takatoriyama (1 von 1)

[JP] Spannend bis zum Schluss am Berg Takatoriyama 鷹取山

Der Berg Takatoriyama 鷹取山 liegt in der Präfektur Kanagawa zwischen den Städten Yokosuka und Zushi. Früher wurde er Shonanmyogi 湘南妙儀 genannt. Die 6,1 km Wanderung beginnt in einem kleinen Dorf am Bahnhof Jinmuji. Von dort geht es direkt in den Wald zu mehreren Steinbrüchen, abenteuerliche Straßen und zum Tempel Jinmuji. Über niemals langweilig werdende Pfade spaziert man danach zum 139 m hohen Berg Takatoriyama 鷹取山. Von seiner Aussichtsplattform überblickt man weit über große Teile der Bucht Tokio. Schließlich geht es vorbei an weiteren Kletterfelsen und einem großen Stein-Buddha zum Bahnhof Oppama.


Distanz: 6,1 km
Dauer: 2.10 / 3.10 Stunden (ohne/mit Pausen)
Höhenmeter: 140 m
Ansteigend: 217 m
Absteigend: 206 m
Schwierigkeitsgrad: ✭ ✩✩✩✩
Jahreszeit: ganzjährig.
Startpunkt: Bahnhof Jinmuji 神武寺駅 Linie Zushi 逗子線
Endpunkt: Bahnhof Oppama 追浜駅 Linie Keikyuhon 京急本線
Fotos: 25. August 2015


Die Strecke

Gegen 12 Uhr erreiche ich den Bahnhof Jinmuji, dessen Bahnhofsgebäude versteck in einer kleinen Gasse liegt. An der Hauptstraße biege ich links ab und stehe nach nur 700 Metern an einer Fußgängerampel. Gegenüber entdecke ich das Hinweisschild Jinmuji-Takatoriyama Wanderweg 神武寺・鷹取山ハイキングコース. Ich überquere die Straße und folge dem Schild nach rechts. Auf meinem Weg liegen ein Toilettenhäuschen und ein großes Gebäude mit einem Sportplatz davor. Das Schild am Tor weist das Bauwerk als Mittelschule der Stadt Zushi 逗子中学校 aus. Die Schüler scheinen gerade alle in ihren Klassenräumen zu sein, da es totenstill auf dem Platz ist. Nach einer leichten Rechtskurve entdecke ich am Straßenrand Hühner- und Hasenställe. Dienen die vielleicht als Anschauungsobjekt für den Biologie Unterricht? An der nächsten Kreuzung halte ich mich links und betrete einen schmalen Pfad.

takatoriyama (21 von 1)

Hier fängt endlich der Wanderweg an! Links im Schatten erkenne ich den ersten Steinbruch. Große Lücken klaffen im Felsen, der mittlerweile von Ranken überseht ist. „Seit Beginn der Meiji-Zeit (1868-1912) bis in die Taisho-Zeit (1912-1926) wurden Steine Rund um den Berg herausgeschnitten“, erklärt eine Tafel auf Japanisch. „Aus dem Berg wurde das beliebte grau-braune Tuff-Stein gewonnen, welches für Mauern, Begrenzungen, Unterbauten, Fluss-Befestigungen, Brunnen, Grabsteinen und vieles Mehr verwendet wurde. Hölzernen Schubkarren dienten als erstes Transportmittel, um bis zum Grundlager, die heutige Mittelschule Zushi, zu kommen. Von dort transportierten Pferde es zum Ziel. Noch heute kann man in den Mauern und Treppen der Stadt Zushi diese markanten Felsen entdecken.“

Mal wieder etwas Neues gelernt! Beeindruckt setze ich meinen Weg fort über blank geschliffene Felsen. Es geht stetig bergauf und ich lege öfters eine Pause ein. An der nächsten Kreuzung folge ich dem stark verfallenen Schild Richtung Jinmuji-Takatoriyama 神武寺・鷹取山 nach rechts.

takatoriyama (1 von 20)

Ein kühler Wind bläst durch das Tal. Da der Weg vollkommen im Schatten liegt, ziehe ich meine Jacke über. Je weiter ich in den Wald eindringe, desto mehr Mücken versuchen mich zu attackieren. Selbst das Fotografieren fällt mir schwer, da die Viecher sofort auf meiner Hand landen. Mist Viecher! Ich beschleunige meine Schritte, werde aber von den rutschigen Felsen ausgebremst.

takatoriyama (2 von 20)

Gegen 12.45 Uhr erreiche ich endlich eine lange Treppe. An deren obersten Stufe stehe ich vor einem verlassenen Toilettenhäuschen und einem Tor.

takatoriyama (4 von 20)

Große weiße Richtungsschilder führen mich nach links durch das Tor zum Tempel Jinmuji 神武寺. Direkt hinter dem Tor entdecke ich ein Schild über die vielen Rankenarten der Gegend, die an den Felsen prächtig gedeihen. Leider kenne ich mich in dem Bereich nicht wirklich aus und gehe weiter. Dann steige ich die Treppe Richtung Hauptgebäude Hondo 本堂 hinauf. Oben erwartet mich die riesige Glocke der Nacht.

