Er verbrachte voller Begierde mehrere Tage auf dem Berg Yasaburoudake 弥三郎岳, um seinen Traum zu verwirklichen. Dabei vergaß er vollständig die Zeit. Obwohl er mit vollem Herzen sein Bestes gab, verließ ihm der Mut und stieg den Berg hinab. Unterwegs verspürte er einen Hunger und entdeckte hoch in den Felsen einige goldene Trauben. Unter Einsatz seines Lebens besteigt er den Felsen und pflückt zwei Trauben. Die eine aß er sofort, die andere steckt er in seine Tasche. Während er wieder hinabsteigt, bemerkt er eine kraftlose Eule auf einem Vorsprung. Da der Mann Mitleid hatte, gab er der Eule die Traube ab und sagte zu ihr: „Pass bitte auf dich auf!“ Plötzlich ertönte eine Glocke und die Eule sowie der Mann waren von einem goldenen Licht eingehüllt. Der Mann hörte eine Stimme: „Guten Tag! Bis heute hast du versucht ein Zauberer zu werden. Du hast dein Bestes geben, deswegen werde ich dich heute in einen Zauberer verwandeln!“ Als er dies hörte, verwandelte sich der Mann in eine goldene Glücks-Eule, die den Berg bis heute beschützt. Man sagt die goldenen Glocken sollen viel Glück bringen.

Ahh, ja…. Und tatsächlich halten viele Japaner so eine Glocke in der Hand. Wir gehen hinter der Seilbahn Richtung Berg Yasaburoudake 弥三郎岳 nach rechts und erreichen den Wanderweg. Dort klettern wir wieder über Felsen.

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In regelmäßigen Abständen bleiben wir vor der Aussicht stehen.

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Kurz vor dem Gipfel entdecken wir einen kleinen Schrein.

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Um den Gipfel zu erreichen, müssen wir zahlreiche Leitern und Ketten benutzen.

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Endlich oben auf dem runden Felsbrocken angekommen genießen wir die 360 Grad Aussicht auf die umliegenden Bergketten.

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In der Ferne können wir den Berg Kinpusan und den Fuji erkennen. In dem Moment gesellt sich eine Gruppe zu uns, die sich lautstark neben uns unterhält. Uns vergeht die Lust länger zu bleiben und gehen zurück zur Seilbahn. Dort kaufen wir uns an dem angrenzenden Restaurant eine Fahrkarte (650 Yen).

Glücklicherweise erreicht in diesem Augenblick die Gondel die Station, so dass wir zur Gondel rennen. Dort werden wir gleich eingequetscht und können von der Aussicht nicht viel erkennen. Endlich unten angekommen, laufen wir aus der Seilbahnstation heraus und stehen mitten auf einem großen Parkplatz. Dort halten wir uns rechts, bis wir an der Bushaltestelle Shosenkyo-Takinoue 昇仙峡滝上 ankommen. Pünktlich um 16.22 Uhr fährt der Bus vor und wir fahren nach Hause.

Insgesamt war dies eine abenteuerliche Wanderung, die ich nur empfehlen kann. Man kann auch mit dem Auto anreisen. Es gibt genügend kostenlose Parkplätze.

Wegweiser:
Shosenkyo-Takinoue昇仙峡滝上 → Shosenkyo昇仙峡 → Tenjinmori 天神森 → Nagatoro-Bashi Brücke 長潭橋 → Yasaburoudake・Rakanjiyama弥三郎岳・羅漢寺山 → Robewayロブウエイー→ Panorama-daiパノラマ台 → Tachinonukiiwa太刀の抜き岩 → Robeway Sanchoロープウェイー山頂 → HakusanTenbodai 白山展望台 → Panorama-daiパノラマ台 → Shirosunayama白砂山 → Panorama-daiパノラマ台 → Yasaburoudake弥三郎岳→ Panorama-dai-ekiパノラマ台駅 → Shosenkyo-Takinoue昇仙峡滝上

Nützliche Schriftzeichen:
Schlucht Shosenkyo 昇仙峡
Berg Yasaburoudake 弥三郎岳
Platz Tenjinmori 天神森
Brücke Nagatoro-Bashi 長潭橋
Berg Yasaburoudake弥三郎岳
Berg Rakanjiyama 羅漢寺山
Seilbahn Robewayロブウエイー
Platz Panorama-daiパノラマ台
Aussichtspunkt Tachinonukiiwa太刀の抜き岩
Seilbahn Gipfel Robeway Sanchoロープウェイー山頂
Aussichtspunkt Berg Hakusan Tenbodai 白山展望台
Berg Shirosunayama白砂山
Bahnhof Panorama-dai-ekiパノラマ台駅

Links:
Yamanashi Kotsu Bus: http://yamanashikotsu.co.jp
Shosenkyo Seilbahn: http://www.shousenkyo-r.jp
Zugverbindungen: http://www.hyperdia.com/


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