Kirschblüten und Wandern in Japan kombinieren? Gibt es auf den Bergen Hakusan 白山 und Sakurayama 桜山! Die Wanderung gehört zu den schönsten Kirschblüten-Touren in ganz Japan. Die 8.2 km Wanderung startet an der Haltestelle Nanasawa-byoin-iriguchi 七沢病院入口. Von hier geht es auf gut ausgebauten Pfaden durch die japanische Natur. An einigen Stellen erhalten wir schöne Ausblicke auf die Bucht und grüne Bergketten. Unterwegs erfahren wir einiges an japanischer Geschichte und erleben dabei eine einzigartige Natur auf stetig ab- und ansteigend Wanderwegen. Über zwei Berge Hakusan 白山 und Sakurayama 桜山 und durch einen Park erreichen wir den Tempel Hasedera 長谷寺. Hier erwartet uns ein Meer an Kirschbäumen, die gerade in voller Pracht blühen. Danach steigen wir eine  lange Treppe hinab und besuchen die heiße Quelle Furusato-no-Yado (Iyama-Onsen) ふるさとの宿 飯山温泉.


Details
Distanz: 8,2 km
Dauer: 3:45 Stunden (ohne Pause)
Höhenmeter: 286 m
Aufsteigend: 491 m
Absteigend: 538 m
Schwierigkeitsgrad: ✭ ✭ ✩ ✩ ✩
Jahreszeit: Ganzjährig. Besonders schön im Frühling zur Kirschblüte.
Startpunkt: Bahnhof Honatsugi 本厚木駅 Odakyu Linie小田急線 -> Kanachu Bus -> Bushaltestation Nanasawa-byoin-iriguchi 七沢病院入口
Endpunkt: Bushaltestelle Meshiyama-Kannon-Mae 飯山観音前 -> Kanachu Bus -> Bahnhof Honatsugi 本厚木駅 Odakyu Linie小田急線
Fotos: 29. März 2015


Die Wanderung

Gegen 9.24 Uhr kommen meine Begleiter und ich am Bahnhof Honatsugi 本厚木駅 an, am Nordausgang 北口 halten wir uns rechts auf der großen Straße, überqueren eine Ampel und sehen auf der linken Seite den Busbahnhof. An der Bushaltestelle Nr. 9 steigen wir in den Bus Nr. 33 Richtung Nanasawa 七沢.  Wir halten unsere aufladbare Geldkarte Suica an das blaue Touchfeld am Hintereingang und setzen uns auf den hinteren Sitzplatz. Um 10.12 Uhr halten wir endlich an der Haltestelle Nanasawa-byoin-iriguchi 七沢病院入口 und steigen aus.

Wir gehen ein paar Meter die Straße zurück und sehen auf der linken Seite eine Stein-Wildsau Statue an der Ecke stehen. Hier biegen wir in die Straße ein und überqueren eine Brücke. Auf der linken Seite entdecken wir ein kleines Toilettenhäuschen und ein paar Getränkeautomaten an einem Parkplatz. Wir folgen der Straße und stehen schon bald vor einer großen Steinbrücke, die über die Straße ragt. Ab dieser Stelle betreten wir den Park Nanasawa-Shinrin-Koen 七沢森林公園 über eine kleine Treppe hinauf zur Brücke.  Oben wenden wir uns nach links und werden direkt von einem Schild vor Affen gewarnt. Nach wenigen Schritten sehen wir das erste Schild mit der Nummer 32 und eine Karte dazu, das uns bergauf über eine kleine Treppe lost. Danach folgen wir der Beschilderung Nanasawa-no-oka ななさわの丘コース. Plötzlich stoßen wir auf ein schönes Wurzelmeer.

Hakusan (4)

Begeistert versuchen wir nicht auf die zarten Wurzeln zu treten, was uns aber auf Grund der Anzahl schwer fällt. Über eine steile Treppe erreichen wir den 160 m hohen Nanasawa Hügel ななさわの丘. Von dort erhalten wir schöne Aussichten auf das Tal und grüne Bergketten. Den Platz müssen wir uns leider mit einer kleine Wetterstation teilen, die die Aussicht etwas verdeckt. Wir folgen dem Weg weiter, passieren ein kleines Freilichttheater und einen  kleines Häuschen. Schon von weitem hörten wir Hörner, die in dem Haus proben. Interessiert googlen wir im Internet und finden heraus, dass es hier eine Alpenhorn-Gruppe gibt.

An der nächsten Abzweigung  folgen wir dem Schild Richtung One-no-sanpo-michi 尾根のさんぽ道. Wieder erwarten uns einige Treppen, bis wir an einer großen Steintreppe ankommen. Diese führt uns zu einem Steinhäuschen und einem größeren Rastplatz mit wunderschöner Aussicht auf das Umland.