takatoriyama (5 von 20)

Beeindruckt stehe ich vor dem Gebäude und schieße ein paar Fotos. Unter mir erkenne ich ein altes Gebäude, das ist das Wohngebäude der Mönche. Der Zutritt ist leider verboten. Schade! Ich gehe weiter den Berg hinauf und blicke auf mehrere Steinfiguren, die sich unter einem alten Baum verstecken. Sie tragen alle ein rotes Lätzchen um den Hals.

takatoriyama (6 von 20)

Die roten Lätzchen sollen sie vor Krankheiten und Unheil schützen. Auf der linken Seite entdecke ich eine lange Steintreppe, die zum nächsten Tor führt.

takatoriyama (7 von 20)

Wow! Was für ein Bild! Und ich bin ganz alleine hier! Direkt dahinter befindet sich das braune Holzgebäude Gakushido 楽師堂, dass seit 1598 als spirituelles Krankenhaus dient.

takatoriyama (8 von 20)

Man sagt, dass der Tempel im Jahre 724 gegründet wurde und dem Leben des Kaisers/Tenno Shomu (701 bis 756) gewidmet ist. Auf der rechten Seite entdecke ich weitere Gebäude und eine Gedenktafel, die ich nicht lesen kann.

takatoriyama (9 von 20)

Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein. Es ist völlig still. Plötzlich höre ich Schritte hinter mir und entdecke einen hageren Mann über 60 mit einer blauen Baseball Mütze. Vor dem Hauptgebäude nimmt er die Mütze ab und wirft eine Münze in die Geldbox. Gespannt schaue ich zu, wie er sich verbeugt, zwei Mal in die Hände klatscht, betet, wieder verbeugt und dann den Platz verlässt. Das Ganze geschieht in absoluter Stille und mit einer solchen Anmut, dass ich Sprachlos bin.

Irgendwann reiße ich mich los und folge der steinernen Treppe Richtung Takatoriyama 鷹取山 auf der linken Seite. Auf dem Kamm steht ein weiterer Gedenkstein, den ich auch nicht lesen kann. In Gedanken versunken gehe ich weiter über schmale Passagen und rutschige Felsen. „Gefährliche“ Stellen sind zusätzlich mit Ketten gesichert.

takatoriyama (13 von 20)

Der Weg ist leicht hügelig mit einigen An- und Abstiegen(~150m Höhenmeter) und läuft größtenteils auf kleinen Pfaden über Felsen, wobei er herrliche Ausblicke auf die Landschaft bietet. Nach 30 Minuten lege ich eine kurze Rast ein und packe mein Mittagessen aus. Plötzlich höre ich ein lautes Summen neben meinem Ohr und schrecke auf. Eine Riesenhornisse Suzumebashi スズメバシ fliegt um mich herum! Kreischend packe ich meine Sachen zusammen und flüchte. Jedes Jahr sterben in Japan etwa 40 Personen an den Folgen eines (!) Stiches. Bloß weg hier!

Nach einigen Minuten verlangsame ich meine Schritte und erreiche eine Abzweigung. Dort rastet bereits eine große Wandergruppe, die sich lautstark unterhält. Die Gruppe grüßt mich ebenso lautstark und prostet sich mit Bier zu. An der nächsten Kreuzung muss ich mich entscheiden, ob ich einen schmalen Pfad oder einen breiteren Wanderweg gehen möchte. Ratlos stehe ich davor, da es leider kein Schild gibt. Zufällig kommt mir ein Wanderer entgegen, der um die Mitte 60 ist. „Wo geht es denn hier zum Gipfel?“, frage ich ihn. „Eigentlich rechts, aber wenn du etwas mehr Spaß haben möchtest, dann steigst du den steilen linken Weg zum Berg hinauf! Da könnte ich dich auch begleiten.“, sagt er. „Warum nicht?“, antworte ich und er geht vor. „Warum siehst du eigentlich aus wie ein Ninja?“, fragt er mich. Schwarze Klamotten und eine schwarze Mütze machen mich also zum Ninja? „Na ja, ich möchte die Sachen auch gerne im Alltag tragen“, erkläre ich. Aber er hat recht, der normale Wanderer in Japan scheint eher auf Bunt zu setzen. Wir gehen über eine schmale Kante. Von dort klettert wir vorsichtig eine sehr steile 2 m Wand hinauf. „Halte dich gut fest und schaue nicht nach unten!“, sagt er. Wow, ich klettere mit Herzklopfen die Wand hinauf. Oben stehen wir vor einem Zaun und folgen diesem nach links, bis wir eine Öffnung erreichen. „Hinter dem Zaun ist der offizielle Weg, der allerdings nur aus langweiligen Treppen besteht!“ sagt er mit einem Augenzwinkern und verabschiedet sich. Ich steige die restlichen Stufen zur Aussichtsplattform hinauf…

takatoriyama (14 von 20)

