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[Ausflug] Spaziergang durch Klein-Edo Kawagoe 川越

Dieses mal nehme ich dich mit nach Klein-Edo Kawagoe 川越, das nur eine 30 Minuten Zugfahrt von Zentral Tokio entfernt liegt. Die Stadt ist berühmt durch seine alten Lagerhäuser, die seit der Edo-Zeit (1603-1868) bis heute erhalten geblieben sind. Seit der Edo-Zeit betrieb Kawagoe engen Handel mit der Stadt Edo, dem heutigen Tokio, und entwickelte sich so zu einer größeren Handelsstadt. Im Gegensatz zu Tokio blieben die alten Lagerhäuser erhalten, so dass du in die Edo-Zeit eintauchen kannst. In Kawagoe findest du übrigens die letzten erhaltenen Gebäude der Edo-Burg, dem heutigen Kaiserpalast, und einige schöne Kulturgüter.


Details
Distanz: 11,1 km
Dauer: Tagesausflug (ca. 6 Stunden)
Startpunkt: Bahnhof Kawagoe 川越駅 Linie Tobu Tojo 東武東上線
Endpunkt: Bahnhof Kawagoe 川越駅 Linie Tobu Tojo 東武東上線
Fotos: 16. März 2016


Der Spaziergang

Die Anfahrt vom Tokioer Bahnhof Ikebukuro dauert nur unschlagbare 30 Minuten, dann stehen wir schon am Bahnhof Kawagoe 川越駅. Zunächst holen wir uns an der Touristeninformation, die links hinter den Schranken ist, eine Übersichtskarte, um uns besser zu orientieren.

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Dann verlassen wir das Gebäude, gehen schräg rechts über die Brücken über den Busbahnhof und steigen die Treppe ab. An der dritten Ampel biegen wir dem Schild Tempel Kita-in 喜多院 folgend nach links ab.

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Wir erreichen nach einigen Metern auf der linken Seite das Tor zum Tempel Kosai-ji光西寺.

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Wir können an dem Tor rechts vorbei gehen und das Tempelgelände betreten.

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Neben einigen Gräbern entdecken wir auch einen wunderschönen japanischen Garten mit einem Tee-Haus.

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Eine Katze scheint sich gerade auf der Veranda zu strecken. Wir wollen sie nicht stören und gehen weiter. Nur wenige Schritte weiter stoßen wir auf den Tempel Naka-in 中院, der auch ein schönes Tor samt Glocke besitzt.

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Das alte Holzgebäude und die Laternen lassen uns staunend stehen bleiben.

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Auf der rechten Seiten finden wir erneut ein Tee-Haus mit einem wunderschönen Steinweg.

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Durch ein weiteres Tor verlassen wir das Gelände und folgen der Straße, bis wir ein weiteres Tor auf der linken Seite entdecken. Wir passieren es und stehen vor einem großen Steintor.

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Nachdem wir die Treppen hinaufgestiegen sind, können wir den roten Schrein Senba-Toshougu 仙波東照宮 sehen.

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Der Schrein dient als Denkmal für den ersten und berühmtesten Shogun Tokugawa Ieyasu. Den Shogun kennen wir schon von unseren Wanderungen in Odawara. Hier fragen wir uns, warum wurde so ein wichtiger Mann in diesem kleinen Dorf geehrt?

Zur Edo-Zeit (1603-1867) war die Stadt Kawagoe ein bedeutendes Handelszentrum und strategisch wichtig. Das Shogunat entsendete seine Loyalisten zur Burg Kawagoe, um die Städte stärker zu verbinden. Aus dem Grund residierten viele bedeutende Persönlichkeiten in der Stadt. Kawagoe orientierte sich stark an dem Vorbild Edos und übernahm viele Kultur-Aspekte und Architekturen. Noch heute sind dieses alten Gebäude erhalten geblieben und wird deswegen von den Besuchern auch liebevoll Klein-Edo genannt.

Die heutigen Gebäude stammen übrigens aus dem 16. Jahrhundert und sind teilweise nach Feuer und Katastrophen rekonstruiert worden. Wir steigen die Treppe herunter und gehen durch ein kleines Wäldchen zum Tempel-Gebäude Jingendo 慈眼堂.

