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[JP] Die Schrein und Tempel Wanderung: Takamizusanzan 高水三山

Die Berggruppe Takamizusanzan 高水三山 besteht aus den drei Bergen Takamizusan, Iwatakeishiyama und Sogakusan und liegt im Okutama Bergland in der Präfektur Tokio. Die Wanderung startet am Bahnhof Ikusabata und führt uns vorbei an schönen Tempeln und Schreinen, bis wir auf den steilen Wanderweg stoßen. Wenige Minuten später stehen wir vor dem beeindruckenden Tempel Jofukuin 常福院 und schließlich auf dem Gipfel Takamizusan 高水山. Auf breiten Wegen geht es weiter zum 793 m hohen Berg Iwatakeishiyama 岩茸石山. Von dort erhalten wir schöne Aussichten Richtung Norden. Auf dem nächsten Berg Sogakusan 惣岳山 erwartet uns ein alter Schrein, der schöne Holzschnitzereien aufweist. Dann geht es bergab durch Zedernwälder und an weiteren schönen Kulturbauten vorbei. Schließlich erreichen wir den Bahnhof Mitake 御嶽駅. Abgerundet wird die Tour mit einem Besuch in der heißen Quelle Ume-no-Onsen 梅の温泉.


Details
Distanz: 10,1 km
Dauer: 3.30/4.15 Stunden (ohne/mit Pausen)
Höhenmeter: 793 m
Ansteigend: 765 m
Absteigend: 781 m
Schwierigkeitsgrad: ✭ ✭ ✩✩✩
Jahreszeit: Ganzjährig
Startpunkt: Bahnhof Ikusabata 軍畑駅 Linie Oume 青梅線
Endpunkt: Bahnhof Mitake 御嶽駅 Linie Oume 青梅線
Fotos: 25. November 2015


Die Wanderung

Die Meldung kam noch während ich im Zug saß. Sie war plötzlich da. Der Zug Richtung Okutama ist bis auf Weiteres eingestellt. Mist!! Das ist unglaubliches Pech. Entmutigt steige ich trotzdem in Tachikawa aus und gehe langsam zum Gleis der Oume Linie 青梅線. Von der Treppe blicke ich auf ein Meer wartender Japaner, die vor einem Zug warten. Die Anzeige weist das Gleis als Oume Linie aus. Genau in dem Moment öffnen sich die Türen des Zuges und alle stürmen hinein. Ich schließe mich dem Pulk an. Wenn ich schon warten muss, dann wenigstens sitzend in einem warmen Zug! Zum Glück ist noch ein Sitz frei! Im Abteil herrscht ein reges Treiben. Meetings, Verabredungen und Zahnarzt-Termine werden abgesagt. Jeder tippt auf seinem Handy herum. Irgendwann hören wir ein Knistern und eine Stimme sagt durch: „Dieser Zug fährt mit einer Verspätung nach Oume los. Wir fahren gleich ab. Entschuldigen Sie bitte die Verspätung!“ Erleichtert klappen viele ihre Handys weg. Ich lehne mich zurück und versuche etwas zu schlafen.

In Oume steige ich um in den nächsten Zug. Wenige Minuten später steige ich am Bahnhof Ikusabata 軍畑駅 aus. Direkt gegenüber entdecke ich das erste Hinweisschild Takamizusan 高水山, das nach links zeigt. Außer mir sehe ich noch drei weitere Wanderer, die an mir vorbeigehen. An einer Bank sehe ich einen schlanken Mitte 40-jähriger Wanderer, der seinen Rucksack packt. „Besteigen Sie auch den Takamizuyama?“, frage ich ihn. „Ja, genau!“, antwortet er. „Wie wäre es, wenn wir den Berg zusammen bewältigen?“ „Warum nicht“, lächelt er mich an und wir gehen gemeinsam los. Während wir der Straße folgen, erfahre ich einiges über ihn: Er heißt Toshi und wohnt zur Zeit in Hachioji. Seine alte Arbeitsstelle hat er gekündigt und ist seit diesem Herbst auf Arbeitssuche. Toshi ist verheiratet und hat zwei Kinder, die 2 und 5 Jahre alt sind. In seiner Freizeit klettert er gerne auf Berge, um seinen Alltagsstress zu vergessen. Wir erreichen eine Kreuzung, deren Schilder uns verwirren.

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Das Hinweisschild Richtung Takamizusan 高水山 ist etwas schief und zeigt eigentlich nach rechts. Doch nach einem Blick auf mein GPS entscheiden wir uns, nach links über die Hiramitsu Brücke 平満橋 zu gehen. An der nächsten Kreuzung entdecken wir erleichtert das nächste Schild! Wir folgen dem grünen Schildern nach rechts. Hier hängt auch schon das erste Schild, das vor Bären warnt. Im Oktober wurde hier offensichtlich ein Bär gesichtet. Wer aber mal die Statistik anschaut, welches die gefährlichsten Tiere sind, der wird feststellen, dass Bären gar nicht so gefährlich sind. Nach 100 Meter entdecken wir das Hauptgebäude des Tempels Gogenji 高源寺.

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Direkt dahinter finden wir ein Shinto-Tor, ein Schrein …

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… und ein wunderschönes Holzgebäude.

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Die Gebäude sehen sehr gepflegt aus. Wir setzen unseren Weg fort und passieren einen kleinen Damm, der kaum Wasser führt.

