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[JP] Wandere ins Reich der Fabelwesen: Berg Takao 高尾山 und Berg Kagenobu 景信山

Dieses Mal tauchen wir ein in die Welt der Fabelwesen auf den Bergen Takaosan 高尾山 und Kagenobuyama 景信山. Nur eine kurze 50-minütige Zugfahrt vom Tokio-Zentrum entfernt, warten auf uns schöne Fabelwesen, Geschichten, traditionelle Tempel und Schreine. Unsere 12,7 km Wanderung startet mit einer Busfahrt und einer kurzen Wanderung zum 727 m Berg Kagenobuyama 景信山. Von seinem Gipfel werden wir mit einer fantastischen Aussicht über Tokio belohnt. Weiter geht es zu unserem Höhepunkt, den Berg Takaosan 高尾山, der den schönen Tempel Yakuoin 薬王院 beherbergt. Über schmale Pfade erreichen wir die Altstadt und den Bahnhof Takaosanguchi 高尾山口駅. Dort klingen wir den Abend in einem Soba-Restaurant und einer heißen Quelle (Onsen Keio-Takaosan 京王高尾山温泉) aus.


Details
Distanz: ~12,7 km
Dauer: 4.20/5.30 Stunden (ohne/mit Pausen)
Höhenmeter: 727 m
Ansteigend: 740 m
Absteigend: 895 m
Schwierigkeitsgrad: ✭ ✭ ✭✩✩
Jahreszeit: Ganzjährig
Startpunkt: Bahnhof Takao 高尾駅 → Keio Bus → Bushaltestelle Kobotoke 小仏バス停
Endpunkt: Bahnhof Takaosanguchi 高尾山口駅 Linie Keio 京王線
Fotos: 1. Dezember 2015


Das Fabelwesen Tengu

Die warmen Sommertage sind leider schon vorbei, der Winter steht vor der Tür. Bei 8 Grad stehen mein Begleiter Toshi und ich frierend an der Bushaltestelle Nr. 2 am Nord-Ausgang 北口 vom Takao Bahnhof 高尾駅. Wir reiben uns die Hände, um uns warm zu halten. Vor und hinter uns reihen sich einige Wanderer, die bestimmt über 75 Jahre alt sind. Sie tratschen über ihre Enkelkinder und ihre körperlichen Probleme. „Gestern habe ich meinen letzten Zahn verloren! Den wollte ich doch noch etwas länger behalten…“, hören wir hinter uns. Wir kommen uns richtig jung vor…

Pünktlich um 10.12 Uhr fährt ein pinker(!) Bus vor, auf diesem steht geschrieben: „Wecome to Hachioji“ und Takaosan 高尾山.

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Vorne ist ein großes Onsen-Logo angebracht. Die wartenden zücken begeistert ihre Kameras, um diesen farbenfrohen Bus festzuhalten. „Das muss ich meiner Enkelin zeigen! Diese Linie gibt es nämlich erst seit diesem Jahr, nachdem die heiße Quelle (Onsen) in Takaosanguchi eröffnet wurde“, hören wir hinter uns. Kaum öffnet sich die hintere Tür vom Bus, steigen die ersten Wanderer ein. Wir treten ein und halten unsere aufladbare Geldkarte (Suica) an das blaue Touchfeld, um unseren Einstieg zu registrieren. Zum Glück sind noch ganz hinten zwei Sitzplätze frei. Schnell füllt sich der Bus, bis auch wirklich niemand mehr reinpasst. Nach einer kurzen Warnung vom Busfahrer, setzt sich das Gefährt in Bewegung. So gleich fallen uns die lustigen Halteknöpfe auf. Auf dem das berühmte Fabelwesen Tengu abgebildet ist, das eine besonders lange Nase besitzt.

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„Dieses Fabelwesen wird uns auf dieser Reise noch öfters begegnen“, grinst Toshi mich an. Wow, da bin ich mal gespannt. Neben mir sitzt ein 83-jähriger Japaner, der in Tokio wohnt und jede Woche wandern geht, um seine Sorgen zu vergessen. Leider verstehe ich nicht viel von dem, was er mir sagt, da er keine Zähne besitzt. Nach 21 Minuten erreichen wir die Endhaltestelle Kobotoke 小仏バス停. Wir halten unsere Geldkarte beim Fahrer an das blaue Touchfeld, um den Betrag abzubuchen, und steigen aus. Draußen entdecken wir eine Übersichtskarte unseres Wanderweges, ein Toilettenhäuschen und eine Bank.

