Mitosan Wanderung

[JP] Alter Buchenwald am Berg Mitosan 三頭山

Der Berg Mitosan 三頭山 gehört zu den wenigen Bergen in Tokio, auf dem die Abholzung seit der Edo-Zeit (1603-1868) verboten ist. Schon beim steilen Anstieg fallen uns die vielen uralten Buchen auf, die den Wald zauberhaft erstrahlen lassen. Oben auf dem 1531 m Berg Mitosan angekommen, bietet sich uns traumhafte Ausblicke auf grüne Bergketten und bei gutem Wetter auch auf dem Fuji. Dann steigen wir über den Pass Mushikaritoge zum 33 m hohen Wasserfall Mito-otaki ab, der zu den 100 schönsten Wasserfällen in Japan zählt. Über breite Wege geht es zurück zur Bushaltestelle Tomin-no-mori-iriguchi. Danach lockt das Onsen Ja-no-Yu-Onsen-Takara-So mit einem heißen Bad.


Details:
Distanz: 6,7 km
Dauer: 3 / 4.1 Stunden (ohne/mit Pausen)
Höhenmeter: 1531 m
Anstieg: 617 m
Abstieg: 630 m
Schwierigkeitsgrad: ✭ ✭ ✩✩✩
Jahreszeit: Frühling-Herbst
Startpunkt: Bahnhof Musashiitsukaichi 武蔵五日市駅 Linie Itsukaichi 五日市線 -> Bus -> Bushaltestelle Tomin-no-mori-iriguchi 都民の森入口バス停
Endpunkt: Bushaltestelle Tomin-no-mori-iriguchi 都民の森入口バス停 -> Bus -> Bahnhof Musashiitsukaichi 武蔵五日市駅 Linie Itsukaichi 五日市線
Fotos: 4. Juli 2015


Die Wanderung

Am Bahnhof Musashiitsukaichi 武蔵五日市駅 stellen wir uns hinter einer Gruppe Wanderer an die Bushaltestelle Nr. 1 のりば1an. Der 9 Uhr Bus Richtung Kazuma 数馬 fährt dann pünktlich vor. Wir halten unsere aufladbare Geldkarte an das Kontaktfeld am Hintereingang und setzen uns. Um 9.45 Uhr erreichen wir die Endhaltestelle Kazuma 数馬. Dort wartet bereits ein kostenloser Shuttlebus auf uns. Nach nur ein paar Minuten halten wir an der End-Haltestelle Tomin-no-Mori 都民の森バス停 und steigen aus. Toiletten, ein Parkplatz und ein Restaurant entdecken wir an der Haltestelle. Es ist bewölkt und nur 16 Grad. Wir kramen unsere dünnen Windstopper-Jacke aus.

Wir folgen einer roten Straße bis wir eine Kreuzung erreichen. Dort prangert ein großes Tomin-no-Mori Schild 都民の森 an einem Stein. Auf der linken Seite führen steile Treppen den Hügel hinauf. Wir halten uns hier rechts und durchquere einen schmalen Tunnel. An einer Mauer entdecken wir das nächste Schild Richtung Sayakuchitoge 鞘口峠. Am Straßenrand warnt uns ein Schild vor Bären Kuma 熊. Na toll! Weiter geht es links über einen Waldweg, bis zu einer großen alten Steintreppe.

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Dahinter stehen wir etwas ratlos an einer Kreuzung, die nicht ausgeschildert ist. Nach einem Blick auf mein GPS biegen wir nach links ab. Hier bitte aufpassen! Um 10.50 Uhr erreichen wir den Pass Sayakuchitoge 鞘口峠. Dort gibt es, eine große Plattform mit viele Bänke zu entdecken. „Der Pass Sayakuchitoge 鞘口峠 war früher eine wichtige Handelsstraße zwischen dem ehemaligen Land Musashi 古武蔵 und dem Land Kai 甲斐“, lesen wir auf einem Schild.

Ab hier folgen wir den Schildern Richtung Mitosan 三頭山 bergauf. Unterwegs erfreuen wir uns an uralten Buchen, die wunderschöne Wurzelgeflechte aufweisen.