Hakusan (8)

Auf den Tischen und Bänken ruhen wir uns kurz aus, bevor wir weiter gehen.  Nach 45 Minuten erreichen wir den berühmten Pass Junreitouge 順礼峠.

Hakusan (7)

Auf dem Pass erwartet uns eine Steinstatue mit einem roten Lätzchen und Haube, die an einen Vorfall um 1488 erinnern soll. Ein älterer Mann und seine Tochter sind hier ausgeraubt und ermordet worden. Die Dorfbewohner entdeckten die Tat, hatten Mitleid mit den armen Seelen und bauten zu ihren Ehren die Statue. Von diesem Zeitpunkt an beteten Reisende im Stillen für die beiden. Das Lätzchen und die Haube sind rot, weil diese in der shinto-buddistischen Tradition Japans die Farbe ist, die vor Dämonen, Krankheit und Tod schützt. Als sich der Buddhismus in Japan ausbreitete, herrschte auch zur selben Zeit eine große Pockenplage. Die Haut von Schwerkranken verfärbte sich violett, welches direkt zum Tode führte. War die Haut dagegen rot, könnten die Menschen davon ausgehen, dass sich der Kranke wieder erholen wird. Deswegen hat sich in Japan das Tragen von roter Kleidung für besonders von den Pocken gefährdeten, wie zum Beispiel Kindern, etabliert.

Hinter der Statue richten wir uns nach dem Weg Richtung Monomitoge – Berg Hakusan 物見峠・白山 . Nach weiteren Stufen erreichen wir einen Zaun, der soll die Wildtiere im Wald halten. Ab hier wird der Weg etwas breiter. Am Wegrand entdecken wir ab und zu kleine zarte blaue Lilien カンザキアヤメ und grün-braune Feuerkolben ミミガタテンナンショウ, die mich ein bisschen an fleischfressende Pflanzenarten erinnern. Dann stehen wir vor einer endlosen Treppe.

Hakusan (6)

Interessanterweise steht unten am Anfang ein Schild, das mich vor unebenen Stufen warnt. Nach 10 Minuten stehen wir endlich auf dem Pass Monomitoge 物見峠 . Wir setzen uns kurz auf eine Bank und trinken etwas Wasser. Danach geht es wieder über viele Treppen bergab und bergauf. Nach zwei Stunden kommen wir endlich auf dem 284 m hohen Berg Hakusan 白山 an. Eine Plattform ermöglicht es uns die Ebene weiter zu überblicken.

Hakusan (1)

Begeistert legen wir hier eine längere Pause ein und genießen die Aussicht. Schließlich geht es weiter Richtung Iyama Trail-Runner 飯山トレイル・ランニング もみじコース.

Hakusan (10)

Und stolpern über diesen kleinen Schrein Hakusanjinya 白山神社.

Hakusan (5)

Daneben befindet sich eine kleine Waschstelle und eine blaues Schild mit der Geschichte des Schreins, die nicht mehr lesbar ist. Wir folgen den orangenen Wegweisern den Berg hinab, bis wir den zweiten 277 m hohen Berg Sakurayama 桜山 erreichen. Besonders viel gibt es hier nicht zu sehen. Ab hier steigen wir steile Treppen hinab und folgen den Hinweisschildern Nordausgang Kitaguchi 北口 und Hanehira 羽平. Zahlreiche Tafeln helfen uns bei der Orientierung, so dass wir uns sicher nicht verlaufen.  Nach 30 Minuten treffen wir endlich auf den Tempel Hasedera 長谷寺.

Hakusan (9)

Der Tempel Hasedera 長谷寺 wird übrigens von einer buddhistischen Shingon Sekte betrieben. In der Bevölkerung ist der Tempel eher bekannt unter dem Namen der verehrenden Gottheit Iiyama Kannon (飯山観音), um eine Verwirrung mit gleichnamigen Tempeln zu entgehen. Der Legende nach wurde der Tempel Hasedera entweder von einem wandernden heiligen Asketen Gyōki ca. 725 oder von dem berühmten Prälat Kūkai (810-835) gegründet. Jedoch existieren keine Dokumente aus dieser Zeit, die diese Thesen belegen. Während der Kamakura Periode (1185–1333) war der Tempel ein Zentrum für ökumenische Studien der Shingon Sekte. Die Haupthalle wurde in der Edo Periode (1603-1868) erbaut und beinhaltet die Honzon Bronze Juichimen Kannon Bosatsu.