Mundfaul

Nachdem wir unsere Sachen gepackt haben, biegen wir an Straße nach rechts ab. Zunächst gehen wir auf einer Teerstraße, bis wir das erste Hinweisschild Richtung Kagenobuyama 景信山 treffen. Dort steigen wir eine schmale Treppe hinauf, bis der Weg immer steiler wird. Danach verwöhnt uns der Wanderweg gleich einmal mit schönen Zedern- und Laubwäldern. Komischerweise grüßen hier nur die Hälfte der Wanderer, die anderen geben keinen Laut von sich. „Hier sind einfach zu viele Wanderer unterwegs, da vergeht einem schnell die Lust!“, erklärt mir Toshi, der den Weg schon 15 Mal gegangen ist. In der Nähe vom Gipfel entdecken wir das erste Rasthaus.

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Davor stehen zahlreiche Bänke und Tische. Wir gehen weiter bergauf und erreichen den 727 m hohen Gipfel des Kagenobuyama 景信山. Vom Gipfel erhalten wir fantastische Ausblicke auf die Kanto-Ebene.

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In der Ferne können wir sogar den Sky Tree, die Skyline von Shinjuku und Yokohama erkennen. Auf einer Bank legen wir die erste Pause unter einem alten Kirschbaum ein.

Freundlich grüßt die Maderfamilie

Der kühle Wind treibt uns nach kurzer Zeit weiter. Vorsichtig schlittern wir schmale Pfade bergab, bis wir endlich den Pass Kobotokatoge 小仏峠 erreichen. Dort steht versteckt hinter einem Busch die berühmteste Maderfamilie der Gegend.

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„Im Japanischen werden diese Mader auch Tanuki genannt.“, erklärt mir Toshi und fährt fort: „Sie sollen Glück bringen. Der große Strohhut schützt vor plötzlichem Regen, die großen Augen ermitteln ein klares Urteil, der dicke Bauch steht für ein gut überlegtes Gemüt. Der Schuldschein und die Reisweinflasche stehen für finanziellen Erfolg und Heiterkeit. Die großen Hoden zeugen von ewigem Reichtum. Nicht ohne Grund sieht man diese Figuren vor zahlreichen Läden stehen. Sie sollen dem Besitzer in eben diesen Dingen Glück bringen.“

Ach so, ist das! Wieder etwas gelernt! Ich frage mich, wer diese Figuren wohl aufgestellt hat?

(Schauer-)Geschichten

„Der Pass ist aber auch von geschichtlichem Interesse.“, setzt Toshi fort. „1569 wollte der Kriegsherr Shingen Takeda, der die Provinzen Kai und Shinano besaß, sein Gebiet ausweiten und entsendete seinen General Oyama Nobushige und einige Truppen. Der Hojo Klan, der die Kanto Ebene beherrschte, schickte deswegen Truppen zur Tokura Burg in Okutama, um den bevorstehenden Angriff abzuwehren. Okutama war zu dieser Zeit die zentrale Route, um nach Kanto zu kommen. Doch Oyama Nobushige wählte stattdessen die Route über diesen Pass Kobotokatoge und überraschte damit den Hojo Klan in der Burg Takiyamashiro. Kurze Zeit später fiel die Burg und der Pass entwickelte sich zu einer wichtigen Handelsstraße zwischen den Regionen Kai und Musashi. Der Hojo Klan baute darauf hin die Burg Hachioji, um die Grenze wieder zu stärken.“

„Eine weitere Geschichte dreht sich um den Geist einer Frau, die mit ihrem Baby nach dem Vater ihres Kindes Ausschau hält.“, erzählt er. „Ihr Erscheinen sei der Grund dafür, dass hier zahlreiche Verkehrsunfälle auftreten.“  Na super! Nachdenklich gehen wir weiter und passieren einige verlassene Berghütten, bevor wir eine kleine Lichtung erreichen.