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In Japan werden die meisten Bäume nach 10-20 Jahren zur Holzgewinnung abgeholzt und neu bepflanzt. Auf dem Berg Mitosan 三頭山 ist das seit der Edo-Zeit (1603-1868) verboten. Bürger setzen sich immer wieder für diesen Wald ein. Heute wird deswegen der Wald auch „der Wald der Bürger“ Tomin-no-Mori 都民の森 genannt. Über eine ziemlich lange Treppe geht es bergauf.

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An den nächsten beiden Kreuzungen folgen wir den Hinweisschildern Richtung Tozanmichi Mitosan 登山道 三頭山. Als wir um die nächste Kurve biegen, stehen drei Wanderer mit drei Stativen vor uns. Wir grüßen sie kurz und fragen, was sie denn genau fotografieren wollten. „Wir schießen Fotos von den alten Buchen!“, sagen sie und grinsen.

Am Wegrand fällt uns ein Schild auf, das es nur noch wenige Buchen Buna ブナ in Tokio gibt.  Plötzlich fällt uns eine kleine Kannon-Statue auf, die in einem Baumstumpf steht.

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Wer die wohl hier platziert hat? An der nächsten Kreuzung wählen wir den schmalen Weg Richtung Higashi-Toge 東峠 und erreichen nach ein paar Minuten eine Aussichtsplattform.

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Normalerweise kann man von hier die Bergkuppen des Odake sehen, doch auf Grund des dicken Nebels sehen wir leider gar nichts. Wir setzen uns und legen eine kleine Rast ein. Nach einer halben Stunde brechen wir auf und folgen dem Weg weiter zur Ost-Spitze Mitosan Higashi-Toge 三頭山 東峠.

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Der Weg ist wieder durch zahlreiche Buchen gesäumt.5 Minuten später erreichen wir die zentrale Spitze Mitosan Chuo-Toge 三頭山 中央峠 (1531m). Leider gibt es immer noch keine Aussicht, so dass wir die Holztreppe Richtung West-Spitze Nishitoge 西峠 nehmen. Auf dieser erwartet uns ein großer Rastplatz mit einigen Bänken und einige Wegweiser. Von hier können wir einige Bergkuppen erblicken:

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Normalerweise kann man von hier den Fuji sehen…. Wir nehmen den Weg Richtung Saihara Pass 西原峠 / Hütte Mitosan 避難三頭山小屋. Zunächst führt uns eine steile Treppe  hinab.

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Hier gehen wir Richtung Hütte und kommen an dem Kamm Mushikari-Toge ムシカリ峠 an. Nach 20 Minuten erreichen wir die Hütte Mitosan 避難三頭山小屋.

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Einige Wanderer rasten auf einer Bank davor und kochen eine Nudelsuppe auf ihrem Gaskocher. Danach wandern wir geradeaus weiter, bis wir an einem kaputten weißen Schild Richtung Berg Osawa 大沢山 ankommen. Wenige Minuten später erreichen wir zwei Bänke und die Abzweigung Richtung Wasserfall Mito-otaki 三頭大滝.

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Hier biegen wir ab und entdecken das Schild Felsenberg-Straße Iwayama 岩山の路. Tatsächlich sieht der Weg wie eine Straße aus Felsen aus:

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Weitere 10 Minuten später erreichen wir einen kleinen Bach, überqueren diesen auf Felsen und Brücken. An einer Kreuzung steht eine Übersichtskarte, die uns eher verwirrt. Hier biegen wir Richtung Otake-no-Doru 大滝の路 ab. Immer wieder erspähen wir kleine Wasserfälle, bis wir an einem großen Rastplatz mit einem Toilettenhäuschen ankommen. Auf der rechten Seite hören wir den Wasserfall Mito-otaki 三頭大滝. Eine Brücke spannt sich vor dem Wasserfall, diese wurde 1989 fertiggestellt.

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Auf der Brücke können wir den Wasserfall gut fotografieren. Leider ist er viel zu groß und passt nicht auf ein Foto…

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Der Regen wird stärker und wir packen unsere Regenjacken aus. An einem Häuschen biegen wir rechts auf eine Holztreppe ab und kommen an der großen Kreuzung mit dem Tomin-no-Mori Schild 都民の森 heraus. Von hier sind es dann nur noch 5 Minuten, bis wir die Bushaltestelle erreichen. Keine 5 Minuten später kommt der Bus pünktlich um 14.35 Uhr. Wir steigen an der Kazuma 数馬 Station aus, schießen ein Foto vom Rückfahrplan und folgen der Straße für einige Minuten, bis wir auf der rechten Seite das Onsen Ja-no-Yu-Onsen-Takara-So 蛇の温泉たから荘 erkennen.