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Es gehört zum Kulturerbe Japans. Gegenüber sehen wir ein reichlich verzierten Glockenturmtor Shoromon 鐘楼門.

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Uns gefallen besonders die vielen kleinen Verzierungen unter dem Dach. Dann entdecken wir die Waschstelle und den Turm Taho-to 多宝塔.

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Der Turm oder auch Pagode genannt diente zur Verehrung von Buddha und zog im 6. Jahrhundert über Indien nach Japan ein. Hinter der Waschstelle treffen wir auf das Hauptgebäude vom Tempel Kita-in 喜多院.

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Der Tempel wurde von dem berühmten Mönch Ennin in der Heian-Zeit (794-1192) gegründet. In der Edo-Zeit (1603-1867) besaß der Tempel enge Kontakte mit dem Shogunat, so dass der Shogun Iemitsu Teile der Edo Burg (heutiger Kaiserpalast Tokio) nach Kawagoe brachte. Heute sind diese die letzten verbleibenden Gebäude der Edo-Burg, da die ursprüngliche Burg durch das große Kanto-Erdbeben 1923 in Tokio zerstört worden sind.

Wir gehen rechts an dem Hauptgebäude vorbei zu einem winzigen Eingang, der zu der Edo-Burg gehört. Dort ziehen wir unsere Schuhe aus. An der Kasse zahlen wir 400 Yen Eintritt und betreten die alten Gänge der alten Edo-Burg.

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Speziell gefällt uns der japanische Garten mit seinen schönen Steinwegen.

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Im Inneren dürfen wir leider nicht fotografieren. Einer Legende nach, soll der Shogun Iemitsu hier in einem Raum geboren sein. Wir verlassen die Burg und passieren den roten Turm, um zum Kiosk daneben zu gelangen.

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Hier zeigen wir erneut unsere Burg-Karte vor, dann betreten wir den Garten Gohyaku Rakan 五百羅漢.

In dem Garten befinden sich 540 Steinstatuen, die die Schüler von Buddha darstellen. Jede Statue unterscheidet sich nicht nur durch die Gestalt, sondern auch durch ihren Gesichtsausdruck.

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Teilweise halten die Statuen die Tierkreiszeichen oder Papierrollen in den Händen.

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Eine besitzt sogar eine Brille. Wir freuen uns am meisten über diese, die uns freundlich angrinst:

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Nach einiger Zeit verlassen wir das Gelände durch das Sammon Tor 山門 und folgen den Schildern nach links Richtung Burg Honmaru Goten 本丸御殿. Durch enge Gassen und Seitenstreifen spazieren wir zur Burg Honmaru Goten 本丸御殿.

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Die Burg Honmaru Goten, auch Burg Kawagoe genannt, wurde 1457 erbaut und diente als Machtzentrum der Handelsstadt. In der Edo-Zeit wohnten 21 Loyalisten des Tokugawa Shogunats in dieser Burg und regierten die Stadt. Das heutige Gebäude wurde allerdings 1848 errichtet.

Neben dem Eingang entdecken wir ein kleines Model der damaligen Burg.

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Wir ziehen unsere Schuhe im Eingang aus, zahlen 100 Yen Eintritt und wandern durch einen dunklen Gang.

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Als erstes fallen uns die schönen Gebäude auf, die 2011 frisch renoviert worden sind.

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In einem Raum können wir drei Feldherren betrachten, um einen Eindruck der damaligen Zeit zu erhalten.

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Die Gebäude und Gänge gefallen uns sehr. Schön sind auch die Hofgärten im inneren der Burg.

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Nach diesem kurzen Rundgang verlassen wir das Gebäude und folgen den Schildern Richtung City Museum 市立博物館. Nur wenige Schritte weiter stehen wir vor dem Gebäude.

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Im Museum zahlen wir 200 Yen Eintritt und erfahren einiges über die Geschichte der Stadt Kawagoe. Zum Beispiel lernen wir die Gebäude aus verschiedenen Epochen und einige Artefakte kennen. Außerdem lernen wir viel über die Bauweise der Lagerhäuser, die wir uns später ansehen werden.

Direkt neben dem City Musuem entdecken wir die Kunsthalle City Art Museum 市立美術館, in dem gerade eine japanische Kunstaustellung stattfindet.