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Von hier können wir den Sagamiko See und die Berge Sekirosan, Takakura und den Fuji sehen. Dann wandern wir weiter zum Berg Shiroyama/Kobotokashiroyama 城山/小仏城山. Auf dem Gipfel stehen dicht an dicht Hütten, Bänke und Tische.

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Hier legen wir eine längere Pause ein und gönnen uns eine heiße Miso-Suppe mit Tofu und Pilzen, die uns von Innen wärmt.

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Lecker! Hinten links entdecken wir eine Holzfigur vom Fabelwesen Tengu, der uns grimmig begrüßt.

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„Die Figur gibt es auch noch nicht soo lange“, meint Toshi.  Von dem gut 670 Meter hoch gelegenen Platz reicht unser Blick weit über die Kanto-Ebene. Wir verweilen kurz, bis wir uns satt gesehen haben. Weiter geht es auf breiten und gut ausgebauten Wegen Richtung Icchodaira 一丁平. An jeder Kreuzung stehen Übersichtskarten, so dass wir uns ganz sicher nicht verlaufen können. Über eine lange Treppe erreichen wir die Aussichtsplattform Icchodaira-Tenbodeki一丁平 展望デッキ.

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Von hier erhalten wir einen wunderschöne Aussicht Richtung Süd-West. In der Ferne können wir unter anderem die Berge Oyama, Tonotake und auch den Fuji sehen. Dieser Ort ist im April-Mai für seine schönen Kirschbäume berühmt und ist ein beliebter Kirschblüten-Platz für ein Hanami-Picknick. Begeistert verweilen wir einige Minuten auf dem großen Rastplatz. An einem Unterstand fällt uns ein kleines Schild auf, das uns vor Bären warnt. Wie die gibt es hier auch?

Der Geheimpfad

Am nächsten Rastplatz zeigt mir Toshi seinen Geheimweg. „Direkt hinter dem Toilettenhäuschen links geht ein schmaler Pfad ab“, sagt er und zeigt auf ein braunes Gebäude.

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„Dann brauchen wir nicht die vielen Treppen auf dem Hauptweg heruntersteigen“, ergänzt Toshi und verschwindet hinter dem Gebäude. Unsicher folge ich ihm und lande auf einem schmalen Trampelpfad, der fast schon zu gewachsen ist. Dann wird der Weg immer breiter, bis wir wieder auf den Hauptweg treffen. An der nächsten Kreuzung wählen wir den rechten Pfad, der uns vorbei an einem kleinen Unterstand bringt. Zurück am Hauptweg stehen wir wieder vor einer großen Treppe. „Wenn du schnell zum Gipfel möchtest, steigst du diese Treppe hinauf! Wir gehen den längeren, aber leichteren Weg rechts vorbei“, erklärt mir Toshi. Ich folge ihm langsam, bis wir an einer weiteren Treppe ankommen. Auch diese ignoriert er. Nach weiteren 5 Minuten erreichen wir eine größere Kreuzung. Hier halten wir uns an ein kleines weißes Schild Sancho-Homen 山頂方面, das auf einer Anhöhe steht. Von hier geht es auf einem breiten Weg ohne Treppe den Berg hinauf.

Eis + Kind = ?

Schon wenige Minuten später erreichen wir ein größeres Toilettenhäuschen. Hier biegen wir nach links ab und stehen endlich auf dem Gipfel des Takaosans 高尾山頂.

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Auf dem großen Platz herrscht ein wildes Treiben: Kinder laufen schreiend herum, Wanderer stellen sich vor dem Gipfelschild auf, viele Gruppen sitzen auf Mauern und essen ihr Mittagessen oder ein Softeis. Fasziniert schauen wir dem Treiben zu, bevor wir uns der Aussicht widmen. Von 599 Metern überblicken wir erneut über die Kanto Ebene und die südwestlichen Berggruppen. Ein kleines Kind läuft an uns vorbei. In der Hand hält es freudestrahlend ein violettes Trauben-Softeis, das auf dem Takaosan berühmt ist. Natürlich passiert das Unausweichliche: das Eis fällt prompt auf den Boden und die große Heulerei beginnt. Wir verlassen schnell den „Unglücksort“ und folgen der breiten Straße Richtung Tempel Yakuoin 薬王院.