.. und erhalte eine herrliche 360° Aussicht auf die Tokio Bucht. Leider ist die Sicht sehr schlecht.

takatoriyama (15 von 20)

Unter mir entdecke ich eine Wiese und einige beeindruckende Kletterfelsen. Auf einem Vorsprung bemerke ich den Wanderer von eben. Er sammelt gerade seine Kletterausrüstung ein, winkt mir zu und ruft: „Jede Woche steige ich diese Felsen hinauf! Das hält fit!“ Kein Wunder, dass die Wand von eben für ihn kein Problem darstellte…

Nachdem ich mich satt gesehen hatte, gehe ich die vielen Treppenstufen herunter und stehe auf der Wiese vor dem Berggipfel.

takatoriyama (16 von 20)

Ringsum um die Wiese stehen hohe Kletterfelsen. Staunend stehe ich davor und entdecke sogar eine Klettergruppe, die gerade an einer Wand herumklettert. Große Schilder verbieten das Klettern ohne Aufsicht. Ich folge dem Wanderweg und erreiche einen größeren Rastplatz.

takatoriyama (17 von 20)

Dort durchschreite ich die blauen und gelben Schranken und entdecke eine Übersichtskarte, ein Unterstand und ein Toilettenhäuschen. Kurz nachdem ich den Rastplatz angekommen bin, fängt es plötzlich aus Eimern an zu gießen. Ich stelle mich unter und warte den Schauer ab. Eine weitere Gruppe Kletterer gesellt sich zu mir und zieht ihre Klettergurte aus. Währenddessen erklärt der Gruppenleiter, wie man einen ordentlichen Kletterknoten bindet. Interessiert schaue ich zu. Doch schon nach wenigen Minuten hört der Schauer auf und ich muss weiter ziehen. Ich durchschreite die Schranken erneut und setze meinen Weg auf der linken Seite fort. Ab dieser Stelle folge ich nur noch den Schildern Richtung Bahnhof Oppama 追浜駅. Um jeder Ecke gibt es etwas spannendes zu entdecken! Mal eine weitere Felswand, mal eine steinernde Treppe… Ich fühle mich ein wenig wie Indiana Jones. Hinter einer weiteren Kurve ragt mir der große Buddha Magaibutsu 魔崖仏 entgegen, der im Jahre 1960 von dem Kawaguchi Klan 川口 erbaut wurde.

takatoriyama (18 von 20)

Auf einer Tafel erfahre ich etwas über die Geschichte des Berges Takatoriyama: „1590 erhielt Ota Dokan, der später Shogun wurde, die Gebiete um Tokio und baute die Grundmauern des heutigen Kaiserpalastes, die Burg Edo, aus. Man sagt, dass er gerne auf dem Berg Shonanmyogi 湘南妙儀 unterwegs war. Es ist nicht ganz klar, ob er mit Falken oder nach Falken jagte. Wie auch immer, die Dorfbewohner benannten den Berg Shonanmyogi später in Takatoriyama um, was so viel wie der Berg der Falkenjagd heißt. Im Jahre 1486 geriet Ota Dokan zwischen zwei rivalisierenden Herrscher der Gegend und wurde durch Uesugi Sadamasa ermordet.“

Wow, mit jeder Wanderung tauche ich tiefer in die japanische Geschichte ein! Spannender geht es fast gar nicht mehr. Danach wandere ich durch eine schmale Spalte tiefer in den Kletterpark hinein.

takatoriyama (19 von 20)

Nach ein paar Minuten erreiche ich eine lange abfallende Treppe, die mich zu einer großen Kreuzung führt. Ich biege in die zweite Straße von rechts ein und folge der abfallenden Straße, bis ich eine Unterführung durchquere. Dann biege ich rechts ab und erreiche gegen 15.20 Uhr mein Ziel, den Bahnhof Oppama 追浜駅.

Insgesamt war dies eine spannende Wanderung, die ich im Herbst nur empfehlen kann. Die Strecke ist für Familien ideal! Bitte diesen Weg nur bei gutem Wetter gehen!

Wegweiser:
Jinmuji 神武寺 → Hauptgebäude Hondo 本堂 → Takatoriyama 鷹取山 → Oppama 追浜駅

Nützliche Schriftzeichen:
Berg Takatoriyama 鷹取山
Tempel Jinmuji 神武寺
Shonanmyogi 湘南妙儀
Berg Shonanmyogi 湘南妙儀
Holzgebäude Gakushido 楽師堂
Riesenhornisse Suzumebashi スズメバシ
Buddha Magaibutsu 魔崖仏
Bahnhof Oppama 追浜駅
Bahnhof Jinmuji 神武寺駅
Linie Zushi 逗子線
Linie Keikyuhon 京急本線

Links:
Ota Dokan: https://de.wikipedia.org/
Shomu: https://de.wikipedia.org/
Zugverbindungen: http://www.hyperdia.com/


Download

Was haltet ihr von dieser Tour? Was macht für euch eine Wanderung spannend?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.