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Diese schenken wir uns und folgen der Straße nach links. Auf der linken Seite fällt uns eine kleines Tor auf.

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Dahinter können wir einen Graben der Kawagoe Burg betrachten. Wir setzen unseren Weg fort und biegen an der vierten Ampel nach links in die Alte Lagerhallen Kurazukuri Zone 蔵造りの町並み ein. In dem Moment kommt uns der „alte“ Loop Bus entgegen.

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Dieser ist die Touristen-Bus-Linie, die alle Sehenswürdigkeiten anfährt. Man bezahlt 500 Yen für eine Tageskarte und kann soviel man möchte mit ihm fahren. Doch leider ist der Bus ziemlich klein, so dass man sich in diesen recht quetschen muss. Deswegen haben wir uns entschieden, lieber zu Fuß alle Sehenswürdigkeiten ab zu klappern.

Auf der rechten Seite fällt uns als erstes das Museum Kawagoe Matsuri-Kaikan 川越まつり会館 auf.

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In dem Gebäude können wir verschiedene Gegenstände, Fotos und Sänften von dem Kawagoe Festival betrachten. Das Festival wird jetzt schon seit mehr als 360 Jahren veranstaltet. Auf einem Display können wir so eine Veranstaltung betrachten.

Plötzlich stolpern wir über diesen Gefährten:

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Unser Freund Totoro wartet hier auf den Katzenbus. Dahinter entdecken wir einen Ghibli-Laden. Lustigerweise steht ein kleines Schild am Busplan, dass hier kein Bus hält… Etwas weiter sehen wir auf der rechten Seite das Kurazukuri Museum Shiryokan 蔵造り資料館, das in einem typischen Lagerhaus liegt.

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Früher befand sich der Laden unten und oben wurde die Ware gelagert. Es gehört damals dem Zigaretten-Händler Bunzo Koyama. Im Museum kann der Besuchern Informationen über die Bauweise der Lagerhäuser erhalten. Leider sind die Tafeln nur auf Japanisch. Im inneren können wir allerdings die schöne Architektur genießen. Wir folgen der Straße und schauen uns jetzt jedes Lagerhäuser an.

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Irgendwie fühlen wir uns in der Zeit zurück versetzt. In einer Seitenstraße auf der linken Seite entdecken wir das Symbol Kawagoes den Glockenturm Toki-no-Kane 時の鐘.

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Seit der Edo Zeit wird hier vier mal am Tag (6, 12, 15 und 18 Uhr) die Glocke geläutet. Das heutige Gebäude ist mittlerweile der vierte Turm, nach Feuer und Erdbeben die vorherigen zerstört hatten. Wir gehen zurück zur Hauptstraße und erfreuen uns an den alten Gebäuden.

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An der Kreuzung biegen wir links ab und bleiben erstaunt vor diesem Gebäude stehen, das absolut nicht ins Stadtbild passt.

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Es gehört der Saitama Resona Bank  und wurde wohl erst im letzten Jahrhundert errichtet. Wir gehen schnell daran vorbei. In einem kleinen Restaurant namens Kaiuntei 開運亭 kehren wir auf der linken Seite ein und bestellen die Empfehlung des Hauses leckeren Eintopf (Nabe) mit Nudeln:

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Nachdem wir uns gestärkt haben verlassen wir das Restaurant und gehen die Straße zurück. Dabei begegnen wir zufällig einem Paar im Kimono. Wir folgen ihnen heimlich in eine Seitenstraße, die mit diesem Schild gekennzeichnet ist.

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Dabei stolpern wir über einen großes Reptil auf einem 5 Yen Stück…

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Okay?? Wir folgen den beiden durch ein großes Tor.

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Dahinter finden wir einen beeindruckenden Stapel an Jizo Figuren, die Seelen in die Unterwelt bringen sollen.

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Wir verlieren die beiden aus den Augen und gehen zurück zum Reptil. Danach biegen wir in die nächste Straße auf der linken Seite ein und erreichen die berühmte Süßigkeiten-Straße Kashiya Yokocho 菓子屋横丁.

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Hier werden allerhand traditionelle japanische Süßigkeiten wie Bonbons, Reiscracker und Reiskuchen (Dango) verkauft.