Talismane für jedes Übel

Ab hier kommen uns Scharen an Menschen entgegen, die mit der Seilbahn oder dem Sessellift hinauf gefahren sind. Frauen in hohen Absätzen stöckeln die Straße hinauf. Rentner mit Krückstöcken versperren uns so manches Mal den Weg. Wir huschen schnell an den „Hindernisse“ vorbei und erreichen über eine lange Treppe das erste Schreingebäude: Takaosan Fudou-do 高尾山不動堂.

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Auf einer Tafel steht geschrieben: „ Takaosan Fudou-do wurde zwischen 1624 und 1644 erbaut. Im Inneren befinden sich mehrere Tatami-Matten und ein kleiner Schrein. Dieses Gebäude gehört zum Haupttempel Yakuou-in Yuki-ji und ist den Göttern Yakushi und Izumi gewidmet, die Buddha dienten. Im Jahre 2001 wurde das komplette Gebäude restauriert.“

Ach, deswegen erstrahlt das ganze Gebäude in einem knallen Rot! In Japan gibt es zwei religiöse Bauten: Tempel, die Buddha dienen, und Schreine, die Naturgöttern gewidmet sind. Beide Glaubensansichten koexistieren friedlich nebeneinander. Wir folgen der steilen Treppe, bis wir den wunderschönen Schrein Izuna-Gongendo 本社 erreichen.

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An den Wänden des Schreins entdecken wir wunderschöne Schnitzereien und Farbakzente, die uns verzaubern. Direkt vor dem Gebäude können wir das Fabelwesen Tengu entdecken.

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Am Schrein lernen wir, dass Tengu ein Fabelwesen der Kategorie Yokai (Ungeheuer) ist. Vermutlich kommt sein Ursprung aus China. Im Jahre 720 findet man erste Hinweise in Erzählungen. Das Wort Tengu erscheint erstmals schriftlich Ende des 10. Jahrhunderts. In Tempelanlagen hält Tengu meist einen Fächer in der Hand, der Unglück wegwehen und Glück bringen soll. Er dient als Nachrichtenübermittler zwischen den Göttern (Schreinen) und Buddha (Tempeln), verfolgt das Böse und schützt das Gute.

Wir sind beeindruckt und gehen zu den Verkaufsständen. Vielleicht gibt es dort einen Tengu-Talisman zu kaufen?  Und tatsächlich können wir kleine Schlüsselanhänger erwerben, die leider etwas teuer sind. Außerdem verkaufen die Mönche Talismane für fast alles: Hochzeit, Prüfungen, Schwangerschaften, Liebe, Glück, und vieles mehr.

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Hinter dem Gebäude bemerken wir noch drei kleinere Schreine. Auch hier findet sich ein kleiner Inari Schrein, der mit zahlreichen Fuchs-Statuen geschmückt ist.

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Wir steigen eine weitere lange Treppe hinab und werfen einen Blick zurück…

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Wow, sind das viele Stufen! Unten erreichen wir einen großen Platz mit mehren Verkaufsständen und das riesige Hauptgebäude des Tempels Yakuoin 薬王院.

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In der Luft liegt ein starker Weihrauch-Duft. Rechts neben dem Tempel können wir wieder das Fabelwesen Tengu entdecken. Eine große rote Maske hängt an der Wand. Auf dem Platz ist viel los. Menschen aus allen Ländern beten am Tempel, die Chinesisch, Spanisch, Französisch und Koreanisch sprechen. Wir wollen auch beten und werfen eine Münze in die Gebetskiste. Dann klatschen wir zwei Mal, verbeugen uns zwei Mal, äußeren unseren Wunsch und klatschen erneut.

Ein kleines Schild erklärt uns: „Der buddhistisch Tempel Takao-san Yakuo-in Yuki-ji, oder auch Yakuo-in, wurde 744 auf Befehl von dem Kaiser Shomu gegründet. Der Tempel sollte den buddhistischen Glauben im östlichen Japans festigen. Der Gründer war der Mönch Gyoki, der auch für den Bau der großen Buddha Statue in Nara verantwortlich ist. Im 14. Jahrhundert vermischte sich der Glaube mit dem Shugendo Religion, so dass sowohl Tempel als auch Schreine auf dem heiligen Berg zu finden sind.“

Neben dem Hauptgebäude entdecken wir mehrere kleine Buddha-Stauen und Heiligtümer.