Plötzlich hören wir eine laute Durchsage, dass gleich das Kirschblütenfest eröffnet wird. Am Fuße des Tempels entdecken wir viele Familien, die auf Decken sitzen und Mittag essen. Um sie herum stehen viele blühende Kirschbäume, die in voller Pracht blühen.

kirschblueten (4 von 11)

Dazwischen findet sich eine Bühne und einige Imbisse. An einem Stand kaufen wir uns eine Wildschwein-Krokette Inoshishikorokkeいのししコロッケ, die aber erkalt ist und nicht besonders gut schmeckt. Ein Dorfbewohner erklärt uns, dass da gar kein Wildschwein drin sei, sondern nur normales Fleisch. Na toll, dann sollen sie die gefälligst billiger verkaufen! Wir folgen der Straße und passieren ein altes Tor.

Hakusan (3)

Auf der rechten Seite erreichen wir die heiße Quelle Furusato-no-Yado (Iyama-Onsen) ふるさとの宿 飯山温泉 über eine rote Treppe. Wir ziehen unsere Schuhe aus und lassen diese im Eingang stehen. Der Eintritt kostet kostet 800 Yen ohne Handtuch für nur eine Stunde. Wertsachen können an der Rezeption abgegeben werden, da im Bad keine Schließfächer zur Verfügung stehen. Im Onsen gelten strickte Regeln. Zur Verhaltensweise im Onsen, empfehle ich, meinen Bericht über Onsen zu lesen. Nachdem wir uns in dem kleinem Außen- und Innenbad entspannt haben, trinken wir noch kostenlosen Kaffee am Eingang. Dann verlassen wir das Onsen und folgen der Straße und überqueren eine große Brücke. Die Hauptstraße überqueren wir und biegen nach rechts ab. Wenige hundert Meter weiter stehen wir an der Bushaltestelle Meshiyama-Kannon-Mae 飯山観音前 und fahren zurück zum Bahnhof Honatsugi 本厚木駅.

Fazit: Insgesamt war dies eine schöne Wanderung, die mich vorbei an blühenden Kirschbäumen, Schreinen, Tempeln, über mehrere Berge und japanischen Landschaften vorbeiführt. Sehr zu empfehlen, wenn man eine einfache Wanderung machen möchte. 


Webweiser:
Bushaltestelle Nanasawa-byoin-iriguchi 七沢病院入口 -> Park Nanasawa-Shinrin-Koen 七沢森林公園 -> Nanasawa-no-oka ななさわの丘コース -> One-no-sanpo-michi 尾根のさんぽ道 -> Pass Junreitouge 順礼峠 -> Monomitoge – Berg Hakusan 物見峠・白山 -> Berg Hakusan 白山 ->  Iyama Trail-Runner 飯山トレイル・ランニング もみじコース ->  Berg Sakurayama 桜山 -> Nordausgang Kitaguchi 北口 -> Hanehira 羽平 -> Tempel Hasedera 長谷寺 -> Furusato-no-Yado (Iyama-Onsen) ふるさとの宿 飯山温泉 ->  Bushaltestelle Meshiyama-Kannon-Mae 飯山観音前

Nützliche Schriftzeichen:
Honatsugi 本厚木駅
Linie Odakyu 小田急線
Nordausgang Kitaguchi 北口
Richtung Nanasawa 七沢
Bushaltestation Nanasawa-byoin-iriguchi 七沢病院入口
Park Nanasawa-Shinrin-Koen 七沢森林公園
Wanderung Nanasawa-no-oka ななさわの丘コース
Hügel Nanasawa-no-oka ななさわの丘
Richtung One-no-sanpo-michi 尾根のさんぽ道
Pass Junreitouge 順礼峠.
Richtung Monomitoge – Berg Hakusan 物見峠・白山
Blaue Lilien カンザキアヤメ
Grün-braune Feuerkolben ミミガタテンナンショウ
Richtung Monomitoge – Berg Hakusan 物見峠・白山
Pass Monomitoge 物見峠
Berg Hakusan 白山.
Wegweiser Iyama Trail-Runner 飯山トレイル・ランニング もみじコース
Schrein Hakusanjinya 白山神社
Berg Sakurayama 桜山
Hinweisschildern Nordausgang Kitaguchi 北口 und Hanehira 羽平
Richtung Kitaguchi 北口
Tempel Hasedera 長谷寺
Gottheit Iiyama Kannon 飯山観音
Wildschwein-Krokette Inoshishikorokke いのししコロッケ
Bad Furusato-no-Yado (Iyama-Onsen) ふるさとの宿 飯山温泉

Links:
Park: http://www.kanagawa-park.or.jp/
Busverbindungen: http://www.kanachu.co.jp/
Rote Kleidung-Geschichte: http://leib-in-japan.de
Zugverbindungen:http://www.hyperdia.com/
Suica Karte: http://wanderweib.de/



 

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