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Die nur 80 m lange Straße bietet einen guten Überblick über die japanischen Süßigkeiten. Wir umrunden das Viertel einmal und kaufen uns gegrillte Süßkartoffeln, die eine Spezialität der Region sind.

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Wir gehen zurück zur Lagerhaus-Straße und biegen nach rechts ab. Wir folgen der Straße für einige Zeit, bis wir auf den Tempel Renkei-ji 蓮馨寺 treffen.

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Auch dieser Tempel pflegte starke Verbindungen zum Tokugawa Shogunat. In dem Tempel wurde der berühmte Mönch Donryu beigesetzt. Viele Gläubige kommen zu diesem Tempel um für die Sicherheit der Familie, die Sicherheit der Geburt und der Kindererziehung zu beten.

Als wir über das Gelände des Tempels wandern, werden wir zeuge, wie ein Glöckner die Tempel-Glocke mehrfach läutet. Gespannt hören wir dem dumpfen Ton der Glocke zu, bevor wir uns auf den Rückweg zum Bahnhof Kawagoe 川越駅 machen. Wir folgen der Straße für einige hundert Meter, bis hinter dem Bahnhof Hon-Kawagoe 本川越駅 und vor der Bahnbrücke nach links abbiegen. Nach ca. 300 Metern erreichen wir den Bahnhof Kawagoe 川越駅.

Fazit: Kawagoe lies uns tief in die Geschichte Edos eintauchen und zeigte uns viele schöne Bauten. Achtung: Kawagoe besitzt gleich drei Bahnhöfe (Hon-Kawagoe, Kawagoe und Kawagoe-Shi)! Am günstigsten und besten ist der Bahnhof Kawagoe von Ikebukuro zu erreichen. Beliebt ist auch, einen Kimono auszuleihen und durch die Stadt zu spazieren. Kimono kannst du schon ab 2160 Yen (Kimonoya) und hier ein paar Fotos. 


Wegweiser:
Bahnhof Kawagoe 川越駅 → Tempel Kita-in 喜多院→ Burg Honmaru Goten 本丸御殿 → City Museum 市立博物館 → City Art Museum 市立美術館 → Alte Lagerhallen Kurazukuri Zone 蔵造りの町並み → Süßigkeiten-Straße Kashiya Yokocho (Penny Candy Lane) 菓子屋横丁 → Bahnhof Kawagoe 川越駅

Nützliche Schriftzeichen:
Bahnhof Kawagoe 川越駅
Tempel Kita-in 喜多院
Burg Honmaru Goten 本丸御殿
Stadt Museum Shiritsu-Hakubutsukan 市立博物館
Kunsthalle Shiritsu Bijutsukan 市立美術館
Alte Lagerhallen Kurazukuri Zone 蔵造りの町並み
Süßigkeiten-Straße Kashiya Yokocho (Penny Candy Lane) 菓子屋横丁
Glockenturm Toki-no-Kane時の鐘
Restaurant Kaiuntei 開運亭
Tempel Renkei-ji 蓮馨寺
Bushaltestelle Basutei バス停
Bahnhof Eki 駅
Rechts Migi 右
Links Hidari 左

Links:
Kimono Rental: http://ameblo.jp/ (Japanisch)
Kawagoe Offizielle Seite: http://www.koedo.or.jp (Deutsch)
Kawagoe Info: http://www.japan-guide.com/ (Englisch)
Zugverbindungen: http://www.hyperdia.com/ (Englisch)


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3 Gedanken zu „[Ausflug] Spaziergang durch Klein-Edo Kawagoe 川越“

  1. Wow, das klingt wirklich spannend. Von dem alten Edo ist ja in Tokio nicht mehr wirklich viel zu sehen.

    Von welchem Bahnhof in Tokio dauert die Fahrt nach Kawagoe rund 30 Minuten? Und welchen Bahnhof empfiehlst du als Startpunkt?

    1. Hallo Ronny,

      vielen Dank! Vom Bahnhof Ikebukuro brauchst du mit dem Zug 30 Minuten nach Kawagoe. Als Startpunkt den Bahnhof Kawagoe 川越駅 der Linie Tobu Tojo 東武東上線.

      Viele Grüße aus Tokio,
      Tessa

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