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Um die Statuen gehen wir im Uhrzeigersinn herum, damit sollen wir Glück erhalten. An einer Wand entdecken wir Tengu-Holzbretter, die im Japanischen Ema genannt werden. Sie sind mit Wünschen voll geschrieben.

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Wenn kein Platz mehr an der Wand ist, werden die Tafeln abgenommen und rituell verbrannt. So steigen die Wünsche mit dem Rauch zum Himmel hinauf und gehen in Erfüllung. Über eine weitere Treppe erreichen wir weitere Schreine und Tempel, bis wir an einem großen Tor ankommen.

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Im Inneren stehen vier gruselige Wächter, die das Böse abhalten sollen. Weiter geht es über eine Straße, die mit roten Laternen gesäumt ist, und durch ein Tor. An einer größeren Abzweigung wählen wir den rechten Männer-Weg 男阪, der über eine 108-stufige Treppe führt. Im Buddhismus ist die Zahl 108 heilig.

Mönche testen ihre Willenskraft

Am Fuße der Treppe treffen wir auf den Eingang zum Garten- und Affenzoo. Die Anlage gilt als besonders familienfreundlich.

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Einige Fotos zeigen Affen auf dem Boden sitzend. Wenig begeistert passieren wir die Anlage und erreichen eine größere Kreuzung und weitere Verkaufsstände. Hier wählen wir den rechten Weg Richtung Lift リフト. Hinter einer Terrasse stoßen wir auf der rechten Seite auf das Schild 2nd Trail Biwa Waterfall Takaosanguchi Sta. 2号路琵琶滝・高尾山口駅.

Hier kommen wir später wieder zurück, um zum Bahnhof Takaosanguchi zu gelangen. Zunächst einmal erkunden wir die Seilbahnstation und die umliegenden Gebäude. Direkt neben der Station befindet sich mehrere Wirtshäuser und ein Biergarten. Von Frühling bis Herbst kann man hier alle möglichen japanischen Biersorten austesten. Vor der Seilbahnstation reihen sich lange Menschen-Schlangen. Wir sparen uns die Abfahrt und gehen zurück zum Wanderweg Richtung Biwa Wasserfall. Der steile Pfad führt uns über unebene Stufen und glatten Felsen langsam den Berg hinab. Endlich unten in der Schlucht angekommen. Stehen wir vor einem Schrein und dem Wasserfall Biwa-taki 琵琶滝.

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„Mönche testen unter dem Wasserfall ihre Willenskraft, indem sie längere Zeit unter dem kühlen Nass meditieren“, erzählt mir Toshi. Mir wird schon beim Anblick ganz kalt, wie zur Hölle kann man das länger aushalten? Ab hier folgen wir dem abfallenden Bach, bis wir zwei kleine Höhlen auf der anderen Bachseite entdecken.

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Dort stehen mehrere Gräber, deren Bedeutung wir nicht kennen. Wir spazieren weiter den Weg hinab, bis wir auf eine Straße treffen. Dort biegen wir nach rechts ab und erblicken kurze Zeit später kleine Steinmännchen, die alle eine rote Kappe und Lätzchen tragen.

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Die Männchen stellen den Gott Kshitigarbha dar, der arme Seelen in die Unterwelt begleitet. Die Kappe und Lätzchen fertigen meist Eltern an, die ihre Kinder verloren haben. Sie sollen damit im nächsten Leben vor Krankheit und Unglück bewahrt werden. Kurz verbeugen wir uns, um den Figuren unseren Respekt zu zollen, dann biegen wir um die nächste Kurve und stehen vor der unteren Seilbahnstation. Dahinter entdecken wir viele alte Häuser.

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Diese sind meist Restaurants, in denen man lecker Soba essen kann. Soba sind Buchweizen-Nudeln, die im Winter in einer heißen Suppe oder im Sommer kalt auf einem Teller gegessen werden.

In dem Restaurant Takahasiya 高橋屋 gönnen wir uns kalte Soba (Hiyashi Sansai Soba 冷やし山菜そば) für 850 Yen.