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Das alte Gebäude mit seinem Reetdach erinnert uns an Deutschland. In dieser Gegend ist es das letzte seiner Art. Am Eingang lassen wir unsere Schuhe stehen und schlüpfen in die bereitgelegten Schlappen. Wir zahlen 1000 Yen, bekommen ein Handtuch und gehen nach rechts. Eine lange steile Treppe führt uns zum Bad. Im Vorraum lassen wir unsere Schlappen stehen und betreten den Umkleideraum. Dann geht es ins Onsen! Nach der Entspannung gehen wir zur Bushaltestelle zurück und fahren heim.

Fazit: Insgesamt war dies eine schöne Wanderung, die uns vorbei an Buchenwäldern, Felsen und Wasserfällen führt. Der Bus fährt übrigens nur von April bis November!

Beschilderung:
Haltestelle Tomin-no-Mori 都民の森バス停 → Sayakuchitoge 鞘口峠 → Mitosan 三頭山 → Tozanmichi Mitosan 登山道 三頭山 → Higashi-Toge 東峠 → Nishitoge西峠 → Saihara Pass 西原峠 → Mito-otaki 三頭大滝 → Otake-no-Doru 大滝の路 → Haltestelle Tomin-no-Mori 都民の森バス停

Nützliche Schriftzeichen:
Berg Mitosan 三頭山
Pass Mushikaritoge ムシカリ峠
Berg Osawa 大沢山
Wasserfall Mito-otaki 三頭大滝
Bushaltestelle Tomin-no-mori-iriguchi 都民の森入口バス停
Onsen Ja-no-Yu-Onsen-Takara-So 蛇の温泉たから荘
Bahnhof Musashiitsukaichi 武蔵五日市駅
Linie Itsukaichi 五日市線
Bushaltestelle Nr. 1  のりば1
Bus Richtung Kazuma 数馬
Haltestelle Tomin-no-Mori 都民の森バス停
Schild Tomin-no-Mori 都民の森
Bären Kuma 熊
Land Musashi 古武蔵
Land Kai 甲斐
Richtung Tozanmichi Mitosan 登山道 三頭山
Buchen Buna ブナ
Higashi-Toge 東峠
Pass Mitosan Chuo-Toge 三頭山 中央峠
Pass Nishitoge西峠
Hütte Mitosan 避難三頭山小屋
Felsenberges Iwayama 岩山の路
Richtung Otake-no-Doru 大滝の路
Damen-Bad Onnayu女湯

Links:
Onsen Ja-no-Yu-Onsen-Takara-So 蛇の温泉たから荘: http://homepage2.nifty.com/
Onsen Tipps: http://wanderweib.de/
Busverbindungen: http://bus.ekitan.com/
Zugverbindungen: http://www.hyperdia.com/


Download

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2 Gedanken zu „[JP] Alter Buchenwald am Berg Mitosan 三頭山“

  1. Ein sehr schöner Beitrag. Und besonders toll finde ich, dass du immer gleich die japanischen Zeichen zu den einzelnen Namen mit veröffentlichst. 🙂

    In der Einleitung hast du erwähnt, dass bereits zur Edo-Zeit dieser Wald unter Naturschutz stand.

    Ich lese dazu gerade ein Buch über die Geschichte Japans und war überrascht wie früh sich die Japaner mit dem Schutz der Natur schon beschäftigten.

    In diesem stand, dass bereits zur ersten Kaiserzeit im 7. bis 12. Jahrhundert die umliegenden Wälder vielerorts geschützt waren um Bergabgänge zu verhindern und Wasserresourcen für die Felder zu schützen.

    Ich vermute, dass diese Einstellung unter anderem auch durch die vielen Naturkatastrophen sich über die Jahrhunderte entwickelt hat.

    Wie siehst du das?

    1. Hallo Ronny,
      vielen Dank für das Lob. Tatsächlich fing man mit dem Umweltschutz früh an, aber leider nur für bestimmte Bereiche. Danach bauten sie Dämme, die die Umwelt erheblich schadete. Da gibt es irgendwo ein Buch dazu…

      Viele Grüße aus Tokio,
      Tessa

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