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Ab hier gehen wir über Waldwege durch einen Zedernwald. Am Wegrand stehen in regelmäßigen Abständen neue Hinweisschilder, so dass wir uns sicher nicht verlaufen. Wir folgen einem kleinen Bach bergauf. Mehrmals geht es über das Gewässer, bis wir das Ende der Schlucht erreichten. Von dort geht es steil bergauf. Toshi überholt mich und ich steige langsam Stufe für Stufe hinauf. Ich komme ganz schön ins Schwitzen. Oben endlich angekommen, erblicke ich wieder Toshi. Wir setzen unseren Weg nach rechts über den Kamm fort. Nach nur einer Stunde wandern, stehen wir vor einer riesigen Treppe.

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Mutig steigt Toshi die Stufen hinauf, während ich mir Zeit lasse. Oben erwartet uns ein imposantes Holzgebäude.

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Toshi erklärt mir: „Der Tempel Jofukuin 常福院 wurde 1203 gegründet. Leider fielen die Gebäude einem Waldbrand zum Opfer, so dass sie 1822 wieder aufgebaut wurden. Im Tempel selbst kann man übernachten. In der zweiten Woche im April gibt es das Fest der Löwentanz, das sogar im Fernsehen übertragen wird.“

Auf der linken Seite entdecken wir eine alte Glocke unter einem Unterstand.

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Links hinter dem Hauptgebäude treffen wir wieder auf den Wanderweg. Hier folgen wir dem Schildern Richtung Berg Takamizusan 高水山, einen Hügel hinauf. Auf der Kuppe erwartet uns ein kleiner Unterstand. Leider gibt es keine Aussicht. Über eine wilde Treppe erreichen wir den Berg Takamizusan 高水山, der halb mit einem Zaun abgesperrt ist. Enttäuscht stellen wir fest, dass es wieder keine Aussicht gibt. Ein paar Bänke laden zum Verweilen ein, doch wir wandern weiter Richtung Iwatakeishiyama 岩茸石山. Hinter einer Baumreihe entdecken wir einen kleinen Schrein.

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Vor dem Schrein liegt ein Handschuh und kleine Tafeln, deren Zeichen wir nicht lesen können. Danach geht es bergab. Ich werfe einen Blick zurück.

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Wow, was für Wurzeln! Von oben sieht das wirklich anders aus. Dann geht es wieder bergauf und Toshi eilt vor. In Erwartung mein Mittagessen schneller essen zu können, beschleunige ich meine Schritte. Die letzten Meter fordern mich raus, doch irgendwie schaffe ich es endlich auf die Spitze des Berges Iwatakeishiyama 岩茸石山. Toshi und ich stellen uns für ein Foto neben dem 793m Bergschild auf. Dann setzen wir uns hin und genießen den fantastischen Ausblick. Toshi steht auf, um noch ein weitere Foto zu schießen.

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In der Ferne können wir die Berge Bo-no-Mine, Kawanori und Taka-no-su ausmachen. Nachdem wir uns satt gesehen hatte, ziehen wir wieder los. Es geht bergab. Nach nur 40 Minuten erreichen wir den letzten Gipfel, den 756 m hohen Berg Sogakusan 惣岳山. Dort steht ein kleiner Schrein.

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Toshi läuft um den Schrein herum und zeigt mir die schönen Schnitzereien. Viele alte Bäume stehen auf dem Platz herum Ab hier folgen wir den Schildern Richtung Mitake 御嶽駅 und treffen auf einen weiteren heiligen Schrein, der zwischen zwei besonders alten Bäumen errichtet worden ist.

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In völliger Stille betrachten wir den Schrein und können uns nur schwer losreißen. Doch die Dämmerung drängt uns, weiter zu gehen. Nach insgesamt 4 Stunden erreichen wir eine Straße. Direkt am Straßenrand entdecken wir den nächsten Schrein.

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Hinter einer weiteren Kurve stehen wir vor dem Tempel Jionji 慈恩寺, der uns an ein verlassenes Schulgebäude erinnert.

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Wir huschen weiter zur Hauptstraße und biegen nach rechts ab. Nach wenigen Metern stehen wir am Bahnhof Mitake 御嶽駅 und steigen zufrieden in den Zug. Toshi bedankt sich bei mir für die spontane Wanderung und wir tauschen unsere Telefonnummern aus.

Auf dem Rückweg nach Tokio steige ich am Bahnhof Kabe 河辺駅 aus. Direkt gegenüber vom Nordausgang Kitaguchi 北口 befindet sich das Ume-no-Onsen-Bad 梅の温泉 im 5ten Stock.

Ich ziehe meine Schuhe in der Eingangshalle aus und stelle sie in ein Schließfach, die ich mit 100 Yen verschließe. An der Kasse zahle ich 860 Yen, gebe meinen Schlüssel für die Schuhe ab und erhalte einen Schließfachschlüssel. Danach steige ich eine Treppe hoch, begebe mich in das Frauenbad links und entspanne mich. Zur Verhaltensweise im japanischen Onsen empfehle ich den Beitrag Onsen zu lesen. Nach dem entspannenden Bad fahre ich glücklich heim. 😀

Fazit: Insgesamt fand ich die Wanderung kulturell sehr spannend und für Anfänger nur zu empfehlen!

Wegweiser:
Takamizusan 高水山 → Iwatakeishiyama 岩茸石山 → Sogakusan 惣岳山 → Mitake 御嶽駅

Nützliche Schriftzeichen:
Wanderung Takamizusanzan 高水三山 コース
Bahnhof Ikusabata 軍畑駅
Linie Oume 青梅線
Berg Takamizusan 高水山
Berg Iwatakeishiyama 岩茸石山
Berg Sogakusan 惣岳山
Bahnhof Mitake 御嶽駅
Tempel Jofukuin 常福院
Tempel Jionji 慈恩寺
Heiße Quelle Ume-no-Onsen 梅の温泉
Nordausgang Kitaguchi 北口

Links:
Zugverbindungen: http://www.hyperdia.com/


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