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Wir müssen uns etwas beeilen, da das Restaurant nur bis 18 Uhr offen hat. Im Bahnhof Takaosanguchi 高尾山口駅 entdecken wir das neue Onsen Keio-Takaosan 京王高尾山温泉.

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Was gibt es besseres als eine Wanderung mit einer heißen Quelle abzuschließen? Der Eintritt kostet je nach Saison 1000-1200 Yen. Zur Verhaltensweise im japanischen Onsen empfehle ich den Beitrag Onsen zu lesen.  Wir ziehen unsere Schuhe aus und stellen diese in den Schuhschrank.

Am Automaten kaufen wir uns eine Eintrittskarte und betreten das Onsen. Zunächst sind wir etwas überfordert, da wir in einem Aufenthalts- und Restaurant-Bereich stolpern. Hier nehmen wir die Treppe auf der rechten Seite und teilen uns nach Geschlechtern auf (Roter Vorhang = Frau und Mann = Blauer).

Die Umkleidekabine ist geräumig und hell eingerichtet. Schnell entledigen wir uns unserer Sachen und betreten den Badebereich. Dort finden wir mehrere Becken vor. Doch viel interessanter sind die Außenbecken, die jede eine andere Temperatur besitzt. Besonders gut fühlt sich das Sprudel-Bad an. Wenn du im Wasser sitzt, setzen sich 1000 Wasserblasen an deiner Haut fest….

Auch schön ist der Sitzbereich, hier setzt du deine Füße ins warme Fußbad, während an deinem Rücken warm Wasser herunter läuft… Ein Traum!!  Auf den Sitzen vergessen wir auch die Zeit. 😉

Fazit: Der Takao-Wanderung war einfach fantastisch! Wir sind über kulturell interessante Naturwege gewandert und erhielten erstklassige Aussichten! Wer noch Zeit hat, kann noch einen Abstecher in das Naturkunde Museum 599 machen. Dort gibt es, die lokale Pflanzen und Tierwelt zu bestaunen.

Wegweiser:
Kagenobuyama 景信山 → Kobotokatoge 小仏峠 → Shiroyama/Kobotokashiroyama 城山/小仏城山 → Icchodaira 一丁平 → Takao 高尾山 → Sancho-homen 山頂方面 → Takaosancho 高尾山頂 → Yakuoin 薬王院 → Lift リフト → Takaosanguchi-eki 高尾山口駅 → 2nd Trail Biwa Waterfall Takaosanguchi Sta. 2号路琵琶滝・高尾山口駅 → Takaosanguchi-eki 高尾山口駅

Nützliche Schriftzeichen:
Berg Takaosan 高尾山
Berg Kagenobuyama 景信山
Pass Kobotoka-toge 小仏峠
Berg Shiroyama 城山
Berg Kobotokashiroyama 小仏城山
Bergspitze Sancho-homen山頂方面
Bergspitze Takao-sancho 高尾山山頂
Tempel Yakuoin 薬王院
Bahnhof Takaosanguchi-eki 高尾山口駅
2ter Pfad Ni-goro2号路
Wasserfall Biwa-taki 琵琶滝
Lift リフト
Restaurant Takahasiya 高橋屋
Kalte Soba (Hiyashi Sansai Soba 冷やし山菜そば)
Onsen Keio-Takaosan 京王高尾山温泉

Links:
Tempel Yakuo-in: http://www.takaosan.or.jp
Shugendo: https://de.wikipedia.org/
Fabelwesen Tengu: https://de.wikipedia.org/
Zahl 108: https://de.wikipedia.org/
Takao Onsen: http://www.takaosan-onsen.jp/
599 Museum: http://www.takao599museum.jp/
Gott Kshitigarbha: https://de.wikipedia.org/
Suica Karte: http://wanderweib.de/
Restaurant Takabasiya: http://www.takahasiya.com/ (Auf Japanisch)
Zugverbindungen: http://www.hyperdia.com/


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2 Gedanken zu „[JP] Wandere ins Reich der Fabelwesen: Berg Takao 高尾山 und Berg Kagenobu 景信山“

  1. Hammerartikel. Sehr schön ausführlich und der alte Mann im Bus, ohne Zähne…herrlich… Ich hab jetzt solche Lust zu wandern und dann ab ins Onzen. Dank dir.

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